Kommentar Hausgemachte Probleme

Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Azubis sind genau so schwer zu finden, wie eventuelle Nachfolger. Diese Misere ist nicht allein auf den demographischen Wandel zurückzuführen – vielmehr ist ein Umdenken in der Branche notwendig.

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Konrad Wenz, Chefredakteur »Fahrzeug+Karosserie«
Konrad Wenz, Chefredakteur »Fahrzeug+Karosserie«
(Bild: Vogel Business Media)

In der Titelgeschichte der »Fahrzeug+Karosserie« Ausgabe 11 zeigen wir, welche Herausforderungen auf Betriebsinhaber zukommen, wenn sie ihr Unternehmen an einen Nachfolger übergeben wollen. Besonders tragisch ist es, wenn sich niemand für das Unternehmen interessiert! Das kann daran liegen, dass der Betriebsinhaber es heruntergewirtschaftet hat und zunächst ein großer Investitionsstau abzubauen wäre. Immer öfter kommt es aber auch vor, dass es gar keinen potenziellen Nachfolger gibt – weder aus der Familie noch extern.

Und das ist ein deutlicher Hinweis auf die nächste Misere in der Branche: Der Nachwuchs fehlt. Es wird immer schwieriger, junge Menschen für das Handwerk und insbesondere für den Beruf des Fahrzeug- und Karosseriebauers zu gewinnen.

Wirft man einen Blick in die bundesweiten Tarifvereinbarungen zur Ausbildungsvergütung, wird schnell klar, woran das liegt: In manchen Bundesländern erhält ein Auszubildender im Beruf des Fahrzeug- und Karosseriebauers gerade einmal die Hälfte dessen, was beispielsweise ein Kfz-Mechatroniker bekommt.

Klar, betriebliche Sonderleistungen wie Prämien für gute Leistungen oder ein Firmenwagen tauchen in den Tarifvereinbarungen nicht auf. Aber genau das ist das Problem: Interessiert sich ein Jugendlicher für ein Berufsbild und macht sich im Internet schlau, dann sieht er eben nur die tarifliche Vergütung. Das kann dann dazu führen, dass er sich gar nicht weiter mit der wunderbaren Vielfalt und den tollen Möglichkeiten dieses Berufs beschäftigt. Ändert sich hier nichts, wird dieses hausgemachte Problem dem Gewerbe den Nachwuchs kosten.

Sicher – Geld ist nicht alles. Aber wenn ein Angebot immer hinter dem des Wettbewerbs zurücksteht, muss man sich über den Misserfolg bei der Azubisuche nicht wundern. Und der Misserfolg bedeutet an dieser Stelle: keine Azubis.

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