TÜV Süd

„TÜV für Algorithmen“

| Redakteur: Marion Fuchs

(Logo: Tüv Süd)

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und TÜV Süd starten eine Kooperation, um Systeme mit Künstlicher Intelligenz (KI), die beim autonomen Fahren im Einsatz sind, zu zertifizieren und um einen „TÜV für Algorithmen“ zu entwickeln. Dazu erforschen die Experten das Lernverhalten der KI-Systeme, um deren Reaktionen kontrollieren zu können. Kernstück ist die Entwicklung einer offenen Plattform für OEM, Zulieferer und Technologieunternehmen. Die digitale Plattform mit dem Namen „Genesis“ soll Module Künstlicher Intelligenz validieren und damit die Grundlagen für Zertifizierungen schaffen.

KI-Systeme finden immer mehr Eingang in die Elektronik autonomer Fahrzeuge, um die enorme Zahl möglicher Verkehrssituationen sicher meistern zu können. Solche Systeme reagieren nicht deterministisch und damit nicht exakt vorhersehbar. Sie lernen vielmehr aus dem Verkehrsgeschehen (Stichwort: Deep Learning) und ziehen eigene Rückschlüsse für die richtige Reaktion. Damit die stets im Sinne der Verkehrssicherheit ausfallen, wird der TÜV Süd die zugrunde liegenden Algorithmen validieren und zertifizieren.

Anwender der neuen Genesis-Plattform sollen zukünftig ihre Daten und Module hochladen können und nach einer Prüfung ein entsprechendes TÜV Süd-Zertifikat für die funktionale Sicherheit erhalten. Lautm DFKI stehen bereits viele Unternehmen in den Startlöchern, um sich an Genesis zu beteiligen.

Die KI verstehen

Das Deep Learning der KI-System ist vergleichbar einem Fahrschüler. Die Sicherheit, dass das Fahrzeug richtig reagiert, wird dadurch kontinuierlich höher. Das Erlernte kann dann in einer Prüfung, ähnlich wie bei der theoretischen Führerscheinprüfung, abgefragt werden. Dr. Abdellatif, Global Head Autonomous Driving bei TÜV Süd: „Bisherige Ergebnisse, die mit der Deep-Learning-Methode erreicht wurden, zeigen verblüffend gute Ergebnisse in der Praxis – allerdings weiß bisher niemand genau, was dort eigentlich geschieht. Das werden wir nun gemeinsam erforschen.“

Um autonomen Fahrzeugen auch für die Straße grünes Licht geben zu können, braucht es zudem eine praktische Prüfung. Dazu müssen die Experten erforschen, wie die KI-Systeme lernen. „Wenn wir genau verstehen, welche Rückschlüsse die Systeme ziehen, können wir eingreifen und das Lernen gezielt steuern. Wir müssen nicht nur wissen, ob ein Fahrzeug bremst, sondern auch warum“, erläutert Dr. Abdellatif. Beispiel: Überholvorgang auf der Autobahn. Das autonome Fahrzeug überholt auf der linken Spur einen Lkw. Von hinten nähert sich mit großer Geschwindigkeit ein anderes Fahrzeug. Wird das automatisierte Auto abbremsen, um gleich nach dem Überholvorgang auf die rechte Spur zu wechseln, oder wird es die Geschwindigkeit anpassen und ebenfalls beschleunigen? Solche Fragestellungen zu erarbeiten und die Antworten darauf zu formulieren wird die Aufgabe der Experten sein. Daten, die aus virtuellen Verkehrssituationen gewonnen werden, überwachen und korrigieren dabei die Lernphase des Algorithmus. Das Ziel: ein Zertifikat (Führerschein) dafür, dass ein Algorithmus ausreichend sicher ist.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Beitrag abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45231925 / Service)