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Autorecht aktuell Ohne Kreditkarte kein Normaltarif

| Redakteur: Marion Fuchs

Das Landgericht Gera kommt in seinem Urteil vom Februar dieses Jahres zu dem Schluss, dass Aufschläge auf den Normaltarif erfolgen dürfen, wenn bei der Anmietung eines Ersatzwagens keine Kreditkarte vorgelegt werden kann.

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Wenn keine Kreditkarte vorgelegt werden kann, sind Aufschläge auf den Normaltarif begründet.
Wenn keine Kreditkarte vorgelegt werden kann, sind Aufschläge auf den Normaltarif begründet.
(Bild: Dominsky)

Das Urteil vom 06.02.2019 des Landgerichts (LG) Gera mit dem Aktenzeichen 1 S 27/18 besagt, dass wenn beim Anmieten eines Ersatzfahrzeuges keine Kreditkarte vorgelegt werden kann um die Forderung des Vermieters abzusichern, Argumente vorliegen, um vor Gericht Aufschläge auf den Normaltarif zu begründen.

Hintergrund

Die Parteien streiten um restliche Mietwagenkosten nach einem Verkehrsunfall. Der Geschädigte mietete am Unfalltag einen Mietwagen der Mietwagenklasse 8 an, dies entspricht der Klasse des Unfallfahrzeugs.

Auf die Rechnung des Klägers regulierte der beklagte Haftpflichtversicherer lediglich 775,00 €. Erstinstanzlich wurde die Klage auf Zahlung weiteren Schadenersatzes abgewiesen. Dagegen richtet sich die Berufung des Klägers.

Aussage

Der Kläger kann aus abgetretenem Recht Zahlung weiteren Schadenersatzes in Höhe von 2.203,36 € verlangen.

Der Geschädigte mietete ein klassengleiches Fahrzeug an, der ausreichende Fahrbedarf ist durch die in 15 Tagen zurückgelegte Strecke von 878 km hinreichend bewiesen.

„Nach dem Ergebnis der durchgeführten Beweisaufnahme befand sich der Geschädigte bei Anmietung des Fahrzeuges in einer Eilsituation, infolge derer er nicht zur Einholung von Vergleichsangeboten verpflichtet gewesen ist. Denn der Unfall ereignete sich am späten Nachmittag, die Anmietung erfolgte gegen 17:20 Uhr und der Geschädigte musste am Morgen des Folgetages um 05:00 Uhr von seinem Wohnort aufbrechen, um seine um 06:00 Uhr beginnende Frühschicht anzutreten.“

Der Geschädigte war zudem nicht gehalten, das in der Eilsituation angemietete Fahrzeug gegen ein günstigeres zu tauschen, da er die persönlichen Voraussetzungen zur Anmietung zum Normaltarif nicht erfüllte. Insoweit stand zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der Kläger nicht über eine Kreditkarte verfügte, die aber zur Anmietung eines Fahrzeugs der Mietwagenklasse 8 erforderlich gewesen wäre.

Praxis

Selbst wenn der konkret berechnete Betrag an Mietwagenkosten oberhalb des durchschnittlichen Selbstzahlernormaltarifs der Region liegt, kann der Geschädigte bei Vorliegen besonderer Umstände den berechneten Betrag als erforderlichen Unfallschaden einfordern. Dies gilt z.B. dann, wenn – wie häufig nach einem Unfall – in einer Eil- und Notsituation angemietet wurde.

Verfügt der Geschädigte dann zusätzlich auch nicht über eine Kreditkarte, um die Forderung des Vermieters abzusichern, dann liegen Argumente vor, um vor Gericht Aufschläge auf den Normaltarif zu begründen.

Es ist dann Aufgabe des Anwalts, im Sinne des Geschädigten zu argumentieren und die Besonderheiten der Anmietung gegenüber dem Gericht herauszustellen.

(ID:46161939)