Weniger Lack, mehr Effizienz

14.05.2019

Das Lackieren mit erwärmtem und ionisiertem Stickstoff verspricht unter anderem Einsparungen beim Lack und kürzere Trocknungszeiten. Reinhard Beyer, Inhaber von Auto Beyer, wollte es genau wissen und hat einen seiner Betriebe mit einer Nitrotherm-Sprayanlage ausgestattet.

Eine gesunde Mischung aus unternehmerischer Neugierde und Skepsis bewog den Betriebsinhaber von Auto Beyer, Reinhard Beyer, 2018 dazu, einen seiner Betriebe mit einer Nitrotherm-Sprayanlage für das Lackieren mit Stickstoff aus-zustatten. Dazu bewogen hatten ihn Erfahrungen und Berichte aus der Branche und von Kollegen. Auch wenn nicht alles, was ihm zu Ohren kam, positiv war, überwog die Über-zeugung, dass das System des Her-stellers Kamatec halten würde, was es versprach: Einsparungen im betrieblichen Alltag beim verbrauchten Lackmaterial und kürzere Trocknungszeiten. „Ich mache mir gerne selbst ein Bild“, erklärt der Unternehmer seine Entscheidung für das Lackieren mit Stickstoff. Reinhard Beyer setzte dabei auf ei-ne bewährte Methode, die er mit seinem Partner Manuel Holzapfel für seine sechs Karosserie- und Lackierfachbetriebe der HoB-Repair-Group etabliert hat. Die entlang der A7 zwischen Siegen und Darmstadt verteilten Standorte sind unterschiedlich spezialisiert: Zwar sind alle Karosse-rie- und Lackierfachbetriebe, manche mit angeschlossener Mechanik. Allerdings verfügen nicht alle über das gleiche Maß an spezialisierten Fach-kräften und Ausstattung, da dies nicht in allen Betrieben erforderlich ist. „Deshalb bringen wir die Fahrzeuge, je nach Schadensbild, an die geeigneten Standorte. Logistik ist deutlich günstiger als der Unterhalt von Fachwissen und Equipment“, berichtet der erfahrene Unternehmer. Um dieses Konzept möglich zu machen, sind alle Standorte digital vernetzt und jederzeit über den Fortschritt einer Reparatur informiert. Innovation, die passt. Für den Feldversuch „Lackieren mit Stickstoff“ wählte der Inhaber den Standort Rodgau, einen Karosse-rie- und Lackierfachbetrieb mit 25 Mitarbeitern. Der Betrieb arbeitet mit einer Kombi-Lackierkabine und kommt mit relativ beengten Platzverhältnissen zurecht – dem räumlichen Wachstum seien Grenzen gesetzt, so Beyer. Dementsprechend hoffte er durch den Einsatz des Nitrotherm-Spraysystems, den Standort effizienter gestalten zu können. Im Sommer 2018 installierte die Firma Kamatec das Nitrotherm-Spraysystem bei Auto Beyer in Rodgau. Die Lackierer seien anfangs zwar skeptisch gewesen, erinnert sich Beyer. So hätte es etwas Überzeugungsarbeit gebraucht, um die Akzeptanz der Mitarbeiter für das neue System zu gewinnen. „Wenn man es schafft, die Mitarbeiter zu überzeugen, dann sind sie letztlich überzeug-ter, dass es wirklich funktioniert", weiß der Inhaber. Diese Überzeugung sei Stück für Stück gewachsen. Dabei hätte auch geholfen, dass Beyers Mit-arbeiter wüssten, dass der Inhaber Innovationen zwar offen, aber auch kritisch gegenüberstehe. „Wir nehmen nur, was zu uns passt“, sagt Beyer. Sich offen gegenüber Veränderungen zu zeigen, ist für ihn eine selbstverständliche Eigenschaft, um in der Branche erfolgreich zu bleiben.