DAF Trucks 90jähriges Jubiläum

Redakteur: Marion Fuchs

Am 01. April 1928 richtete sich der niederländische Ingenieur Hub van Doorne eine kleine Werkstatt ein. Heute hat sich das Unternehmen zu einem führenden Lkw-Hersteller entwickelt.

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Seit 90 Jahren gibt es DAF-Trucks.
Seit 90 Jahren gibt es DAF-Trucks.
(Bild: DAF)

Der talentierte Hub van Doorne eröffnete seine kleine Werkstatt auf dem Gelände der örtlichen Brauerei Coolen in Eindhoven. Zu Beginn konzentrierte sich die Manufaktur auf Schweiß- und Schmiedearbeiten für die Stadt und lokale Unternehmen wie den Lampen- und Radiohersteller Philips. Die Weltwirtschaftskrise inspirierte Hub van Doorne und seinen Bruder Wim dazu, ihr Angebot weiter auszubauen. Bereits 1932 entwickelte sich die Werkstatt zu einem Fertigungsbetrieb für Anhänger und der Firmenname wurde in Van Doorne's Aanhangwagen Fabriek (Van Doorne's Anhängerfabrik), abgekürzt DAF, geändert. Die Anhänger und Auflieger, die das kleine Werk produzierte, hoben sich nach Firmenangaben wegen des geschweißten Fahrgestells und den höheren Nutzlasten von der Konkurrenz ab. Die Schweißtechnik, mit der diese Anhänger hergestellt wurden, war zur damaligen Zeit einzigartig, und erlaubte eine Gewichtsreduktion. Eine weitere Erfindung war der Containerauflieger von DAF, der 1936 eingeführt wurde und für das schnelle Be- und Entladen von Containern aus einem Eisenbahnwagon konzipiert war. Dabei handelt es sich um ein frühes Beispiel für intermodale Transporte. DAF wurde mit dieser Eigenentwicklung zum ersten Anbieter von Container-Aufliegern.

Im Jahr 1949 ging der erste DAF-Lkw in Produktion und der Firmenname wurde in Van Doorne's Automobiel Fabriek geändert. Im Jahr darauf wurde ein neues Werk gebaut und die Fahrgestellproduktion für die heute bekannten Drei-, Fünf- und Sechstonner aufgenommen.

Motorenentwicklung

Anfänglich verwendete DAF Benzinmotoren von Hercules und Dieselmotoren von Perkins. Im Jahr 1957 entwarf das Eindhovener Unternehmen erste eigene Motoren und begann mit deren Herstellung. Zwei Jahre später erweiterte DAF den Dieselmotor DD575 um einen Turbolader. 1973 führte DAF die Ladeluftkühlung als Branchenneuheit ein. Diese Technik wurde zunächst entwickelt, um die Forderung nach mehr Motorleistung bei geringerem Kraftstoffverbrauch zu erfüllen, erwies sich jedoch später auch als unverzichtbar für die Realisierung weniger schädlicherer Abgasemissionen. In den 1980ern präsentierte DAF die ATi-Technik (Advanced Turbo Intercooling), die eine Verbesserung der Einspritztechnik und des Brennraums ermöglichte und dadurch eine Senkung des Kraftstoffverbrauchs und eine Steigerung der Leistung bewirkte.

Im Jahr 2005 stellte DAF den Paccar MX-Motor vor, der heute in alle schweren Lkw von DAF sowie in 40 % der von Kenworth und Peterbilt produzierten Lkw verbaut wird. Die MX-13- und MX-11-Motoren der neuesten Generation zeichnen sich durch niedrigtourige Motoren mit intelligenten Antriebssträngen und effizienten Hinterachsen aus. Dadurch steht bei niedrigen Drehzahlen ein hohes Drehmoment zur Verfügung, was für Kraftstoffeffizienz und Fahrerkomfort sorgt. Zusammen mit Software-Algorithmen, der Aerodynamik und dem neuen Nachbehandlungssystem sorgen diese DAF-Innovationen für die größte Verbrauchsreduktion in der Geschichte des Unternehmens.)

Fahrerhaus setzt Maßstäbe

Die ersten DAF Trucks der späten 40er und frühen 50er Jahre verließen das Werk als Fahrgestell mit dem charakteristischen Kühlergrill mit sieben Chromstangen vor dem Motor sowie einem provisorischen Sitz aus Holz. Die DAF-Fahrgestelle wurden zu Aufbauherstellern transportiert, um ein vor Ort gefertigtes und maßgeschneidertes Fahrerhaus anzubringen. 1951 führte DAF ein eigenes aerodynamisch verbessertes Fahrerhaus mit abgerundeten Ecken und einem geneigten Kühlergrill ein. Der Fahrkomfort wurde durch die Einführung eines gefederten Sitzes erhöht.

In den 1960er Jahren konzipierte DAF die ersten Fernfahrerkabine für den internationalen Straßentransport. Der DAF 2600 verfügte über zwei Betten und gute Rundumsicht, um ein großzügiges Raumgefühl und eine optimale Sicht auf die Straße zu schaffen. Servobremsen und Servolenkung erleichterten die Arbeit des Fahrers. 1969 platzierte DAF als einer der ersten Hersteller das Fahrerhaus direkt über dem Motor. Dabei konnte die Kabine zur leichteren Wartung einfach nach vorn gekippt werden.

Bei der Einführung des Space-Cab-Konzeptes im Jahr 1988 stellte der LKW-Bauer die Betriebskosten und den Fahrer in den Mittelpunkt. Mit dem Hochdach-Konzept setzte er Maßstäbe in Bezug auf Fahrerhausgröße und Komfort auf der Langstrecke.

Firmenübernahme

Im Jahre 1996 wurde DAF von Paccar übernommen. Die neuen Baureihen LF, CF und XF in den Jahren 2001 und 2002 eingeführt. Es folgten das Modell XF105 im Jahr 2005 und das Euro 4- und Euro 5-Programm im Jahr 2006. 2013 ging eine ganze Reihe neuer, umweltfreundlicher Euro 6-Modelle in Produktion. Erst im letzten Jahr wurden der neue XF und der neue CF für ihre Transporteffizienz und die Verringerung des Kraftstoffverbrauchs um 7 Prozent mit dem Titel „International Truck of the Year 2018“ ausgezeichnet. In Großbritannien erhielt die neue Generation des LF letztes Jahr außerdem die Auszeichnung „Commercial Fleet Truck of the Year“.

Zunkunftstechnologien

Im Jahr 2015 stellte DAF das Lkw-Platooning vor. Mit der EcoTwin-Technologie können Anhängerfahrzeuge automatisch dem Führungsfahrzeug in geringem Abstand folgen, was wiederum zu einem geringeren Kraftstoffverbrauch, reduzierten CO2-Emissionen und einem verbesserten Verkehrsfluss führt. Aufgrund des Erfolgs von EcoTwin wurde das Unternehmen ausgewählt, 2017 an Testläufen für Platooning in Großbritannien teilzunehmen.

Im 21. Jahrhundert werden DAF-Lkw in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Brasilien hergestellt, während die Produkte von DAF von rund 1.100 unabhängigen Partnern auf fünf Kontinenten vertrieben werden.

Der globale Lkw-Vertrieb wird durch kundenorientierte Services wie permanente Teileverfügbarkeit und bedarfsgerechte Finanzierungslösungen ergänzt, die von Paccar Parts und Paccar Financial angeboten werden. Damit die Fahrzeuge im Ernstfall schnell wieder auf die Straße kommen, unterstützt International Truck Service (ITS) und DAF Connect, das Flottenmanagementsystem, die Kunden.

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