IAA Nfz/Dekra

Mehr Systeme zur Lebensrettung

| Redakteur: Marion Fuchs

Sicherheitssysteme an Lkw können Leben retten.
Sicherheitssysteme an Lkw können Leben retten. (Bild: Dekra)

Dekra fordert Hersteller, Politik, Spediteure und Fahrer auf, das Sicherheitspotenzial von Systemen wie Spurhalteassistent, Notbremsassistent oder Abbiegeassistent voll auszuschöpfen. „Die Entwicklung der Unfallzahlen geht zurzeit in die richtige Richtung, aber wir dürfen in unseren Anstrengungen für die Verkehrssicherheit nicht nachlassen“, sagte Dekra Vorstand Clemens Klinke vor der Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Die Dekra Experten haben mit Fahrversuchen im Dekra Technology Center am Lausitzring den potenziellen Nutzen von Assistenzsystemen erneut gezeigt.

Viele der heute verfügbaren Notbremsassistenzsysteme leisten allerdings deutlich mehr als diese Vorgabe. „Das haben unsere Versuchsfahrten auf unserem Testgelände am Lausitzring mit verschiedenen Lkw-Fabrikaten gezeigt“, erklärt Dekra Vorstand Klinke. „Wir rufen deshalb die Transportbranche, allen voran unsere Dekra Mitglieder, dazu auf, ihre Fahrzeuge mit den besten verfügbaren Notbremssystemen auszurüsten und sich nicht auf die gesetzlichen Mindestanforderungen zu beschränken“, so Klinke. Trotz allem dürfen sich Lkw-Fahrer nach Ansicht des Dekra Experten nicht blind auf ihr Notbremssystem verlassen.

Das gilt auch für den Abbiegeassistenten, der zurzeit besonders im Zentrum der verkehrspolitischen Diskussion steht. Dekra ist Sicherheitspartner des Bundesverkehrsministers bei der „Aktion Abbiegeassistent“ und setzt sich dafür ein, dass die Systeme möglichst schnell weiter in der Flotte verbreitet werden. „Einige Nachrüstlösungen haben wir in Kooperation mit Dekra-Mitgliedsunternehmen aktuell in der Praxiserprobung“, so Klinke. „Wir planen mittelfristig auch größere Testreihen, um eine konkrete Empfehlung abgeben zu können.“

Trotz seines Sicherheitspotenzials könne der Abbiegeassistent das Problem der Abbiegeunfälle aber nicht alleine lösen, betont der Dekra Vorstand. Dekra Experten haben in einem Forschungsbericht für die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) Verbesserungsmöglichkeiten zur Vermeidung von Abbiegeunfällen aufgezeigt. Genannt waren unter anderem akustische Warnsignalgeber am Lkw oder eine vollständige Phasentrennung des Ampel-Grünlichts zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrern bzw. ein Phasenverzug.

Mitblinkende Seitenmarkierungsleuchten helfen dem Radfahrer oder Fußgänger, der sich neben dem Lkw befindet, zu erkennen, dass dieser abbiegen will.“ Seit Oktober 2015 sind zusätzliche seitliche Fahrtrichtungsanzeiger bei Lkw und Bussen über 9 Meter Länge sowie bei schweren Anhängern für neue Fahrzeugtypen vorgeschrieben. Alternativ gilt die Vorschrift als erfüllt, wenn die Seitenmarkierungsleuchten mitblinken. Dekra plädiert dafür, auch die Nachrüstung dieser Sicherheitsfunktion im Fahrzeugbestand zu forcieren.

Auch für den Gesetzgeber sieht Klinke Handlungsbedarf. Die Regelung in §5, Absatz 8 der Straßenverkehrsordnung ist aus seiner Sicht problematisch. „Sie erlaubt Rad und Mofa Fahrenden, an Lkw, die zum Beispiel an der Ampel warten, rechts vorbei zu fahren, wenn ausreichend Platz vorhanden ist. Das Problem ist aber: Dieser Platz entsteht überhaupt nur dann, wenn der Lkw sich etwas weiter links einordnet, um nach rechts abbiegen zu können“, erläutert Klinke. „Das heißt, dass ungeschützte Verkehrsteilnehmer durch diese Regelung buchstäblich in eine Falle gelockt werden. Wir fordern seit Jahren, dass dieser Absatz 8 im Interesse der Sicherheit der Radfahrer gestrichen wird.“

Wichtig ist aus Sicht von Dekra schließlich auch die Aufklärung von Radfahrern und Fußgängern über die Gefahren des toten Winkels. Das könne zum einen beispielsweise durch auffällige Aufkleber am Heck des Lkw geschehen. Eine entsprechende Kampagne stellte Dekra ebenfalls auf der IAA vor. Außerdem sei Aufklärungsarbeit, etwa an Schulen unerlässlich, so Clemens Klinke: „Unsere bundesweit 75 Dekra Niederlassungen starten in diesem Herbst eine Schul-Kampagne. Hier zeigen unsere Experten Schulkindern direkt am und im Lkw, was ein Fahrer draußen sehen kann – und was eben nicht.“

www.Dekra-roadsafety.com

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