ZKF / Eurogarant K&L-Betriebe: Zukunft in der eigenen Hand

Von Konrad Wenz

Die Betriebe müssen umdenken, war eine Kernaussage der gestrigen Online-Veranstaltung des ZKF und der Eurogarant Auto Service AG. Hierfür zeigten die Referenten fünf Optionen auf, die den Betrieben Umsätze außerhalb der klassischen Schadenlenkung sichern können.

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Das geschäft mit Oldtimern kann evtl. moderate Umsatzrückgänge mit der Schadenlenkung auffangen.
Das geschäft mit Oldtimern kann evtl. moderate Umsatzrückgänge mit der Schadenlenkung auffangen.
(Bild: Standox)

Rund 150 Teilnehmer begrüßte der Präsident des Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) und Eurogarant-Vorstand Peter Börner zur gestrigen Online-Veranstaltung „Deine (Teil-) Exit-Strategie aus der Schadenlenkung! – Schadenlenkung oder Schaden durch Lenkung?

Zum Einstieg führte Börner aus, dass der Markt in der Regel nur über die von Versicherern und Schadenlenkern gelenkten Schäden sprechen würde. Dabei seien mehr als die Hälfte der insgesamt über neun Millionen Unfallschäden nicht gesteuerte Schäden (4,7 Millionen). Darüber hinaus seien die Konditionen der gesteuerten Schäden eher schlecht.

ZKF-Präsident Peter Börner fordert die ZKF-Mitgliedsbetriebe zum Umdenken auf.
ZKF-Präsident Peter Börner fordert die ZKF-Mitgliedsbetriebe zum Umdenken auf.
(Bild: ZKF)

Ein wesentlicher Knackpunkt seien unter anderem die mit dem jeweiligen Schadenlenker vereinbarten Stundensätze. Der ZKF-Präsident legte den Teilnehmern in diesem Zusammenhang die Stundensatzkalkulation des ZKF nahe, die in jedem Betrieb verwendet werden sollte. Anhand einer Excel-Tabelle werden hier sämtliche Betriebskosten erfasst und der daraus resultierende notwendige Stundenverrechnungssatz errechnet. Dieser selbst oder gemeinsam mit dem Steuerberater errechnete Stundenverrechnungssatz müsse zum Leitwert in den Verhandlungen mit den Schadensteurern und allen betriebswirtschaftlichen Entscheidungen werden.

KSR-Geschäftsführer Peter Ringhut zeigte auf, wie der Unternehmer die notwendigen Zahlen im Werkstattorganisationssystem findet, die er für die Stundensatzkalkulation benötigt.
KSR-Geschäftsführer Peter Ringhut zeigte auf, wie der Unternehmer die notwendigen Zahlen im Werkstattorganisationssystem findet, die er für die Stundensatzkalkulation benötigt.
(Bild: ZKF)

Dieser erforderliche Stundensatz habe auf der anderen Seite nichts mit den Konditionen zu tun, die der Betrieb mit seinem Schadenlenker vereinbart habe. Hier würden weitere Parameter gelten, vereinbarte Leistungen und Konditionen seien zu berücksichtigen. Hilfreich könne hier der Großkundenrechner des BVdP sein, der dem Betrieb im Einzelfall aufzeigt, ob sich die Zusammenarbeit mit einem Schadenlenker zu den vereinbarten Konditionen lohnt. Anhand eines Beispiels machte Börner deutlich, dass sich der Verzicht auf einen Großkunden bei gleichzeitiger Kostensenkung für den Betrieb durchaus lohnen könne.

Die Betriebe sollten das für ihre Großkunden nachvollziehen und selbst berechnen, wie sich der Verlust bzw. die Trennung eines Großkunden auf ihr Betriebsergebnis auswirke, unter Zugrundelegung der eigenen Betriebsparameter. Dabei ginge es nicht darum, von der Schadenlenkung schlagartig Abstand zu nehmen oder Mitarbeiter abzubauen. Börner sprach eher von einem moderaten und gewollten Umsatzrückgang bei gleichzeitig höherer Rendite – es ginge es um den Erhalt der Betriebe und darum, diese durch auskömmliche Stundensätze und Materialeinsätze abzusichern.

Eurogarant-Vorstandsmitglied Guido Kalter stellte ein neues Portal für das Flottenmanagement durch Werkstätten vor.
Eurogarant-Vorstandsmitglied Guido Kalter stellte ein neues Portal für das Flottenmanagement durch Werkstätten vor.
(Bild: ZKF)

Die weitere Veranstaltung stellte den Teilnehmern fünf Optionen vor, mittels derer ein moderater Umsatzrückgang in der Schadenlenkung eventuell aufgefangen werden könnte:

1.) Caravan-Geschäft

Dierk Conrad, Geschäftsführer Nutzfahrzeuge ZKF, berichtete wie sich die Caravan-Branche in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Demnach seien 2020 erstmals über 100.000 Fahrzeuge in diesem Bereich neu zugelassen worden. Seit 2015 sei der Bestand in Deutschland um 38 Prozent gestiegen, die jährlichen Zulassungszahlen hätten sich verdoppelt. Diese Entwicklung eröffne den Betrieben große Chancen. Beispielsweise liege die Schadenquote bei diesen Fahrzeugen bei etwa 12 Prozent (167.000 Fahrzeuge). Zwar würde ein Großteil der Schäden fiktiv angerechnet, dennoch sei es für den Betrieb lohnend, sich um dieses Geschäftsfeld zu kümmern. Ein starkes Netzwerk, wie die zertifizierten Caravan-Fachbetriebe des ZKF, könne dabei unterstützen. Inzwischen hätten sich bundesweit schon 120 ZKF-Betriebe zertifizieren lassen.

