Techniker-Ausbildung

Schnittstelle zwischen Konstruktion und Fahrzeugbau

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Die Gewerbeschule unterrichtet ständig etwa 2.000 Schüler, von denen der größte Teil die Berufsschule besucht. Vor allem werden hier Azubis der Berufsrichtung Kfz-Mechatroniker schulisch ausgebildet.
Auch alle anderen Berufe rund um das Kraftfahrzeug findet man in der BS 16, wie Zweiradmechaniker, Karosserie- und Fahrzeugbauer sowie Land- und Baumaschinenmechatroniker. Die Schüler lernen dort im Block unterricht fachliche und allgemeinbildende Inhalte – und zwar auf hohem Niveau. Beispielsweise untersuchen sie selbstständig vernetzte Bussysteme. Dafür analysieren sie mithilfe einer Software Datenströme und arbeiten bestimmte Aufgaben ab oder finden anhand von zur Verfügung gestellten Informationen heraus, welche Fahrzeugfunktionen sich steuern lassen – und genau das tun sie dann von ihrem PC aus. Berufsschullehrer Michael Siebert erklärt: „Heute ist es auch für den Mechatroniker wichtig, ein Gefühl dafür zu bekommen, was in einem solchen System passiert und wie die Systeme im Automobil zusammenwirken.“ Diese Kenntnisse würden für die Mechaniker immer wichtiger und seien gleichzeitig die Grundlage für die Technikerausbildung, meint Siebert, der die Bussysteme auch in der Technikerausbildung lehrt. Es gehe dabei um das Verständnis der Anlage inklusive der Funktion der zugehörigen Steuergeräte. Bei der Konstruktion von Fahrzeugen, Sonderaufbauten und so weiter würden oft spezialisierte Subunternehmen beauftragt, die Software zu liefern. Mit diesen Spezialisten müsse jemand reden. „Diese Schnittstelle ist immer das große Problem – der Softwareentwickler weiß nicht, wie ein Lkw funktioniert bzw. welche Anforderungen er erfüllen muss. Und der Karosseriebauer weiß zwar genau, was der Lkw machen soll, hat aber keine Ahnung von Software. Wir brauchen die Techniker, um diese zwei Welten über eine Schnittstelle zueinander zubringen – er schafft die Basis, dass die Kommunikation zwischen diesen beiden Welten funktioniert.“

Ausbildungsqualität

Jochen Pelz, Abteilungsleiter an der Fachschule Technik, erklärt: „Die Technikerausbildung beschreibt die Gegensätze von handwerklicher und akademischer Ausbildung und zeigt auf, dass sich das nicht gegenseitig ausschließt. Wer eine Ausbildung im Karosseriebau absolviert hat und mehr lernen will, kann die Technikerschule bei Claus Burmester besuchen. Da erfährt er dann, was es bedeutet, in einem Betrieb eine höhere Position zu haben und Berechnungen durchzuführen oder kaufmännische Aufgaben zu übernehmen.“ Einen Einblick in die Qualität der Ausbildung gewährt der Besuch der gerade laufenden Technikerklasse. Zehn Schüler üben hier mit dem 3-D-CAD-Programm Catia V5 die digitale Konstruktion von Bauteilen. Dabei unterstützt Lehrer Helmut Peters Tipps sie bei ihren Bemühungen. Burmester bedauert, dass sich nur zehn Schüler für diese Weiterbildung entschieden haben. Rentabel für die Schule sei die Technikerausbildung ab 24 Schülern. „Es gab auch Jahre, in denen wir mit zwei Parallelklassen arbeiten mussten“, sinniert er und hofft auf künftig wieder mehr Schüler. Allerdings ist ihm klar, dass schon wegen des Facharbeitermangels und der rückläufigen Ausbildungszahlen hier der „Wunsch der Vater des Gedankens“ ist.

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Der Schulbesuch kostet den angehenden Techniker mit Heimatort Hamburg kein Geld. Lediglich wenn der Schüler von der Bundesagentur für Arbeit gefördert wird, wird eine Gebühr fällig, die die Agentur übernimmt. Auch einige Schüler von außerhalb absolvieren in Hamburg die Technikerausbildung. Das geht, wenn sie für die Zeit der Ausbildung ihren Wohnsitz in Hamburg haben. Die Schule versucht, die Ausbildung für den Schüler attraktiv zu gestalten. Dafür scheut sie auch keine größeren Investitionen. So besitzt sie einen eigenen Lkw, an dem die künftigen Techniker einiges ausprobieren können, und im Sommer dieses Jahres werden ein neuer Bremsenprüfstand und auch ein Leistungsprüfstand in Betrieb genommen. Gerade letzterer bietet sich für das Erstellen der Facharbeit im Rahmen der Weiterbildung zum Techniker förmlich an. Auch in die Räumlichkeiten wird derzeit investiert, etwa in die Wärmeisolierung des Gebäudes inklusive neuer Fenster. Burmester ist überzeugt, dass die Weiterbildung zum Techniker den Schülern durchaus Möglichkeiten gerade in mittelständischen Unternehmen bietet. Meister gebe es genug – die könne der Arbeitsmarkt gar nicht alle aufnehmen. In diesem Punkt widerspricht Dierk Conrad: „Genügend Meister haben wir leider nicht – die Zahlen sind rückläufig. Ich sehe da aber auch einen Unterschied in der Definition der Berufe: Der Meister wird später auch einmal Personalverantwortung haben – das unterscheidet ihn vom Techniker, der eher in der Konstruktion bzw. Planung zu finden ist.“

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