PPG Virtuell Megatrends im K&L-Bereich

Die derzeitigen Trendthemen Caravan, Künstliche Intelligenz (KI), Digitalisierung und Unternehmensnachfolge standen auf der Agenda des heutigen Live Online-Events des Lackherstellers PPG.

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Jochen Kleeman, Automotive Refinish Director PPG, griff mit zahlreichen Gesprächsteilnehmern die derzeitigen Trends der Branche auf.
Jochen Kleeman, Automotive Refinish Director PPG, griff mit zahlreichen Gesprächsteilnehmern die derzeitigen Trends der Branche auf.
(Bild: Screenshot / PPG-Veranstaltung)

Heute um 18:00 begrüßte Jochen Kleemann, Automotive Refinish Director PPG, online die Teilnehmer und Gäste zum PPG Live-Event. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Gemeinsam in die Zukunft“. Folgerichtig behandelten die Hildener Lacklieferanten die Trendthemen der K&l-Branche.

Kleemann startete mit einer Diskussion mit Vertretern des Bundesverbands der Partnerwerkstätten (BVdP) zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die K&L-Werkstätten. BVdP-Vorstand Reinhard Bayer, der live zugeschaltet wurde, berichtete von einem großen Zusammenhalt in der Branche. Einen Seitenhieb auf Volkswagen verkniff er sich dabei nicht. „Es gibt da einen Fahrzeughersteller, der in diesen schweren Zeiten unsere Margen gesenkt hat“, sagte Bayer, und sprach damit die Margenkürzung der Wolfsburger zu Beginn dieses Jahres an.

Man komme aber langsam wieder zurück zur Normalität, berichtete der BVdP-Vorstand. Es herrsche langsam wieder mehr Verkehr auf unseren Straßen, das führe wieder zu mehr Unfällen und damit zu mehr Arbeit in den K&L-Betrieben. Letztlich seien aber die endgültigen Auswirkungen derzeit noch nicht genau zu bestimmen, so Bayer weiter. Viele Betriebe hätten in der Krise investiert. Nun müsse sich erweisen, ob sich die Investitionen gelohnt hätten, beispielsweise in die Prozessoptimierung durch Digitalisierung. Versicherer und Schadensteuerer müssten in diesem Zusammenhang begreifen, dass sich die Unfallschadenreparatur für die Betriebe finanziell lohnen muss. BVdP-Geschäftsführer Michael Pinto ergänzte, dass sich die Betriebe noch weiter mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen müssten. „Das ist der derzeitige Megatrend der Branche. Die Digitalisierung kann die Prozesse sicherer und effizienter machen,“ führte Pinto aus.

Im Studio (v.l.): Michael Pinto, Peter Vogel (beide BVdP) und Jochen Kleemann (PPG). Live zugeschaltet waren Reinhard Bayer und Marco Senger (beide BVdP).
Im Studio (v.l.): Michael Pinto, Peter Vogel (beide BVdP) und Jochen Kleemann (PPG). Live zugeschaltet waren Reinhard Bayer und Marco Senger (beide BVdP).
(Bild: Screenshot/ PPG-Event)

Dabei machte er deutlich, dass es keine Lösung gebe, die für alle Betriebe passe. Die sei allerdings auch nicht notwendig. Viel wichtiger sei, dass die passenden Schnittstellen für die unterschiedlichen Betriebe zur Verfügung stehen.

Bayer, Pinto und der in Hilden anwesende Peter Vogel, BVdP-Vorstandsmitglied, waren sich einig, dass die Betriebe zum einen für neue Mobilitätsanbieter, und zum anderen für Nachwuchskräfte interessant und attraktiv sein müssten. In diesem Zusammenhang berichtete Vogel von der BVdP-Initiative „Next Generation“, die Hilfe, beim Betriebsübergang an Unternehmensnachfolger bietet.

