Digitalisierung Lacklieferanten verschlanken die Lagerhaltung

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Digitale Prozesse sind in der Unfallinstandsetzung von besonderer Bedeutung: Nicht nur können sie die Durchlaufzeit in der Werkstatt verkürzen – sie helfen auch, die Kosten zu senken, beispielsweise bei der Lagerhaltung.

Die professionelle Datenverarbeitung in der Karosserie- und Lackwerkstatt ist eine Grundvoraussetzung für Deckungsbeiträge im gesteuerten Geschäft.
Die professionelle Datenverarbeitung in der Karosserie- und Lackwerkstatt ist eine Grundvoraussetzung für Deckungsbeiträge im gesteuerten Geschäft.
(Bild: Axalta)

Beschäftigt sich eine Werkstatt mit der Instandsetzung von Unfallfahrzeugen, sind straffe Prozesse für sie existenziell. Das trifft insbesondere dann zu, wenn das Unternehmen ein Partnerbetrieb ist und gesteuerte Schäden zu überwiegend schlechten Konditionen reparieren muss. Kommt es dabei zu Störungen im Prozess, läuft der einzelne Auftrag schnell ins Minus. Das heißt, der Betrieb erwirtschaftet negative Deckungsbeiträge. Deshalb versuchen Karosserie- und Lackbetriebe schon lange, ihre Prozesse weitgehend zu digitalisieren. Dabei werden sie von ihren Lacklieferanten unterstützt. Deren Softwareangebote helfen den Betrieben bei der Lagerverwaltung und der elektronischen Farbtonfindung bis hin zum automatischen Mischen der gewünschten Farbe. Zwar ist die Lagerhaltung nur ein kleiner Aspekt in der Digitalstrategie eines K&L-Betriebs – aber ein Wesentlicher. Denn hier geht es nicht nur um finanzielle Ressourcen des Betriebs, sondern auch darum, die Mitarbeiter für sinnvollere Tätigkeiten einsetzen zu können als zur Kontrolle, ob das Schleifpapier in Körnung XY oder Putztücher noch in ausreichender Menge vorhanden sind. Und wer will schon ständig nachprüfen, ob von einer Farbe noch genügend Menge am Lager ist; insbesondere dann, wenn man zum Anmischen des Farbtons gerade mal ein paar Gramm aus dem Einlitergebinde benötigt? Solche Dinge lassen sich automatisieren. Allerdings benötigt der Betrieb dafür eine nachhaltige Strategie.

Digitale Angebote

Das hat man auch in der Strakeljahn-Gruppe erkannt. Das Unternehmen arbeitete in der Vergangenheit in seinen fünf Standorten mit verschiedenen Lackherstellern zusammen. Das macht es nahezu unmöglich, an allen Standorten mit gleichen Strukturen bzw. Prozessen zu arbeiten. Unternehmensgründer Gerhard Strakeljahn und sein Schwiegersohn und Mitgeschäftsführer Marc Brockötter haben die digitalen Angebote der ihnen bekannten Lackmarken verglichen und sich daraufhin entschlossen, alle Betriebe zum Identica-Standort zu machen. Identica ist das Werkstattnetzwerk des Kölner Reparaturlack-Lieferanten Spies Hecker. Der Kölner Standort der Strakeljahn-Gruppe, die Firma Brillant, ist bereits seit sechs Jahren Partner des Werkstattsystems. Dieser Standort ist mit 85 Mitarbeitern der größte innerhalb der Gruppe. „Die Zusammenarbeit mit Identica hat sich bewährt“, sagt Geschäftsführer Gerhard Strakeljahn. Das Werkstattnetz helfe der Gruppe bei der optimalen Strukturierung der Abläufe: „So laufen gerade die kleinen Dinge, die im stressigen Alltagsgeschäft schon einmal aus dem Blick geraten, dank des Werkstattsystems reibungslos.“ Dazu zählen beispielsweise die Sicherheitsschulungen der Mitarbeiter oder die Wartung der Tore – dank des jährlichen Fragenkatalogs des Werkstattsystems. So werde nichts übersehen. Marc Brockötter sieht in der Zusammenarbeit mit Spies Hecker entscheidende Vorteile für die Zukunft. „Spies Hecker ist offen für Innovationen, nicht nur bei den Lacken und Materialien. Unser Partner stellt uns zum Beispiel genau die Softwareschnitt-
stellen zur Verfügung, die wir brauchen.“ Sichtbares Ergebnis bei Strakeljahn: das (nahezu) papierlose Büro. Dank der Software Stock-Con­trol läuft die komplette Lagerhaltung völlig papierlos. Das spart Ressourcen und Geld. „In den meisten Betrieben müssen wir das Material nicht mal mehr selbst einlagern. Das übernehmen die Mitarbeiter, die das Material bei uns anliefern“, ergänzt Strakeljahn. Die Lagerwirtschaft selbst konnte die Gruppe auf ein Minimum herunterfahren. Zum Beispiel am Standort Münster: Dort hat man gerade noch zwei kleine Schränke, die alle Materialien enthalten, die der Mitarbeiter im Umfeld der Lackierung benötigt. Im Vorfeld sei einmal gemeinsam mit Spies Hecker pro Betrieb festgelegt worden, welche Mengen der verschiedenen Materialien verbraucht werden. Daraus habe sich für jeden Betrieb ein Mindestbestand errechnet. „Wird dieser unterschritten, liefert Spies Hecker automatisch nach und räumt die Ware auch ein“, so Strakeljahn. Die Strakeljahn-Gruppe sei mit dem System Stock-Control sehr zufrieden. Die Betriebslager seien aufgeräumter, und die Gruppe nutze in allen Standorten das gleiche Material – dadurch ergebe sich eine relevante Kostenersparnis.