Autorecht aktuell Sachverständigenkosten erstattungsfähig

Redakteur: Marion Fuchs

Nach einem Urteil des Amtsgerichts Braunschweig vom 22.11.2018 sind angemessene Sachverständigenkosten zu erstatten.

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Angemesse Sachverständigenkosten kann der Haftpflichtversicherer nicht ablehnen.
Angemesse Sachverständigenkosten kann der Haftpflichtversicherer nicht ablehnen.
(Foto: Gina Sanders © Fotolia.com)

Laut einem Urteil des Amtsgerichtes (AG) Braunschweig vom November letzten Jahres ist die Erstattung angemessener Sachverständigenkosten rechtens.

Zum Hintergrund:

Die Parteien streiten um restliches Sachverständigen-Honorar nach einem Verkehrsunfall. Der Kläger (Kfz-Sachverständiger) klagt aus abgetretenem Recht. Für die Erstellung eines Schadengutachtens stellte der Kläger insgesamt 1.097,56 € in Rechnung, der beklagte Haftpflichtversicherer regulierte lediglich 1.016,64 € und verweigert im Übrigen die Zahlung. Die Differenz bildet die Klageforderung.

Die Aussage des Gerichts:

Nach Ansicht des AG Braunschweig ist die Klage vollumfänglich begründet. Nach mittlerweile gefestigter Rechtsprechung muss der Geschädigte die Sachverständigenkosten nur dann nicht in voller Höhe erstatten, wenn den Geschädigten bei der Wahl des Sachverständigen ein Auswahlverschulden trifft oder wenn das vom Sachverständigen verlangte Honorar so evident überhöht ist, dass von ihm eine Beanstandung verlangt werden muss.

Vorliegend ist ein solches Auswahlverschulden nicht erkennbar. Die in der Rechnung ausgewiesenen Kosten liegen lediglich um 8 % über dem, was die Beklagte als Honorar für angemessen hält. Diese geringe Übersteigung stellt keine evident erkennbar überhöhten Kosten dar, bei denen es sich jedem Laien aufdrängen müsste, dass hier ein unübliches Honorar verlangt wird.

Das AG Braunschweig zieht zur Ermittlung der angemessenen Kosten die BVSK-Honorarbefragung als Schätzgrundlage heran, danach liegen die vom Kläger in Rechnung gestellten Kosten unter dem, was er auf Grundlage der BVSK-Honorarbefragung hätte verlangen können. (AG Braunschweig, Urteil vom 22.11.2018, AZ: 117 C 132/18 )

In der Praxis also gilt:

Liegt das vom Sachverständigen abgerechnete Honorar sogar unterhalb dessen, was er nach der BVSK-Honorarbefragung als Vergütung hätte verlangen können, kann der Haftpflichtversicherer die Regulierung nicht mit einem Hinweis auf evident überhöhte Kosten ablehnen.

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