Kleemann berichtete, dass in den kommenden fünf Jahren 842.000 Unternehmer ihre Tätigkeit einstellen wollen. 61 Prozent davon wollen ihr Unternehmen an einen Nachfolger übergeben. Davon würden rund 53 Prozent den Nachfolger in der eigenen Familie suchen. Genau zu diesem Thema sprach Kleemann mit den Betriebsinhabern Holger Grundt (Buchholz) und Peter Hellmuth (Schweinfurt), die beide in diesem Prozess schon sehr weit fortgeschritten sind. Grundt übergibt sein Unternehmen an seine Tochter Isabelle, Hellmuth an seinen Sohn Dirk.

Kleemann gliederte den Nachfolgeprozess in drei Phasen:

  • Aufnahme des Nachfolgers aus der Familie in das Unternehmen
  • Integration der nächsten Generation in das Unternehmen und Übertragung von Aufgaben und Verantwortung
  • Übergabe der Gesamtverantwortung

Beide Unternehmer gaben an, sich auf dem besten Weg zur Phase drei zu befinden, das heißt, die Unternehmensübergabe sei schon sehr weit fortgeschritten. Dabei komme es stark auf gegenseitiges Vertrauen an.

Künstliche Intelligenz für den Betrieb

Über künstliche Intelligenz, und was diese für K&L-Unternehmen bedeuten könne, sprach Kleemann mit Maximilian Stein. Der Geschäftsführer der Restemeier GmbH in Osnabrück ist Co-Founder des Sart-Ups mmmint.ai. Dieses Unternehmen nutzt KI, um Prozesse in den K&L-Betrieben effizienter zu gestalten. Beispielsweise mit einem Fahrzeugscheinscanner. Hier habe man eine API-Schnittstelle entwickelt, die aus dem Foto, die notwendigen Daten extrahiert und in das Werkstattmanagementsystem des Betriebs überträgt. Zudem habe man für über 200 Städte in Deutschland Smart- und Spot-Repair-Landingpages eingerichtet. Diese könnten die Betriebe nutzen, um zusätzliche Geschäftsfelder für sich zu generieren.

Mit dem K&l-Unternehmer Michael Scharnbeck aus Lübeck sprach Kleemann über E-Mobilität, und wie Betriebe Social-Media-Kanäle für sich nutzen können. Scharnbeck hatte sein Unternehmen vor mehr als drei Jahren hinterfragt und sich entschlossen, es auf eine breitere Basis zu stellen. Hierfür machte er die Geschäftsfelder Industrielackierung und E-Mobilität aus. Gerade letzteres hat er durch die konsequente Nutzung der Social-Media-Kanäle, insbesondere Youtube, stark ausbauen können. Scharnbeck hat inzwischen Kunden in der gesamten Bundesrepublik und darüber hinaus in zwölf europäischen Ländern.

Letztlich sprach Kleemann mit Thomas Grebe, Segment Car Manager Region North PPG, und Gerolf Happel, Kfz-Sachverständiger, über das Geschäftsfeld Caravan. Der auf die Begutachtung von Spezialfahrzeugen spezialisierte Happel berichtete, dass es in Deutschland derzeit rund 1,45 Millionen zugelassene Reisemobile und Wohnwagen gebe. Daraus würden theoretisch rund 174.000 Schäden entstehen, die zu reparieren seien. Dafür benötige man Werkstätten, die über spezielles Know-how verfügen. Happel bezifferte den Durchschnittsunfallschaden bei einem Wohnwagen mit 4.900 bis 5.500 Euro. Bei Reisemobilen liege der Durchschnittsschaden bei rund 10.000 Euro. Für die Reparatur sei die entsprechende Kompetenz gefordert, auch im Bereich der Lackierung. Grebe fügte an, dass es bei PPG ein spezielles Aus- und Weiterbildungsprogramm für die Caravan-Reparatur gebe. Hier würde man die Kompetenz und das Know-how verschiedener Kooperationspartner bündeln. Der Markt sei attraktiv, die Zulassungen würden weiter steigen, resümierte Happel.

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Über den Autor

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Chefredakteur, Redaktion »Fahrzeug+Karosserie«