ZKF-Branchentreff 2019 Die Zukunft gestalten

Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Der ZKF-Präsident Peter Börner schwor die Branche in seiner Grundsatzrede anlässlich des 71. ZKF-Branchentreffs auf die Herausforderungen der Zukunft ein. Ängstlich müssen die Betriebe demnach nicht sein – der Verband liefert laut Börner für jedes Problem eine Lösung.

Volles Haus in Esslingen, der ZKF-Branchentreff mobilisiert die Branche.
Volles Haus in Esslingen, der ZKF-Branchentreff mobilisiert die Branche.
(Bild: Wenz)

Der ZKF habe in den vergangenen Jahren bereits vieles modernisiert und auf die Zukunft ausgerichtet, erklärte der ZKF-Präsident Peter Börner heute in seiner Grundsatzrede anlässlich des ZKF-Branchentreffs 2019. Dennoch dürfe man sich nicht ausruhen, denn der Abstand zwischen dem, was der Kunde oder das Mitglied will und dem, was die Werkstatt oder der Verband liefern kann, würde sonst zu groß.

„Tatsache ist, dass sich künftig einiges verändern wird: Technik, Antriebsart, Eigentum, Gesellschaft, Versicherung, Personal“, zählte Börner auf. Weitere Anforderungen würden Telemetrie, Diagnose, Big-Data-Auto, Justage, notwendige Investitionen, Fachkräfte, Löhne, administrative Aufgaben und die Tatsache, dass nur noch am Handel von Waren in den durchschnittlichen Betrieben verdient wird, an die Betriebe stellen. „Nicht mehr an der handwerklichen Leistung, sondern am Einkauf und Verkauf von Ersatzteilen und dem Lack verdienen die Betriebe Geld – das lässt sich in sämtlichen Branchenberichten nachlesen“, erklärte Börner. Aus diesen Entwicklungen leitet der ZKF-Präsident folgende Fragen ab:

  • Wie lange dauert es noch, bis der Hersteller den Betrieben die Margen kürzt und ihnen die Luft zum Atmen nimmt?
  • Wie lange dauert es noch, bis der Versicherer die Teile bestellt und bezahlt?

Ersatzteile für die Unfallreparatur seien Monopolware und die Betriebe hätten keinen Einfluss auf die Preisgestaltung, genauso wenig wie die Versicherer. In diesem Zusammenhang zeigte der ZKF-Präsident kein Verständnis für Werkstätten, die jüngst eine Pilotphase einer Versicherung unterstützt hatten und die Aussage trafen: „wo ich die Teile herbekomme ist doch egal, Hauptsache die Marge stimmt“. (Anm. der Redaktion: AXA und das Teileportal Alphascale) „Das ist viel zu kurz gedacht, denn warum sollte die Versicherung das mit den Teilen machen? Um der Werkstatt was Gutes zu tun? Nein, sie will an die Margen ran und Schadenkosten einsparen“, warnte Börner die Betriebe. In Dänemark sei es bereits so weit, dass die Versicherung die Teile aussucht, bestellt und der Werkstatt zuliefere.

„Wir leben heute mit unterirdisch schlechten und nachweislich falschen Zeitvorgaben bei Micro-Stundensätzen über die sich die andere Handwerke nur belustigen können“, führte der ZKF-Präsident weiter aus. Es sei aber bei Weitem nicht so, dass es keine Antworten auf diese brennenden Fragen der Branche gebe. Vielmehr würden Informationsquellen wie ZKF, IFL, Eurogarant Auto-Service AG, KTI, Repair-Pedia, Hotline, Verband, Innung usw. die jeweiligen Antworten liefern. „Es ist alles vorhanden, man muss es nur nehmen, wie bei einem Kochbuch“, erklärte Börner.

