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Elektromobilität Warntonpflicht für E-Autos: Spielfeld für die Sounddesigner

| Redakteur: Andreas Grimm

Neu entwickelte E-Fahrzeuge brauchen künftig einen Warnton. Natürlich nicht irgendeinen, sondern er muss sowohl vorschriftsgemäß, als auch zur Marke passend sein. Die Aufgabe ist weniger trivial als sie zunächst klingt.

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Das Sounddesign für Warnton-Generatoren für E-Autos ist eine aufwändige Ingenieursleistung. Der gute Ton soll ja zur Marke passen.
Das Sounddesign für Warnton-Generatoren für E-Autos ist eine aufwändige Ingenieursleistung. Der gute Ton soll ja zur Marke passen.
(Bild: Daimler)

Elektroautos sind sauber – in Sachen Lärmemission allerdings bei langsamer Fahrt zu sauber. Andere Verkehrsteilnehmer hören sie kaum. Deshalb gilt seit dem 1. Juli 2019 die Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 540/2014. Sie besagt, dass in neuen Typen von Hybridelektro- und reinen Elektrofahrzeugen ein akustisches Warnsignal (Acoustic Vehicle Alerting Systems, kurz AVAS) zum Schutz von Fußgängern installiert sein muss.

Doch mit welchem Sound kündigt der ansonsten weitgehend lautlose Stromer sein Kommen an? Wie ein AVAS-Sound klingen darf und wie nicht, wird in der Verordnung in Anhang VIII exakt definiert. So sind etwa die Mindest- und Maximallautstärke und spezielle Geräuschanteile vorgeschrieben. Für Auto-Tuner ist das Thema übrigens uninteressant: Musikstücke oder ähnlich individuelle Klänge sind als Sound-Kulisse nicht zugelassen. Übrigens muss das Kunstgeräusch nur bis 20 km/h generiert werden, bei höheren Geschwindigkeiten erzeugt das Auto genug Eigengeräusche.

Die Auslegung dieser Rahmenbedingungen und die Entwicklung eines Warnton-Generators ist keine einfache Angelegenheit. So basteln etwa bei Mercedes Klangexperten im Sindelfinger Akustikprüffeld an einem typischen Sound für jedes der elektrifizierten Modelle. Denn idealerweise ist auch ein E-Mercedes von der Konkurrenz am typischen Sound zu erkennen wie es heute bei Verbrennermodellen der Fall ist. Ein Beispiel, wie E-Autos künstlich klingen könnten, findet sich auf einer Internetseite der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (zum Hörbeispiel).

Ab 2021 Pflicht für alle

Die Sounddesigner nutzen für ihre Arbeit spezielle Mikrofone, bei Testfahrten in freier Wildbahn zeichnet ein Kunstkopf feinste Geräusche auf und kommt dabei dem menschlichen Hören ziemlich nahe. Die Anforderungen an den AVAS-Klang sind vielfältig. Er muss gut vernehmbar sein, aber nicht zu laut, muss deutlich machen, warum er zu hören ist, sollte aber nicht nerven – gar nicht so einfach, das alles unter einen Hut, respektive in eine Klang-Box, zu bringen.

Derzeit gilt die AVAS-Pflicht nur für neue E-Fahrzeugtypen, ab 2021 werden davon alle neuen Hybrid- und Elektrofahrzeuge betroffen sein. Allerdings könne E-Autokäufer sich das System bereits jetzt freiwillig einbauen lassen. Diese Anschaffung wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert.

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