Dekra: Autohersteller müssen Datenlieferung verbessern

Autor: Jan Rosenow

Der Prüfdienstleister sieht den HU-Adapter als ersten wichtigen Schritt zur Prüfung elektronischer Systeme im Auto. Damit er funktionieren kann, müssen die Autohersteller allerdings ihre Daten zur Verfügung stellen. Und da hakt es noch.

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Dekra-Automobil-Chef Gerd Neumann
Dekra-Automobil-Chef Gerd Neumann
(Bild: Rosenow / »kfz-betrieb«)

Die Sachverständigenorganisation Dekra hat ein Jahr nach der Einführung des HU-Adapters ein positives Zwischenfazit gezogen. „Das Gerät ist ein wichtiger erster Schritt, ein Einstieg in die Prüfung elektronischer Systeme“, urteilte Gerd Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dekra Automobil GmbH, während einer Pressekonferenz auf der Automechanika.

Angesichts des rasanten Fortschritts der Fahrzeugtechnik müsse die Überwachung Schritt halten und sich ebenfalls weiterentwickeln. Neumann sprach in diesem Zusammenhang von einer „Hauptuntersuchung 4.0“, die es in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu schaffen gelte. Nur so könne der sichere Betrieb des Autos über das gesamte Fahrzeugleben hinweg sichergestellt werden, vor allem in Hinblick auf vernetzte und autonom fahrende Autos.

Die HU fängt bereits bei der Homologation an

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Autohersteller ihre Datenlieferungen verbesserten. „Für dieses Thema stehen verbindliche Regelungen noch aus“, kritisierte Neumann. Auch müsse bereits bei der Homologation der Fahrzeuge an die spätere Prüfbarkeit gedacht werden. Dies gehe nur in Zusammenarbeit mit den Autoherstellern.

Der HU-Adapter stellt fahrzeugindividuelle Prüfvorgaben, Zusatzinformationen und Hinweise für die Hauptuntersuchung bereit. Wichtig dabei ist die Verbauprüfung elektronischer Systeme – nur so weiß der Prüfingenieur beispielsweise, mit welchen Fahrerassistenzsystemen das Auto ausgestattet ist. Heute lässt sich das Gerät bereits bei 45 Prozent aller Pkw für die Verbauprüfung, bei 55 Prozent für die Bremsenprüfung und bei 25 Prozent für den Lichttest einsetzen.

Jede zweite Hebebühne hat Mängel

Neben Fahrzeugmängeln kümmern sich die Dekra-Prüfer ebenfalls um Risiken in den Werkstätten – und wurden fündig. An mehr als der Hälfte aller Hebebühnen in deutschen Kfz-Betrieben haben sie im ersten Halbjahr 2016 Mängel festgestellt. Insgesamt führten die Experten knapp 8.000 Prüfungen der gängigsten Bühnen-Bauarten – Säulen-, Stempel- und Scheren-Hebebühnen – durch.

Bei mehr als 4.600 Prüfungen (58 %), fanden sie Mängel an Elektrik/Elektronik, Bau und Ausrüstung sowie Schutzeinrichtungen oder tragenden Teilen. Jeder fünfte dieser 4.600 Schäden galt als gefährlich, weitere 24 Prozent als erheblich. Hier besteht sofortiger Handlungsbedarf.

Im Vergleich zu den Auswertungen der letzten Jahre – Hebebühnen müssen jährlich geprüft werden – ergab sich zwar keine große Änderung. Trotzdem sind die Zahlen zu hoch, schließlich können bei Unfällen mit der Hebebühne schwere Schäden an Fahrzeugen und Verletzungen bei den Mitarbeitern eintreten.

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 Jan Rosenow

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group