2.) Kleinflottenbetreuung

Eurogarant-Vorstandsmitglied Guido Kalter stellte die Online-Plattform „service2muuv“ vor. Hierbei handele es sich um eine Vertriebs- und Betreuungsplattform der Werkstatt, über die eigene und zugekaufte Fuhrparkservices den werkstatteigenen Kleinflotten-Kunden angeboten werden können. Kalter schlug hierfür regionale Flotten mit 2 bis 50 Fahrzeugen vor, die von einer Werkstatt betreut werden können. Das Angebot der Plattform geht allerdings weit über die Werkstattservices hinaus. Beispielsweise gehören eine Tank-/Waschkarte dazu, genauso wie die Fahrerunterweisung und ein Ladestationfinder für E-Fahrzeuge. Zudem lassen sich Schadenmeldungen über service2muuv abwickeln und vieles mehr.

3.) Oldtimer

ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm zeigte die Entwicklung des Oldtimermarktes auf. Laut dem Datendienstleister Statista sei die Zahl der zugelassenen Oldtimer und Sammlerfahrzeugen in Deutschland in den letzten 10 Jahren um das 2,5-fache auf 857.000 Einheiten gestiegen. Gleichzeitig sei der Bestand an zugelassenen Youngtimern (zwischen 15 und 29 Jahre alt) auf nahezu acht Millionen Fahrzeuge geklettert. Laut einer Allensbach-Oldtimer-Studie aus dem Jahr 2018 würden 31 Prozent der Oldtimer und 33 Prozent der Youngtimer in freien Werkstätten repariert, beziehungsweise restauriert. Vertrauensbildend wirke sich hierbei das ZKF-Fachbetriebszeichen Oldtimer Fachbetrieb aus. Aukamm erläuterte, welche Voraussetzungen ein Betrieb erfüllen müsse, um sich als Oldtimer-Fachbetrieb zertifizieren zu lassen. Bisher seien bundesweit 91 ZKF-Mitgliedsbetriebe diesen Weg gegangen.

4.) Autohäuser

ZKF-Präsident Peter Börner legte den Teilnehmern nahe, Autohäuser wieder mehr in den Kundenstamm einzubeziehen. Karosserie- und Lackbetriebe könnten ihnen ihr Leistungsportfolio anbieten und so das Leistungsangebot des Autohauses indirekt verbessern. Dabei müssten sich K&L-Fachbetriebe nicht auf das klassische Karosserie- und Lackgeschäft beschränken, sondern könnten für die Autohäuser beispielsweise die Übergabeinspektionen vor der Neuwagenauslieferung, die Leasingrücknahmen oder die Gebrauchtwagenaufbereitung übernehmen. Börner machte darauf aufmerksam, dass sich das Autohausgeschäft im Wandel befinde. Beispielsweise würde der Rückgang an Neuzulassungen, der hohe Anteil an Leasingfahrzeugen sowie die Wiederentdeckung des Agenturgeschäfts, die Autohäuser dazu treiben, sich weitere Betätigungsfelder zu suchen. Der K&L-Fachbetrieb sollte nicht warten, bis sich das Autohaus eine eigene K&L-Lösung erschlossen habe, sondern aktiv auf die umliegenden Autohäuser zugehen und das eigene Leistungsangebot inklusive einer Kalkulation unterbreiten.

5.) Werkstattportale

Börner machte im weiteren Verlauf der Veranstaltung deutlich, dass es immer mehr Online- Werkstattportale gebe, auf denen der Autofahrer sich informieren könne. Dort finde er Angaben zum Leistungsportfolio einer Werkstatt in seiner Nähe bis hin zum Preisangebot für Reparaturen beziehungsweise Wartungen. Auch die ZKF-Mitgliedsbetriebe müssten die Möglichkeiten des Internets nutzen, um ihre Leistungen dem Verbraucher anzubieten. Hierfür sei die DAT-Plattform „Fair Garage“ besonders geeignet. Gesellschafter dieser Plattform sind neben der DAT auch die Verbände VDA, VDIK und ZDK, führte Börner aus. Damit sei die gesamte Automobilwirtschaft an der Plattform beteiligt. Allein im Jahr 2021 hätten rund 3,1 Millionen User die Plattform besucht. Börner forderte die Mitgliedsbetriebe auf, sich auf Fair Garage zu registrieren. Die Plattform biete ihnen zahlreiche Vorteile, beispielsweise Neukundengewinnung und intelligentes Suchmaschinenmarketing.

Zahlreiche Kommentare in der Chatfunktion lobten die Veranstaltung und verlangten eine Fortführung des Themas in weiteren Online-Seminaren und Diskussionsrunden. ZKF-Präsident Peter Börner kündigte dies auch an und versprach weitere Veranstaltungen zu einer kritischen Betrachtung der Schadensteuerung mit alternativen Modellen für die Betriebe.

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