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WU Wien Studie: Versichern sich risikofreudige Autofahrer höher?

| Redakteur: Birgit Rüdel

Inhalt einer Studie der Wirtschafts Universität Wien (WU) waren eventuelle Zusammenhänge zwischen Versicherungsvertrag und Risikofreude des Fahrzeugführers.

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Nicht die Dauer, sondern die Häufigkeit der Fahrten haben Einfluss auf das Unfallrisiko - zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie der Wirtschafts Universität Wien.
Nicht die Dauer, sondern die Häufigkeit der Fahrten haben Einfluss auf das Unfallrisiko - zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie der Wirtschafts Universität Wien.
(Bild: Gellinger on Pixabay)

Je nach Fahrerprofil haben Versicherungen eine Vielzahl unterschiedlicher Versicherungsverträge im Angebot. Aber versichern sich forsche oder Vielfahrer mit potentiell größerem Risiko auch entsprechend höher? Alexander Mürmann, Professor für Risk Management und Insurance an der WU in Wien stellte sich gemeinsam mit seinen KollegInnen in einem aktuellen Forschungsprojekt diese Frage und untersuchte, welches Fahrverhalten das Unfallrisiko erhöht.

Häufiges Fahren birgt mehr Risiko

Die Studie macht deutlich, dass nicht nur die gefahrene Distanz, sondern auch die Anzahl der Fahrten ein entscheidender Faktor für das Unfallrisiko ist. Wer mit mehreren Fahrten dieselbe Distanz zurücklegt, setzt sich einem höheren Unfallrisiko aus. „Jede einzelne Fahrt zeichnet sich durch einen Anfang und ein Ende aus. In diesen beiden Phasen einer Fahrt beschäftigen wir uns gleichzeitig mit mehreren Dingen und sind somit weniger auf das Fahren konzentriert. Wir passen den Rückspiegel und den Sitz an, wir bedienen das Navigationsgerät, wir bringen das Auto in den Verkehrsfluss, wir suchen einen Parkplatz und sind gedanklich schon beim Zweck der Autofahrt“, so der Studienautor.

Risikounabhänger Vertrag

Es zeigte sich außerdem, dass Autofahrerinnen und Autofahren ihren Versicherungsvertrag unabhängig von ihrem Fahrverhalten und der eigenen Risikobereitschaft abschließen. Eine Erklärung hierfür ist laut Studie, dass wir uns im Hinblick auf nicht-finanzielle und finanzielle Risiken sehr unterschiedlich verhalten. Das heißt, wer vorsichtig fährt, um Unfälle zu vermeiden versichert sich nicht automatisch, um finanzielle Verluste zu vermeiden – und umgekehrt. Die Studie zeigt das Potenzial zunehmender Datengewinnung durch Digitalisierung zum Vorteil aller Beteiligten auf. Autofahrerinnen und Autofahrer können ihr Unfallrisiko reduzieren, indem sie sich am Anfang und am Ende jeder Fahrt auf das Autofahren konzentrieren. Versicherungen könnten dahingehend beraten und Anreize setzen, indem sie individualisierte Tarife anbieten.

Studienaufbau

Im Rahmen der Studie untersuchten die StudienautorInnen detaillierte GPS Daten von versicherten Autos und die zugehörigen Versicherungsdaten über Tarifierungsmerkmale und Schadensfälle. Mithilfe der GPS Daten konnten dann Fahrprofile basierend auf Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefahrene Distanz und Anzahl der Autofahrten erstellt werden. Um festzustellen, ob riskanteres Fahren ein höheres Unfallrisiko und eine höhere Wahl in der Versicherungsdeckung impliziert, mussten die StudienautorInnen zudem berücksichtigen, dass Ursache und Wirkung auch gegenläufig sein können, das heißt: höher versicherte Personen fahren möglicherweise riskanter, weil sie eben gut versichert sind. Hierfür nutzen die WissenschaftlerInnen Daten über lokale Wetterbedingungen und bezogen in ihrer Analyse mit ein, wie die Fahrerinnen und Fahrer auf unterschiedliche Wetterbedingungen in ihrem Fahrverhalten reagierten, nachdem sie ihren Versicherungsvertrag gewählt hatten.

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