Markenübergreifende Vernetzung von Nutzfahrzeugen

Autor / Redakteur: Holger Schweitzer / Dr. Holger Schweitzer

Volkswagen Truck & Bus entwickelt eine digitale Plattform zur Vernetzung aller Fahrzeuge im Transportwesen. Diese soll herstellerunabhängig die gesamte Logistikkette abdecken.

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Volkswagen Truck & Bus sieht die Zukunft im autonomen Fahren und der Vernetzung der Logistikkette.
Volkswagen Truck & Bus sieht die Zukunft im autonomen Fahren und der Vernetzung der Logistikkette.
(Bild: Volkswagen)

Volkswagen Truck & Bus hat Projekte und Konzepte vorgestellt, wie das Transportwesen der Zukunft gestaltet werden soll. Der Hersteller reagiert damit auf die Entwicklungen des autonomen Fahrens, der Konnektivität und der Elektromobilität. Ein Ergebnis ist beispielsweise die Bündelung der Entwicklungskräfte innerhalb des Konzerns in einer digitalen, Cloud-basierten Plattform, die in Kooperation mit MAN, Scania, Navistar und RIO entsteht. Zum anderen investiert Volkswagen in Start-ups, vor allem wenn es um Forschung und Entwicklung in den neuen Geschäftsfeldern geht. Hierzu gehört etwa die digitale Ladebörse Loadfox, die es Flottenbetreibern erleichtern soll, die Lkw-Auslastung zu planen.

Für die Vernetzung von Lkws will Volkswagen zunächst eine Konnektivitäts-Hardware in den Kabinen der gruppeneigenen Fahrzeuge installieren. Auf diese Weise sollen 650.000 Fahrzeuge der Marken Scania, MAN und Navistar miteinander vernetzt werden. Ein gewisser Vernetzungsgrad ist heute schon gegeben. So hat Scania bereits mehr als 280.000 Fahrzeuge vernetzt, um den Kunden Fahrzeugdaten zum Kraftstoffverbrauch und Teileverschleiß zur Verfügung zu stellen.

Die in den MAN-Trucks bereits serienmäßig verbaute RIO-Box dient als Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Cloud-basiertem, digitalen Flottenservice.
Die in den MAN-Trucks bereits serienmäßig verbaute RIO-Box dient als Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Cloud-basiertem, digitalen Flottenservice.
(Bild: MAN)

Mit der neuen Gruppenmarke RIO entwickelt Volkswagen einen Cloud-basierten, digitalen Flottenservice. Dieser ist für Mehrmarken-Fuhrparks konzipiert und soll verschiedene Dienstleistungen für Transport und Logistik anbieten. Als Schnittstelle zwischen Fahrzeug und System fungiert die sogenannte RIO-Box, die laut Volkswagen für jeden Lkw nachgerüstet werden kann. MAN stattet alle Euro-VI-Lkw für Europa bereits seit August 2017 mit der RIO-Box aus, die Freischaltung des zugehörigen Onlineportals ist für Ende 2017 vorgesehen.

Langfristig plant Volkswagen, mit der RIO-Plattform den Austausch von Daten für Fahrzeuge aller Marken zu öffnen. Auf diese Weise soll die gesamte Logistikkette unabhängig von Marke und Verkehrsträger vernetzt werden können.

Erste autonome Fahrzeuge innerhalb von zwei Jahren

Ähnliche Ziele hat sich Volkswagen für das vollautonome Fahren gesetzt. Dieses ist letztlich für die Entwickler von Volkswagen kein Thema der Zukunft mehr, denn die ersten Fahrzeuge sind außerhalb von öffentlichen Straßen bereits autonom unterwegs, wie etwa Scania-Lkws in Minen. Daneben sind unbemannte MAN-Lkws im öffentlichen Verkehrsraum als Absicherungsfahrzeuge für mobile Autobahnbaustellen im Dienst. Volkswagen Truck & Bus will das Know-how für vollautonome Nutzfahrzeuge schnell weiterentwickeln und innerhalb von 18 bis 24 Monaten eine Serienproduktion starten.

Scania plant für Singapur einen Platoon von vier Fahrzeugen, bei dem lediglich der erste Truck mit einem Fahrer besetzt ist. Die anderen drei fahren autonom hinterher.
Scania plant für Singapur einen Platoon von vier Fahrzeugen, bei dem lediglich der erste Truck mit einem Fahrer besetzt ist. Die anderen drei fahren autonom hinterher.
(Bild: Scania)

Zudem sieht Volkswagen das Platooning als ersten wichtigen Schritt zum autonomen Fahren auf öffentlichen Straßen. Ein Pilotprojekt mit einem Platoon, bestehend aus vier Fahrzeugen, entsteht zurzeit in Singapur. In einem nächsten Schritt will Volkswagen Lkw-Kolonnen-Fahrten markenübergreifend möglich machen. Das Volkswagen-Forschungsprojekt „Fellow-Truck“ hat das vollautonome Fahren auf öffentlich Straßen zum Ziel, indem es markenübergreifend Fahrzeuge integriert.

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