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Allerdings falle dies einigen Betrieben schwer, was der ZKF-Präsident an einem Beispiel verdeutlichtete: „Jüngst standen Thomas Aukamm und ich in Würzburg auf den Karosserie- und Schadenstagen mit einem Unternehmer zusammen, der uns doch tatsächlich fragte, „wann macht der ZKF denn endlich mal was gegen diese Rechnungskürzungen“. Nicht nur, dass es einem hierbei schier aus den Socken haut, nein, das ist auch noch eine glatte 6 im Zeugnis des Betriebes an seinen Verband. Auf die Frage, ob er denn keine ZKF-Online-News lesen würde, denn darin wurde schon mehrfach über die Lösungen des ZKF und der Eurogarant Auto-Service AG gegen Rechnungskürzungen berichtet, hieß es nur: „Was ist das denn, nee, dazu habe ich keine Zeit bei der Flut von E-Mails“.

Zahlreiche Musterschreiben, neue AGB-Empfehlung, neue Reparaturkostenübernahme, Datenschutzgrundverordnung, Weiterbildungsangebote, Seminare, EuroDFT, Wiederspruch zur Stundenverrechnungssatzerhebung durch die Rechnungskürzer und Verweiser an günstigere Werkstätten, Branchenbericht, Stundenverrechnungssatzkalkulation, hunderte IFL Meldungen und so weiter und so fort – das alles habe dieser Betrieb nicht bekommen, ebenso wenig wie die Einladung für den ZKF-Branchentreff.

„Wenn ein Betrieb Beiträge an die Innung zahlt, dann erwartet er doch eine Gegenleistung außer dem Weiß-Blauen-Schild an der Tür, oder?“, fragte sich Börner. Scheinbar tue der genannte Betrieb das nicht, denn er habe keine Erwartungshaltung oder „keine mehr“ an seine Innung, den Landes- bzw. Zentralverband. „Wir müssen diese Erwartungshaltung bei den Mitgliedsbetrieben wieder erwecken. Die sorgt dafür, dass sich die Betriebe mit unseren Leistungen beschäftigen – der ZKF hat für fast jedes Problem eine Lösung", führte Börner aus.

Um dies zu erreichen hat sich der Verband einiges vorgenommen:

Im kommenden Jahr will er über die sozialen Medien beim Mitglied wesentlich präsenter sein. Hierfür rief Börner die Betriebe auf, den ZKF auf Facebook zu liken, dem Vorstand auf Twitter zu folgen und vor allem dem Verband die aktuelle und personalisierte E-Mail-Addresse zu nennen. Auf dem Branchentreff soll es künftig praktische Beispiele geben.

Zu den Veranstaltungen plant man Crash-Tests durchzuführen.

Die Funktion von Fahrerassistenzsystemen demonstrieren.

Mehr parallele Work-Shops anbieten,

Dem Nutzfahrzeug eine völlig neue und wesentlich größere Bedeutung zukommen lassen.

Den Betrieben die Bedenken der bezüglich der kommenden Herausforderungen nehmen, auf der Obermeistertagung, dem Eurogarant-Erfahrungsaustausch, dem Branchentreff und der Deutschland Tour.

„Das ist somit heute und hier der letzte „Branchentreff. Auf gemeinsamen Beschluss des ZKF-Vorstands hin veranstalten wir ab dem nächsten Jahr das: „Automobile-Zukunfts-Forum“ und versprechen schon jetzt, dass der Name Programm ist. Notieren Sie sich hierfür schon jetzt den 18. bis 20.06.2020", ergänzte Börner.

Schluss mit Rechnungskürzungen

Der ZKF-Präsident bedankte sich bei den Ausschüssen für ihre Arbeit, dadurch würden immer mehr solcher Themen in den Vorstand gelangen. Der wiederbelebte Querdenkerkreis und das Juniorenseminar würden neue Sichtweisen auf Kernthemen schaffen, zudem würde im Vorstand diskutiert, eine Art „Junge Union“ neben den Vorstand zu stellen.

