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Fahrerassistenzsysteme erzwingen die Durchführung einer Elektronik-Diagnose

| Redakteur: Redaktion Fahrzeug + Karosserie

Im Gegensatz zur Freien Werkstatt, die in der Regel schwerpunktmäßig das Marktsegment „älter als vier Jahre“ bearbeitet, ist der Karosserie-Fachbetrieb mit allen technologischen Neuerungen ab Markteinführung eines Fahrzeugmodells konfrontiert.

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(Archiv: Vogel Business Media)
Ein typisches Beispiel hierfür sind sicherlich Fahrerassistenz-Systeme, die bis vor wenigen Jahren in der Oberklasse eingesetzt wurden, mittlerweile aber auch in der Mittelklasse und im unteren Preissegment breiten Einzug gefunden haben.

Eine freie Werkstatt ist im Wesentlichen mit der Diagnose, Wartung und Reparatur eines Fahrzeuges betraut. Ein Diagnosetool muss neben der zu bearbeitenden Hersteller/Modellpalette vor allem ausreichende Diagnosetiefe und Funktionen rund um den Motor sowie Servicefunktionen aufweisen. Nachdem vorwiegend Fahrzeuge außerhalb der Garantie bearbeitet werden, muss ein Diagnosetool nicht notwendigerweise Neufahrzeuge abdecken.

Ganz anders sieht das bei Arbeiten in einer Karosseriewerkstatt aus. Selbst bei sogenannten Bagatellunfällen im Stoßfängerbereich oder sonst an der „Außenhaut“ ist durch den Verbau umfangreicher Sensorik neben Spezialwissen der Einsatz eines Diagnosetools heute unerlässlich.

Es ist also darauf zu achten, dass

- möglichst auch neue Fahrzeuge gut abgedeckt werden

- Sensorik im Frontbereich und im Stoßstangenbereich angelernt werden kann

- Bremse, Airbag, Dachsteuerungen und Türsteuerungen bearbeitet werden können

- Sensorik an der Frontscheibe (z. B. Regensensor, Kamera), sowie Sensorik oder Elektronik im Spiegel angelernt werden kann

Hinsichtlich der Diagnosetiefe sollten zumindest die Funktionen Fehlercode lesen/löschen, sowie wichtige Anlernfunktionen abgedeckt werden. Nachdem heute Sensorik auch in den Außenspiegeln sowie im Glasbereich verbaut wird (Regensensor, Kamera) ist besonderes Augenmerk auch auf diese Funktionen zu legen.

Einige Beispiele sollen zeigen, dass viele Tätigkeiten nur noch unter Zuhilfenahme eines geeigneten Diagnosetools ausgeführt werden können. Was immer notwendig ist, ist die Funktion „Fehlerspeicher lesen und löschen“. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Unfall und erfolgter Reparatur sich im Fehlerspeicher Einträge befinden ist sehr groß. Dies kann passieren, wenn ein Sensor nicht richtig angeschlossen wurde oder vergessen wurde anzuschließen. Das Lesen aller Fehlerspeicher ist auf alle Fälle schon mal ein Hinweis, dass die Systeme arbeiten und dem Kunden ein Auto ohne Fehlerspeichereinträge übergeben werden kann. Ganz hilfreich ist hier neben dem Löschen des Fehlerspeichers einzelner Steuergeräte die Funktion „Fehlerspeicher löschen Alle“, was letztendlich bedeutet, dass mit einem Befehl alle Steuergeräte des Fahrzeuges erfasst werden und nur ein einziger Klick notwendig ist.

Beispiel: Tausch Frontscheibe

Frontscheiben sind heute nicht mehr schwimmend gelagert, sondern tragen wesentlich zur Stabilität eines Fahrzeuges bei. Aufgrund dieser Tatsache und der Größe der heute verbauten Frontscheiben sind diese wesentlich empfindlicher als noch vor Jahrzehnten. Da in der Regel hinter der Frontscheibe Sensoren wie Regenlichtsensor sowie Kameras verbaut sein können, ist zur richtigen Funktion dieser Sensorik nach einem Scheibentausch diese anzulernen. Dies ist notwendig, da die neue Scheibe einen anderen Brechungsindex besitzt als die vorherige. In mehreren Schritten wird nach Eingabe einer Zahl, die unterhalb des an der Scheibe angebrachten Barcodes abzulesen ist, der Regenlichtsensor initialisiert und angelernt. Moderne Diagnosesysteme wie z. B. XDS von AVL DiTest bieten hier sehr hilfreiche Zusatzinformationen, sodass der Karosseriewerker kein Spezialwissen benötigt, sondern Schritt für Schritt geführt wird.

Ähnliche Abläufe sind z. B. beim Tausch eines Lenkwinkelsensors sowie z. B. bei Fahrzeugen und Tausch von Luftfederungen notwendig. Auch hier sind spezielle Abläufe einzuhalten, ansonsten kommt es zu Fehlern. Insbesondere der Tausch von Federbeinen bei Fahrzeugen mit Luftfahrwerk ist nicht unproblematisch. Hier müssen z. B. die Gummibälge angeblasen werden, um bei Einbau Zerstörung zu vermeiden.

Harald Hahn

(ID:294)