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Scheibentausch: Haftet bald der Betrieb?

| Redakteur: Marion Fuchs

Um Haftungsprobleme auszuschließen, ist es wichtig, beim Einbau einer neuen Scheibe die Herstellervorgaben einzuhalten. Dies lässt sich nur durch Justieren und Kalibrieren nachweisen.
Um Haftungsprobleme auszuschließen, ist es wichtig, beim Einbau einer neuen Scheibe die Herstellervorgaben einzuhalten. Dies lässt sich nur durch Justieren und Kalibrieren nachweisen. (Bild: Wintec)

Immer mehr Autos sind mit Fahrerassistenzsystemen ausgestattet, die bestimmte Fahrsituationen selbsttätig durchführen können – beispielsweise Anhalten und Anfahren im Stau. „Für den Reparaturbetrieb hat dieser Komfortgewinn jedoch haftungstechnische Konsequenzen“, erklärt Gordon Kahler, technischer Leiter der Wintec AG, der sich auch im Fachausschuss Fahrerassistenzsysteme des Bundesverbands Autoglaser (BVA) engagiert. Die Haftung für die ordnungsgemäße Funktion der Systeme liegt beim Automobilhersteller. Kann dieser nach einem Unfall jedoch nachweisen, dass ein nicht fachgerechter Eingriff in die Systeme stattgefunden hat, kann dies auf den Fachbetrieb zurückfallen, der den letzten Scheibentausch durchgeführt hat. Als nicht fachgerecht gilt dabei alles, was von den Herstellervorgaben abweicht.

„Um unvorhergesehene Haftungsrisiken von vornherein auszuschließen, ist es beim Scheibentausch künftig umso wichtiger, auf die exakte Einhaltung der Herstellervorgaben zu achten“, rät Gordon Kahler und weist besonders auf ergänzende Angaben wie „erforderliche Zusatzarbeiten“ hin.

Kompetenz und Technik erforderlich

Aus Sicht des Glasexperten Gordon Kahler bedeutet das zweierlei: „Zum einen kommt der Fachbetrieb, der auch künftig die Scheiben moderner Pkw tauschen will, um die Anschaffung entsprechender Geräte nicht herum.“ Mit diesen lassen sich Kalibrierung und Justierung durchführen sowie im Ernstfall die notwendigen Nachweise über eine ordnungsgemäße Reparatur erbringen. „Auf der anderen Seite müssen Betriebe ihre Autoglasspezialisten regelmäßig schulen und vor allem für das Thema Herstellervorgaben sensibilisieren.“

Werkstätten, die diese beiden Kriterien erfüllen, können auch künftig erfolgreich sein, ist Gordon Kahler überzeugt: „Das Geschäft mit Autoglas wird sich umso mehr lohnen, denn der Aufwand für den Scheibentausch steigt durch die neuen Systeme enorm an.“ Besonders relevant sei das für jene Autoglas-Betriebe, die verstärkt Flotten zu ihrem Kundenstamm zählen: „Eine interne Auswertung hat ergeben, dass die Kalibrierungsquote nach dem Scheibentausch bei Fuhrparks über 50 Prozent beträgt.“ Im Gesamtmarkt hingegen müsse nur in 13 Prozent der Fälle nach dem Scheibentausch neu kalibriert und justiert werden. Das könne sich jedoch schnell ändern, meint der Wintec-Spezialist: „Im Flottensegment hat sich die Kalibrierungsquote innerhalb von nur zwei Jahren verdoppelt.“

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