„Ich lade hiermit alle U35 ein – ihr müsst noch mindestens 30 Jahre arbeiten – und natürlich alle anderen motivierten Mitglieder ebenso: gestaltet eure Zukunft im ZKF mit“, forderte der ZKF-Präsident die Mitgliedsbetriebe auf. Die Branche brauche Lösungen für die Probleme der Werkstätten:

  • Schluss mit Rechnungskürzung,
  • ausreichend Arbeitszeit und keine Phantasiezeiten,
  • Entschädigung der wachsenden administrativen Aufgaben,
  • Finger weg vom Warenhandel
  • auskömmliche Stundensätze.

„Als Berufs- und Wirtschaftsverband sehen wir unsere Aufgabe in der Lieferung von Problemlösungen. Dazu gehören der Branchenbericht, die IFL-Liste, Repair-Pedia, der Euro-DFT, das Onlinetool SOS Rechnungskürzung und die Dienstleistung für Betriebe – DfB von der Eurogarant AG. In Summe seien das alles Verbandsleistungen, die für einen e. V. eher unüblich wären, den Mitgliedern aber enorm helfen und auf die man sehr stolz sein sollte.

Aktuell stehe der Verband inmitten der Erhebungen zur aktuellen IFL-Studie „Chronos“. Chronos messe derzeit in Werkstätten vor Ort an über 900 Aufträgen, die Zeiten, die zur Erledigung eines Auftrages erbracht werden müssten, welche aber nicht in den operativen Zeitvorgaben der Hersteller aufgelistet seien. „Über 60 Tätigkeiten stehen auf dieser Erfassungsliste, alles Positionen, die der Autohersteller nicht berücksichtigt, wir aber zur Abarbeitung des Auftrages benötigen. Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich auf die ZKF Online News zu achten, oder das Jahresmagazin des ZKF zu lesen“, sagte Börner..

In Summe bleibe festzustellen, dass die Versicherungen endlich begreifen müssten, dass der aktuelle Regulierungs- und Kürzungswahn zu dramatischen Betriebsergebnissen und zu schlechteren Voraussetzungen in der Zukunft führe. „4,6 Prozent Ertrag vor Steuern, Abschreibung und Investition lassen laut dem aktuellen ZKF Branchenbericht am Ende in der Tasche des Unternehmers null Euro. Es bleibt keine Luft zum Leben, zum Investieren, zum Ausbilden und zum Gestalten der Zukunft. Tarifverhandlungen mit Nullrunden als Ergebnis werden gefeiert, dabei laufen uns die eigens ausgebildeten Mitarbeiter reihenweise weg", beschrieb der ZKF-Präsident. Gleichzeitig weise die HUK-Coburg ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 565 Millionen Euro aus! Die Allianz ein Gleiches vor Steuern von 10,4 Milliarden Euro. „Wohlgemerkt, Ergebnis. Unternehmensberater Stefan Höslinger hat auf den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen vorgerechnet, dass die Versicherungsprämie gerade mal 2 Euro steigen muss,damit der Betrieb 10 Euro mehr für die Stunde bekommen kann – viele Probleme der Werkstätten bzgl. Fachkräftemangel und Investition wären gelöst", unterstrich Börner.

Zum Ende seiner Grundsatzrede machte der ZKF-Präsident noch auf die im nächsten Jahr anstehenden Wahlen aufmerksam. „Wenn Ihr hier im Saal mitbestimmen möchtet, wer euch ab dem nächsten Jahr im Vorstand und als Präsident vertritt, dann müsst ihr auf die Innungsversammlungen gehen und eure Stimme dort abgeben. Für mich persönlich gibt es zahlreiche Gründe, erneut zur Wahl anzutreten", erklärte Börner. Es gebe viele Aufgaben, aktuell und in der Zukunft, welche er gerne mit den Mitgliedern gemeinsam gestalten wolle. „Bindet euch bitte mit ein, lest die Informationen vom ZKF, und ich sage euch zu, dass wir weiterhin in dieser Geschwindigkeit anpacken und die Zukunft gestalten. Lasst sie uns angehen, die Zukunft, sie gehört denen die mitmachen, also uns" appellierte Börner.

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