FCD-Portal: Die Diagnose-Nussknacker

FCD ist zurück. Mit ihrer unkonventionellen Fehlersuche unterstützen die Tschechen Werkstätten auch hierzulande dabei, bei Diagnosen schneller und besser ans Ziel zu kommen. Das Beispiel eines VW T5 zeigt das auf anschauliche Art und Weise.

| Autor: Steffen Dominsky

Ein simpler Temperatursensor im Abgasstrom des VW T5 hatte eine Macke. Besser gesagt: Er wies einen „Drift“ auf. Die originale „Odis“-Diagnose brachte einen VW-Partner nicht zum Diagnoseziel. Das Team von FCD jedoch fand den ungewöhnlichen Fehler auf simple Art und Weise.
Ein simpler Temperatursensor im Abgasstrom des VW T5 hatte eine Macke. Besser gesagt: Er wies einen „Drift“ auf. Die originale „Odis“-Diagnose brachte einen VW-Partner nicht zum Diagnoseziel. Das Team von FCD jedoch fand den ungewöhnlichen Fehler auf simple Art und Weise. (Bild: FCD)

Es ist eine nicht ganz untypische Geschichte, die das Diagnoseleben schrieb. Ein Kunde hatte seinen VW T5 zum Vertragspartner gebracht. Dieser hatte keine Leistung mehr, und diverse Kontrolllampen waren angegangen.

Die VW-Partnerwerkstatt führte daraufhin folgende Arbeiten aus: Sie

  • baute ein neues AGR-Ventil ein,
  • führte eine Flash-Aktualisierung durch,
  • baute einen neuen Originalpartikelfilter ein,
  • baute einen neuen Differenzialdrucksensor ein und
  • baute ein neue Breitband-Lambdasonde ein.

Die Reparaturversuche zogen sich bereits fast zwei Monate hin – ohne jeglichen Erfolg. Jedes Mal nach rund 800 Kilometern Fahrstrecke ging die Motorelektronik in den Notlauf. Die Beanstandung lautete konkret: „DPF-, MIL- und Vorglühwarnlampe leuchten auf“, Fehlermeldung „FC Code [002002] P245800 Dieselpartikelfilter Regenerationsdauer zu lang“.

Der T5 wurde schließlich zu den Experten von FCD gebracht. Zu Beginn – wichtig! – befragten diese den Fahrzeughalter im Rahmen einer ausführlichen Dialogannahme. Diese durchzuführen, ist im Rahmen jeder Fehlersuche ein Muss. Auch scheinbare Kleinigkeiten oder Nebensächlichkeiten, die der Kunde dabei erwähnt, können wertvolle Informationen für die Werkstatt hinsichtlich der Fehlersuche sein. In diesem Fall brachte die Befragung jedoch keine nützlichen Erkenntnisse. Also bedienten sich die tschechischen Diagnosefachleute ihrer selbst entwickelten Drei-Schritt-Strategie.

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Schritt 1: LOG-Aufnahme

LOG steht für LOG- bzw. Protokolldatei. Loggen bedeutet also nichts anderes, als die Istwerte von Sensoren oder Aktoren auszulesen bzw. mitzuschreiben, das heißt abzuspeichern. Da sich die Elektronik des T5 über eine zu lang andauernde Regenerierung „beschwerte“, wählten die FCDler für eine erste LOG-Aufnahme die Messwerte, die eine Regenerierung pauschal beeinflussen können. Dies sind vor allem Werte von allen Temperatursensoren im Abgasstrang:

  • Differenzdruck des Partikelfilters (davor und danach)
  • Aktueller Lambdawert
  • Nacheinspritzung 1 und 2
  • Status der Regeneration
  • EGR-Position
  • Gaspedalposition
  • Motordrehzahl
  • Berechnete Last
  • Angesaugte Luftmenge pro Hub
  • Einspritzmenge pro Hub
  • Turboladedruck (Ist-/Sollwert)

„Dies reichte für den Anfang“, blickt FCD-Gründer Libor Fleischhans zurück. „Diese Werte kann man mit etlichen Diagnosegeräten kontinuierlich im Sekundentakt aufnehmen und abspeichern. Der Fachmann sagt dazu ‚loggen‘.“ Die Datei wird üblicherweise im CSV-Format abgespeichert und lässt sich dann auf einem Rechner mithilfe einer Excel-Grafik darstellen.

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Fleischhans führte die erste Testfahrt durch und erkannte gleich einen Verdächtigen: Der Temperatursensor T4 (grüne Linie) zeigte eine um circa 300 °C niedrigere Temperatur an als der Sensor T3, obwohl dieser rund 30 Zentimeter vor dem T4 verbaut ist, also tendenziell wärmer sein müsste (Grafik 1 und 2 unten). Der Dieselpartikelfilter (DPF) war offensichtlich rußfrei, da der Differenzdruck die ganze Zeit niedrig blieb (in den Grafiken nicht zu sehen).

Grafik 1 und 2: Die Temperaturverläufe der einzelnen Sensoren im Abgasstrang und die Nacheinspritzungen während der Regeneration.
Grafik 1 und 2: Die Temperaturverläufe der einzelnen Sensoren im Abgasstrang und die Nacheinspritzungen während der Regeneration. (Bild: FCD)

Schritt 2: Lokalisierung der Ursache

Wäre das Differenzdrucksignal unplausibel gewesen, hätten die Diagnoseexperten ein digitales Speicheroszilloskop zu Rate ziehen müssen, um die elektrische Schwachstelle einzugrenzen. Da sie aber anders messen, als typische Diagnosefachleute es tun bzw. als die Programme diverser Diagnosegeräte es verlangen (siehe dazu auch Interview oben), hätten sie an sämtlichen relevanten Pins die Signale gleich mehrkanalig aufgenommen, also auf dem Sender und auf dem Empfänger, und hätten so eine Vielzahl an Informationen in einem Aufwasch erhalten. Das war im Fall des T5 jedoch nicht nötig.

„Hier hatten wir eher den Verdacht eines sogenannten Drifts, also einer Messbereichsverschiebung des Temperatursensors T4. Deshalb konnten wir den Schritt Lokalisierung überspringen und gleich zur Simulation übergehen“, erklärt Fleischhans.

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