Fiktive Abrechnung Streit ums Geld

Autor / Redakteur: Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Matthias Nickel, Mayen, www.rae-mayen.de / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Die fiktive Abrechnung ist im Vergleich konfliktträchtiger als die konkrete. Der Reparaturbetrieb kann schnell zwischen die Fronten geraten, wenn der Geschädigte auf Grundlage der Zahlen im Gutachten seine Entscheidung trifft, der Versicherer dann aber im Rahmen der fiktiven Abrechnung viel weniger zahlt.

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Für die fiktive Abrechnung kann es trifftige Gründe geben – doch häufig zahlt die Versicherung weniger als erwartet.
Für die fiktive Abrechnung kann es trifftige Gründe geben – doch häufig zahlt die Versicherung weniger als erwartet.
(Bild: Wenz)

Um zu verstehen, warum die fiktive Abrechnung so viel mehr Streitpotenzial bietet als die konkrete Abrechnung, muss man das Motiv des Geschädigten beleuchten, einen Schadenfall fiktiv abzurechnen. Es gibt durchaus seriöse Gründe, fiktiv abzurechnen, wenn etwa der Geschädigte nach einem reinen Blechschaden mit dem verbeulten Fahrzeug weiterfährt und so auf die Reparatur verzichtet, oder er den Unfall zum Anlass nimmt, sich ein Neufahrzeug anzuschaffen. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass es Geschädigte gibt, die an dem Schaden verdienen wollen. Sie lassen ihn auf der Grundlage der Stundenverrechnungssätze einer Markenwerkstatt kalkulieren, reparieren dann aber in einer günstigeren freien Werkstatt. So gibt es Gründe für den Versicherer, bei der fiktiven Abrechnung genauer hinzuschauen.

Betroffene Positionen

Es zeigt sich, dass immer wieder dieselben Schadenpositionen betroffen sind: UPE-Aufschläge und Verbringungskosten Kosten der Beilackierung der Verweis auf die Stundenverrechnungssätze einer freien Werkstatt Will man entscheiden, ob Kürzungen zu Recht erfolgt sind oder nicht, muss man zuerst prüfen, ob überhaupt eine fiktive Abrechnung vorliegt. Oft will der Geschädigte nur deshalb auf der Grundlage des Gutachtens abrechnen, weil er sich gegen die Reparatur und stattdessen für die Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs entschieden hat. Liegt ein solcher Fall vor, dann handelt es sich nicht um einen Fall der fiktiven Abrechnung, sondern der Geschädigte kann konkret abrechnen. Dies hat für ihn den Vorteil, dass er die Mehrwertsteuer geltend machen kann, die bei einer Reparatur angefallen wäre. Wie geht das? Wird ein Pkw bei einem Unfall beschädigt, dann hat der Geschädigte die Wahl, wie er mit dem Schaden umgeht. Er kann den Schaden dadurch beseitigen, dass er das Fahrzeug reparieren lässt. Er kann aber genauso gut ein Ersatzfahrzeug anschaffen. Fällt bei der Anschaffung des Ersatzfahrzeugs Mehrwertsteuer an, dann muss der Versicherer diese ersetzen. Dass die Mehrwertsteuer dabei nicht für die Reparatur anfiel, sondern im Rahmen der Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs, ist unerheblich. Die Ersatzbeschaffung diente der Schadenbeseitigung, deshalb ist Mehrwertsteuer zu zahlen. Der Geschädigte muss sich allerdings im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsgebots halten.

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