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Karosserie- und Schadenstage: Diagnose statt Nachkalkulation

| Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Das Diagnostizieren, Kalkulieren und Reparieren trifft den Nerv der Branche. Daher analysierte die Tagung die Bedeutung der Eingangsdiagnose für die weitere Schadenabwicklung.

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(Foto: Stefan Bausewein)

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage entwickeln sich immer mehr zum Pflichttermin für Unternehmer aus der Karosserie- und Lackierbranche sowie für Dienstleister, Versicherer und Sachverständige. In diesem Jahr informierten sich im Rahmen der vom Fachmagazin »kfz-betrieb« initiierten Veranstaltung insgesamt 665 Besucher bei vielen Fachvorträgen und an den Ständen der fast 70 Aussteller im Vogel Convention Center in Würzburg.

Aus den technischen Vorträgen ging dabei ein klares Fazit hervor: Die richtige und genaue Diagnose ist die Grundlage für einen funktionierenden Arbeitsprozess. Das beginnt schon bei der Eingangsvermessung eines Unfallfahrzeugs. Ohne diese sei es quasi nicht mehr möglich, zu bestimmen, ob der Unfall zu einem Rahmenschaden geführt habe oder nicht, erklärte Stefan Paschke von Car-O-Liner.

Karosserie- und Schadenstage 2016: Neuheiten der Aussteller
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„Die Eingangsvermessung sichert das Gutachten des Sachverständigen ab. Nur so lassen sich teure und den Reparaturprozess störende Nachkalkulationen vermeiden“, führte Paschke aus. Die Vielfalt der im Karosseriebau verwendeten Materialien, insbesondere der hoch- bzw. höchstfesten Stähle, mache die Eingangsvermessung unumgänglich.

Schadensaufnahme vor Publikum

Dies bestätigten auch die Dekra-Sachverständigen Martin Rademann und Michael Breuch. Sie zeigten an einem BMW 1er mit einem Seitenschaden, wie der Sachverständige bei einer Schadenaufnahme vorgeht und auf welche Besonderheiten er zu achten hat. Beispielsweise muss er wissen, an welchen Stellen die Karosserie verklebt oder verschweißt ist, oder wo sie doppelwandig aufgebaut ist. Mit diesem Wissen kann er dann die Entscheidung treffen, ob ein Seitenteil repariert werden kann, oder ob es technisch und wirtschaftlich günstiger ist, das Teil zu erneuern.

Rademann wies beim vorliegenden Schaden darauf hin, dass eine Eingangsvermessung vor dem Start der Würzburger Karosserie- und Schadenstage durchgeführt wurde. Die Sachverständigen legten den Reparaturverlauf fest und erläuterten, warum die eine oder andere Entscheidung so getroffen worden war. Dabei sprachen sie auch das Thema Beilackieren an. „Der Sachverständige muss beurteilen können, ob eine Beilackierung notwendig sein wird oder nicht“, erklärte Breuch.

Live-Vorführungen des Euro-DFT

Weitere Live-Vorführungen betrafen das Mehrmarkendiagnosegerät Euro-DFT sowie die Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen. ZDK-Geschäftsführer Neofitos Arathymos und Dirk Marichal von Adis Technology, zeigten, wie einfach sich eine Werkstatt mit dem Euro-DFT in den Server des Fahrzeugherstellers einloggen kann. Dort stehen der Freien Werkstatt dann die gleichen Informationen zur Verfügung wie dem entsprechenden markengebundenen Autohaus. Der Euro-DFT kann derzeit mit den Portalen von zehn Fahrzeugherstellern kommunizieren, darunter alle deutschen Marken mit ihren Schwestermarken. Weitere Marken seien geplant, verkündete Arathymos.

Der ZDK-Geschäftsführer kündigte an, dass der offizielle Verkaufsstart des Mehrmarkentools am 2. Juni 2016 sei. An diesem Tag wird der ZDK im Vogel Convention Center in Würzburg den Euro-DFT in den Markt einführen. Werkstätten sind eingeladen und aufgerufen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Einen endgültigen Preis wollte Arathymos in Würzburg noch nicht nennen. Das Tool soll aber unter 9.000 Euro liegen. Innungsmitglieder würden noch einen satten Nachlass bekommen.

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