Gebrauchtwagen-Check Thermografie-Scanner: Ergebnis nach fünf bis sieben Minuten

Von Peter Diehl

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Neues vom Thermografie-Scanner: Weiterentwicklung beschleunigte den Scanvorgang und reduzierte die Kosten. In Frankfurt am Main wurde am 9. Juni eine Station mit einem solchen Scanner eröffnet. Die Ergebnisse zu interpretieren, erfordert nach wie vor enormes Know-how. Vor allem bei historischen Fahrzeugen.

Am 9. Juni 2022 wurde in Frankfurt am Main eine Thermografie-Scanner-Station für Kraftfahrzeuge eröffnet.
Am 9. Juni 2022 wurde in Frankfurt am Main eine Thermografie-Scanner-Station für Kraftfahrzeuge eröffnet.
(Bild: Diehl – »Fahrzeug+Karosserie« )

Bereits in den 2000er-Jahren war von Thermografie-Scannern zu lesen, die vereinzelt im automobilen Aftermarket genutzt wurden. Im Gegensatz zu Karosseriescannern wird mit ihnen nicht die Lackoberfläche analysiert, sondern sichtbar gemacht, was unter dem Lack vorhanden ist.

Das Verfahren war damals relativ langwierig und teuer – vermutlich die Gründe, warum es zwischenzeitlich still um das Thema wurde. Zumindest im Kfz-Bereich, denn in der Luft- und Raumfahrt sowie in Kraftwerken werden Thermografie-Scanner eingesetzt, beispielsweise zur Fertigungskontrolle und Inspektion von Turbinenschaufeln an Strahltriebwerken. Ebenso bei sensiblen Komponenten aus kohlefaserverstärkten Kunststoffen – Stichworte Fahrräder und E-Bikes –, bei denen eine nur optische Untersuchung unzureichende Ergebnisse hervorbringen würde.

Am 9. Juni 2022 wurde in Frankfurt am Main eine Thermografie-Scanner-Station für Kraftfahrzeuge eröffnet. Der Scanner steht bei der SVS Sachverständigenstelle in der Westerbachstraße 134. Geschäftsführer Michael Ernst ist sich sicher, wegen des steigenden Ausstattungsgrads der Fahrzeuge mit Assistenzsystemen künftig weniger Schadengutachten erstellen zu können. Entsprechend intensiv sieht er sich nach kompensierenden Dienstleistungen um.

3D-Car-Check-System von Thetascan

Beim installierten Thermografie-Scanner handelt es sich um ein Produkt der Thetascan GmbH, vormals Ingenieurbüro Carl Messtechnik, mit Sitz in Dinslaken. Inhaber Volker Carl, sein Team und ein türkischer Partner entwickelten das 3D-Car-Check-System bereits vor der Coronaphase. Außerhalb Deutschlands sind solche Scanner bislang in Ankara und Istanbul installiert, weitere Projekte existieren im Irak und im Iran, in Dubai und in Singapur.

Neu am in Frankfurt installierten Thermografie-Scanner sind zwei Punkte, die für die Akzeptanz im Kfz-Bereich von Bedeutung sind. Zum einen wurde das Verfahren spürbar beschleunigt. Ein Pkw lässt sich heute in fünf bis sieben Minuten scannen. Dach und Hauben eingeschlossen – und das ist der zweite Punkt. Zuvor waren nur horizontale Scans möglich.

150 Euro netto verlangt Michael Ernst für einen vollständigen Fahrzeugscan. Zum Vergleich: In den 2000er-Jahren lag dieser Preis bei über 500 Euro. Anbieten will er diese Dienstleistung aber nicht nur eigenen Kunden, sondern auch Kollegen, also anderen Sachverständigenbüros, ebenso Kfz-Betrieben, Gebrauchtwagen- und Oldtimerhändlern sowie Leasinggesellschaften. Das Ergebnis wird in Form eines sogenannten HTML-PDF-Standardprotokolls ausgegeben.

Apropos Ergebnis: Mit dem alleinigen Scannen ist die Arbeit nicht getan. Das Ergebnis muss interpretiert werden, vor allem bei historischen Fahrzeugen und gegenüber Endverbrauchern, was keine einfache Aufgabe ist.

Besitzer von überarbeiteten Oldtimern werden mithilfe des Thermografie-Scanners herausfinden wollen, wie gut der beauftragte Handwerksbetrieb gearbeitet hat, und haben hierzu ein bestimmtes Bild vor Augen: ein gleichmäßiges, keine Auffälligkeiten zeigendes Scanergebnis. Doch so einfach ist das nicht. Denn Restauratoren, die ihre Berufsbezeichnung und Aufgabe ernst nehmen, arbeiten partiell, was ein gleichmäßiges Scanergebnis ausschließt. Schlecht oder gar nicht interpretiert, kann das vom Fahrzeugbesitzer falsch verstanden werden – mit Folgen bis vor Gericht.

Falsch verstanden werden kann auch das Scanergebnis eines bislang nicht überarbeiteten Oldtimers, denn Oldtimer und Oldtimer ist nicht dasselbe. Gemeint sind die differierenden Fertigungsverfahren der damaligen Neuwagen: einerseits handwerklich, in vielen Fällen aber bereits industriell, also in Großserie. Obwohl unbearbeitet, wird ein Rolls-Royce Corniche deshalb ein gänzlich anderes Scanergebnis erhalten als ein Toyota Celica. Von innerhalb des Werks erfolgten Ausbesserungen ganz zu schweigen.

Katalog mit erklärten Beispieldarstellungen soll folgen

Von der Redaktion »Fahrzeug+Karosserie« auf einen möglichen Katalog mit erklärten Beispieldarstellungen angesprochen, stimmte Thetascan-Inhaber Volker Carl diesem Vorschlag nicht nur zu, sondern kündigte einen solchen Katalog auch an. Allerdings ohne einen konkreten Veröffentlichungstermin zu nennen.

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Ein bislang wenig beachteter Aspekt wurde während der Präsentation des Thermografie-Scanners in Frankfurt deutlich: die Beurteilung von Kunststoffteilen. Bislang scheitert diese am Fehlen werkstatttauglicher Messgeräte, die Schichtdicken auf Kunststoffteilen erfassen können. Das gelingt dem Scanner zwar auch nicht, jedoch zeigt das Scanergebnis, ob und wie an diesen Teilen gearbeitet wurde. Auf einem Scan in der Bildergalerie ist das typische Kreuzmuster einer Handlackierung gut zu erkennen.

Der weltweite Vertrieb des Thermografie-Scanners erfolgt über ein slowenisches Partnerunternehmen. Einzige Ausnahme ist Deutschland, wo Thetascan selbst vertreibt. Kontakt: Daniel Bilek, bilek@thetascan.de.

Interessierte Betriebe sollten einen mindestens fünf mal sechs Meter großen und vier Meter hohen Bereich reservieren. Um auch besonders lange oder hohe Fahrzeuge scannen zu können, muss dieser Bereich entsprechend größer sein. Die Bilder zeigen einen auf vier Säulen ruhenden Scanner. Eine zweite Möglichkeit ist die Befestigung an der Decke.

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