Durchstarten „Das Portfolio besser vermarkten“

Autor / Redakteur: Die Fragen stellte Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Matthias Kaupp, Geschäftsführer der Kaupp GmbH in Schramberg, mobilisierte in der Pandemie in den Hintergrund geratene Kundensegmente und baute einige Geschäftsbereiche aus.

Matthias Kaupp ist Geschäftsführer des Karosserie- und Lackfachbetriebs Kaupp GmbH und Vorsitzender der Schadenlenkungsinitiative „Werkstatt Werte Union“.
Matthias Kaupp ist Geschäftsführer des Karosserie- und Lackfachbetriebs Kaupp GmbH und Vorsitzender der Schadenlenkungsinitiative „Werkstatt Werte Union“.
(Bild: Kaupp GmbH)

Redaktion: Wie steht es um die aktuelle Stimmungslage in Ihrem Unternehmen?

Matthias Kaupp: Die Stimmung ist von einer großen Unsicherheit geprägt, obwohl wir das Jahr 2020 mit großem Engagement annähernd unserer Planung abgeschlossen haben. Der Lockdown ist vor allem im Geschäftsbereich Unfall & Lack spürbar. Die Industriebeschichtung, in der wir auch tätig sind, macht keine deutliche Trendwende. Alle Vorhersagen sind vage und labil.

Welche besonderen Herausforderungen gab es für Ihr Unternehmen durch die Corona-Pandemie?

Matthias Kaupp: Die Hygieneschutzmaßnahmen umzusetzen und dadurch tunlichst eine Betriebsschließung zu vermeiden. Besonders ärgerlich ist dann natürlich, wenn die Betriebe, wie auch wir, unter anderem durch die Hygienemaßnahmen die Unfallreparaturen gewährleisten konnten, sich aber gleichzeitig mit Schadenlenkern und Versicherern über die Bezahlung dieser Leistungen streiten mussten. Das war und ist eine große Unfairness, weil die Versicherer viel Geld durch fehlende Unfälle eingespart haben und dennoch der Werkstatt in die Tasche greifen. Und natürlich galt es, Umsatzeinbrüche durch andere Bereiche auszugleichen, soweit dies überhaupt möglich war.

Wie hat sich Ihr Betrieb auf das Jahr 2021 vorbereitet – was waren bzw. sind die wichtigsten Schritte?

Matthias Kaupp: Wir werden wenn nötig die Kurzarbeit nutzen und versuchen, in alle Richtungen unser Portfolio noch besser zu vermarkten. Dazu wollen wir viele Kundensegmente ansprechen: von Privatkunden über Autohäuser, Schadenlenker, Versicherer, Flotten bis hin zu Nischen wie Lkw- und Caravan-Instandsetzungen – in diesen Bereichen haben wir uns in den vergangenen Jahren durch Kooperationen, Investitionen und Qualifizierungsmaßnahmen etabliert.

Gab es auch positive Aspekte im Pandemie-Jahr 2020?

Matthias Kaupp: Grundsätzlich haben wir viele Abläufe in unserem Betrieb hinterfragt und nachjustiert. Zudem sind wir wieder verstärkt in den aktiven Vertrieb gegangen. Das war zuvor bei Vollauslastung und ständigem Zeitdruck in den Hintergrund gerückt. Dadurch haben wir neue Potenziale und Kontakte akquiriert.

Werden sich diese auf 2021 auswirken?

Matthias Kaupp: Sicherlich solange die Pandemie anhält. Und hoffentlich schaffen wir es danach, die guten Errungenschaften dieser besonderen Zeit weiterzuführen.

Glauben Sie, dass wir zu einem „Normalzustand“ wie vor der Pandemie, zurückkehren werden – wo sehen Sie die Veränderungen?

Matthias Kaupp: Die Mobilität ist ja grundsätzlich in einem Transformationsprozess, der noch beschleunigt wurde. Antriebstechnologie und Eigentumsmodelle von Fahrzeugen bieten jedenfalls ein großes Potenzial für Veränderungen. Ich denke, es wird zumindest kurzfristig bis mittelfristig nach der Pandemie ein geringeres Verkehrsaufkommen geben, weil die Digitalisierung mehr und mehr angenommen wurde. Videokonferenz statt Außendiensttätigkeit, Homeoffice statt Büro – das bedeutet weniger Verkehr und weniger Unfälle. Eine schnelle Rückkehr zum Normalzustand erwarten wir nicht. Andererseits wäre auch vorstellbar, dass alles schnell vergessen ist, und der andere „Wahnsinn“ weitergeht.

Was haben Sie, Ihr Unternehmen, aus der Krise gelernt?

Matthias Kaupp: Immer beweglich bleiben und nicht still stehen. Nicht aufgeben und bei allem Ärger gelassen bleiben. Wer soll die verunfallten Fahrzeuge denn richten, wenn nicht wir K&L Betriebe?

Wie sehen Sie die personelle Entwicklung in der Branche und für Ihr Unternehmen? Wird der Fachkräftemangel künftig weiter ein großes Thema sein?

Matthias Kaupp: Auf jeden Fall. Auch wenn die aktuelle Zeit eine Beruhigung am Arbeitsmarkt ergab, die sicherlich längst überfällig war, bleiben dennoch deutlich gestiegene Löhne. Sobald die Industrie wieder läuft, stehen wir wieder in einem großen Wettbewerb, und Abwerbeversuche der Industrie werden wieder zunehmen.

Welche Tipps und Ratschläge können Sie an ihre Kollegen weitergeben?

Matthias Kaupp: Auch mit dem Rücken zur Wand sollte sich der Unternehmer nicht ausnutzen lassen, nicht jedes Geschäft um jeden Preis machen und kreativ nach Alternativen suchen. Letztlich muss aber jeder für sich seinen Weg durch eine solche Zeit finden.

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