Schäden durch Wetterereignisse Brühe von unten

Autor: Peter Diehl

Nach Starkregen von großen Wassermengen überschwemmte Pkw – welcher Kfz-Unternehmer denkt bei solchen Bildern nicht an die eigenen bzw. Kundenfahrzeuge? Wir erklären, wie es zum Wasserschaden kommt, den Standpunkt der Versicherungen und das Wetterereignis selbst.

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Versicherer tendieren bei Fahrzeugen mit Wasserschaden zum Totalschaden.
Versicherer tendieren bei Fahrzeugen mit Wasserschaden zum Totalschaden.
(Bild: AdobeStock_314695366_©Ovidiu)

Wasser ist Segen, sofern es in Maßen fließt. Gern auch von oben, also als Regen. Gerade hierbei scheint es in den letzten Jahren an der Dosierung zu fehlen. Mal regnet es lange Zeit gar nicht und mal in riesigen Mengen, als sogenannter Starkregen. Letzteres glücklicherweise regional eng begrenzt. Dennoch bringt Starkregen enorme Probleme mit sich: Bachläufe und Abwasserkanäle sind mit den in kurzer Zeit auftretenden Wassermengen überfordert. Es kommt zu Überschwemmungen, von denen auch Immobilien und somit Gewerbeobjekte betroffen sein können. Handelt es sich um Kfz-Betriebe, geht es auch um Fahrzeuge, meist um Pkw. Gelten derart beschädigte Fahrzeuge stets als Totalschäden?

Beim aufgezeigten Wetterereignis kommen für Fahrzeuge zwei unglückliche Umstände zusammen: Die Flüssigkeit ist mehr Brühe als Wasser. Und die Brühe kommt von unten. Bewusst ist hier von Flüssigkeit und Brühe die Rede, denn das Regenwasser nimmt an der Oberfläche schnell Erdschlamm auf, strömt in das Kanalsystem, vermischt sich dort mit Abwasser und tritt an anderer Stelle wieder zutage. Die nächste Station auf dem Weg des Gemischs ist womöglich ein Ölabscheider.

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Versicherungen tendieren zur Abrechnung als Totalschaden

Automobile sind stets so konstruiert, dass von oben auftreffende Flüssigkeit unter normalen Umständen nicht ins Innere gelangen kann. Leider trifft das nicht auch auf Flüssigkeit zu, die von unten kommt. Hier sind es die Belüftungs- und Korrosionsschutzbohrungen in Schwellern und anderen Teilen der Karosserie, tief positionierte Tüllen und Dichtungen sowie die Zwangsentlüftung im Heck, über die Flüssigkeit ins Fahrzeuginnere strömt. „Wenn der Innenraum von einem Gemisch aus Wasser, Schlamm, Abwasser und Öl geflutet war, spätestens wenn Kabelbäume und Steuergeräte betroffen sind, gehen wir von einem wirtschaftlichen Totalschaden aus. Handelt es sich hingegen um Frischwasser, beispielsweise aus einem nahen Rohrbruch, kann die Schadenhöhe durchaus unterhalb der Totalschadenschwelle liegen“, erklärt Franz-Josef Wulfdeit, Manager Theft Prevention and Recover Unit beim Toyota Versicherungsdienst (TVD).

So oder so: Ein mitunter verkanntes, weil zeitversetzt auftretendes Problem ist Schimmelbefall, unter anderem unter Teppichen, in Schwellern und an Sicherheitsgurten. Schimmelbeseitigung und Erneuerung betroffener Komponenten dürfen deshalb bei der Schadenkalkulation nicht unberücksichtigt bleiben, auch wenn der Sachverständige während der Besichtigung noch keinen Schimmelbefall erkennt. Deutlich schadensteigernd wirken übrigens im Fahrwerk verbaute Komfortkomponenten wie aktive Stabilisatoren, insbesondere mit elektrischen Aktuatoren.

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Peter Diehl

Fachredakteur Automobiltechnik und -reparatur, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG