Automechanika 2016 Trends und Kompetenz bei den Trucks

Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Die aktuellen Trends in der Nutzfahrzeugindustrie sind getrieben vom wirtschaftlichen Druck sowie vom Wunsch nach mehr Sicherheit und einer besseren Umweltverträglichkeit. Auf der Automechanika zeigen mehr als 1.000 Aussteller mit „Truck Competence“ innovative Systeme, Produkte und Ideen.

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Über 1.000 Aussteller sind auf der Automechanika mit Themen rund um das Nutzfahrzeug vertreten.
Über 1.000 Aussteller sind auf der Automechanika mit Themen rund um das Nutzfahrzeug vertreten.
(Bild: Automechanika)

Elektronik und Vernetzung sowie Leichtbau und CO2-Reduzierung – die aktuellen Trends in der Nutzfahrzeugbranche für die Trucks von morgen scheinen sich auf diese vier Begriffe reduzieren zu lassen. Wer genauer hinsieht, erkennt: Bereits heute hat die Nutzfahrzeugindustrie in diesen Kategorien eine Vielzahl von zukunftsweisenden Projekten, Produkten und Systemen zu bieten. Dadurch haben die Fahrzeuge einen geringeren Kraftstoffverbrauch, eine höhere Verfügbarkeit, mehr Nutzlast und eine besseren Wirtschaftlichkeit.

Wie sich richtig viel Gewicht im Nutzfahrzeug sparen lässt, zeigt das Start-up-Unternehmen CarbonTT auf der Automechanika im Themenbereich „Tomorrow’s Service & Mobility“. Die Leichtbau-Entwickler mit Sitz im Airbus-Zentrum Stade lehnen sich – rein räumlich, aber auch konstruktiv – eng an den Flugzeugbau an und arbeiten an Verfahren für die Massenfertigung von großformatigen Carbonteilen, unter anderem auch für die Nutzfahrzeugindustrie. An einem Kühlkofferaufbau aus Carbon hat das Unternehmen sein Know-how bereits unter Beweis gestellt. Der Kühler auf Transporterbasis weist bei 3,5 Tonnen Gesamtgewicht trotz Kühlaggregat und Isolierung eine Nutzlast von 1.500 Kilogramm auf – fast 500 Kilogramm mehr als herkömmliche Kühlfahrzeuge in dieser Klasse. Das Thema Leichtbau beginnt schon im Kleinen, etwa bei Bremsen oder Achsen. Zehn Prozent weniger Gewicht gegenüber dem Vorgängermodell weist etwa Automechanika-Aussteller Knorr-Bremse für seine aktuelle Trailerbremse ST7 aus. Gewichtseinsparungen in ähnlicher Größenordnung nehmen die Hersteller von Motorenkomponenten, Fahrwerken und Lkw-Aufbauten für ihre aktuellen Entwicklungen in Anspruch. Und auch der Trend zum sogenannten Downsizing bei den Lkw- und Transporter-Motoren – Treibwerke mit kleinerem Hubraum bei gleicher Leistung – ist dem Streben nach weniger Eigengewicht und damit mehr Nutzlast geschuldet.

Alternative Antriebe

Auch das Start-up-Unternehmen Orten Electric-Trucks stellt seine Prdukte in der Festhalle aus, und zwar im Bereich „Tomorrow’s Service & Mobility“. Das 2015 von Fahrzeugbauer Orten gegründete Unternehmen rüstet herkömmliche Transporter und 7,5-Tonnen-Lkw mit Elektroantrieben aus. In Verbindung mit einem vom Mutterunternehmen selbst entwickelten extraleichten Aufbau entstehen so Fahrzeuge für den innerstädtischen Verteilerverkehr, die lokal emissionsfrei und bei gleicher Nutzlast wie ein vergleichbarer Diesel-Lkw bis zu 100 Kilometer weit fahren können. Jüngstes Beispiel: der Orten 75 AT, ein 7,5-Tonner auf Mercedes-Atego-Basis. Schnellladende Lithium-Eisenphosphat-Batterien und ein drehmomentstarker Elektro-Synchronmotor mit 90 kW/122 PS sollen dabei laut Unternehmensangaben für Praxistauglichkeit sorgen.

Alles geregelt

Das Ziel geringerer Emissionen greifen auch System- und Komponentenlieferanten mit Systemen auf, die den Kraftstoffverbrauch weiter senken. Hier sind elektronisch geregelte Motorkomponenten und Nebenaggregate im Trend, die ihre Leistung nur bei Bedarf erbringen und auch nur dann Energie benötigen. Das Spektrum reicht von Lüftern für die Motorkühlung über Kühlmittelpumpen bis hin zu Ölpumpen oder Klimakompressoren. Der neueste Clou: Beim Bergabrollen laden Generatoren oder Kompressoren quasi zum Nulltarif Schnellladebatterien, Thermospeicher oder Druckluftbehälter, von wo aus sich die Energie bei Bedarf wieder abrufen lässt. Das Energiesparpotenzial all dieser Maßnahmen kann – je nach Umfang und Intensität des Gesamtpaketes – zehn Prozent und mehr erreichen. Weitere Möglichkeiten, Kraftstoff einzusparen, bieten neuartige Geschwindigkeitsregler oder GPS-Tempomaten, die nicht nur die eingestellte Geschwindigkeit halten, sondern die aktuelle, per GPS errechnete Position mit der im System hinterlegten Topografie abgleichen und so „vorausschauend“ auf Steigungen und Gefälle reagieren – meist besser, als es ein Fahrer je könnte, Schwung holen vor dem Berg oder ausrollen lassen vor dem Gefälle inklusive. In vielen neuen Lkws sind diese Systeme unter mehr oder weniger klangvollen Namen wie Predictive Powertrain Control (PPC), Efficient Cruise, Active Prediction, I-See oder Predictive Cruise Control zu haben. Überhaupt haben Assistenzsysteme im Nutzfahrzeug nach wie vor Hochkonjunktur. Zwar sind in neu zugelassenen Fahrzeugen bereits jetzt elektronische Stabilitätskontrollen, automatische Notfallbremssysteme und Spurhalteassistenten Pflicht. Doch die Entwicklung geht noch weiter: So hat Daimler erst kürzlich ein neues Notbremssystem mit Fußgängererkennung für seine Lkw-Baureihe Actros vorgestellt, und ZF hat gemeinsam mit Wabco einen neuen elektronischen Ausweichassistenten für Lkws entwickelt, welchen der Zulieferer auf der Automechanika im Rahmen seines ZF Innovation Truck 2016 präsentieren wird. Das System erkennt ein stehendes Hindernis wie etwa ein Stauende und lenkt – falls der Abstand für eine Notbremsung nicht mehr ausreicht – das Fahrzeug automatisch um das Hindernis herum. Das angepasste Stabilitätsprogramm verhindert dabei, dass das Fahrzeug umkippt, einknickt oder ausbricht. Ebenfalls von ZF stammt der Spurhalteassistent „Highway Driving Assist“, den die Ingenieure ursprünglich für den Pkw entwickelt und nun auf den Lkw übertragen haben. Anders als die bisher üblichen Spurhalteassistenten warnt dieses System nicht nur den Fahrer vor einem Verlassen der Fahrspur, sondern es greift auch aktiv in die Lenkung ein und hält selbsttätig die Spur.

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