Fraunhofer IOSB Toter Winkel ade

Redakteur: Marion Fuchs

Das Fraunhofer Institut forscht derzeit am „transparenten Cockpit“. Dies soll Rangierunfälle, die auf tote Winkel von Fahrzeugen zurückzuführen sind, vermeiden.

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Simulierter Blick aus dem Fahrerhaus eines LKW: Überlagerung von Kameraaufnahme aus Fahrerperspektive und realer Sicht. Es handelt sich bei der Aufnahme um das linke Bild einer 180°-Stereobildaufnahme.
Simulierter Blick aus dem Fahrerhaus eines LKW: Überlagerung von Kameraaufnahme aus Fahrerperspektive und realer Sicht. Es handelt sich bei der Aufnahme um das linke Bild einer 180°-Stereobildaufnahme.
(Bild: Fraunhofer IOSB)

Parkassistenzsysteme sind inzwischen weit verbreitetet. Trotzdem geschehen immer noch Rangierunfälle bei PKW und LKW, die hauptsächlich auf die toten Winkel des Fahrzeugs zurückzuführen sind. Am Fraunhofer IOSB wird deshalb am »transparenten Cockpit« geforscht. Eine Studie hat gezeigt, dass diese Technologie den Fahrzeugführern tatsächlich helfen kann.

Daniel Reichert hat in seiner Masterarbeit am Fraunhofer Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Zusammenarbeit mit der Firma Rio, einer Tochter des MAN-Konzerns, ein neuartiges Fahrzeug-Assistenzsystem für Rangier-Manöver von LKW entworfen, implementiert und evaluiert. Daran anschließend hat Daniel Secker im Rahmen seiner Masterarbeit ein Echtzeitsystem für PKW entwickelt und getestet. Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille und Stereokameras macht es das Fahrzeug gewissermaßen durchsichtig, so dass der Fahrer alle Hindernisse direkt und dreidimensional an ihrer realen Position sehen kann. Genau genommen schafft das System eine erweiterte Realitätsdarstellung, eine Überlagerung der normalen Fahrer-Perspektive mit einer virtuellen Sicht, die ein Computer auf Basis der Kameraaufnahmen generiert.

In einer Nutzerstudie bat Secker 15 Probanden, mit einem PKW rückwärts einzuparken – ohne und mit der VR-Brille. Als Hindernisse dienten Kartons. Das Ergebnis: Durch die Brille können die Fahrer den Abstand tatsächlich besser einschätzen, allerdings erst durch die farbliche Hervorhebung der Hindernisse. Die VR-Brille allein führte noch nicht zu dem gewünschten Effekt.

Für ein wirklich praxistaugliches System sind die verwendeten Virtual-Reality-Brillen allerdings zu klobig, wie Secker selbst betont. »Dafür bräuchten wir praxistaugliche VR- oder sogar Augmented-Reality-Brillen.« Letztere könnte der Fahrer wie eine normale Brille permanent tragen; erst bei Rangiermanövern würden dann die virtuellen Darstellungsebenen eingeblendet. »Leider haben die heute erhältlichen Modelle dafür noch ein zu schmales Sichtfeld«, so Secker.

Wie ein transparentes Cockpit aussehen kann, wird auch in diesem Video sichtbar, das im Rahmen der Masterarbeit von Daniel Reichert entstanden ist.

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