TÜV-Report 2022 Weniger Mängel in allen Kategorien

Autor Peter Diehl

Obwohl das Durchschnittsalter der Fahrzeuge in Deutschland weiter steigt, haben sie weniger Mängel. Der aktuelle TÜV-Report weist sowohl kategorie- als auch altersübergreifend deutliche Rückgänge aus. Dennoch gibt es bedenkliche Entwicklungen.

Firmen zum Thema

Der aktuelle TÜV-Report entstand von Juli 2020 bis Juni 2021 und wertet rund 9,6 Millionen Hauptuntersuchungen aus.
Der aktuelle TÜV-Report entstand von Juli 2020 bis Juni 2021 und wertet rund 9,6 Millionen Hauptuntersuchungen aus.
(Bild: TÜV Süd)

Die Jubiläumsausgabe des TÜV-Report zu dessen 50-jährigem Bestehen hat gute Nachrichten für die Verkehrssicherheit. Im Vergleich zum Report 2021 sank die Quote der erheblichen Mängel um zwei Prozentpunkte, konkret von 19,9 auf 17,9 Prozent, und somit auf den niedrigsten Stand seit Jahren. Der TÜV-Report 2022 entstand von Juli 2020 bis Juni 2021 und wertet rund 9,6 Millionen Hauptuntersuchungen aus.

Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verband e. V., begründet die rückläufige Mängelquote einerseits mit der Pandemie, die den Besitzern Zeit für die Pflege ihrer Fahrzeuge verschaffte. Andererseits sei der Anteil jüngerer und somit mängelärmerer Fahrzeuge an den HU gestiegen, denn in den Jahren 2017 und 2018 lagen die Neuzulassungen auf hohem Niveau. Auch seien weniger junge (Leasing-)Fahrzeuge ins Ausland verkauft worden, was die Mängelquote ebenfalls senkt.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Dennoch liegt die Quote der Gesamtmängel noch immer bei 27,04 Prozent (Report 2021: 29,55 %). Somit ist weiterhin mehr als jeder vierte Pkw mit mindestens einem Mangel unterwegs. Der TÜV-Report als Ratgeber listet seit 1972 alle Schwächen der Pkw auf, die bei den Mitgliedern des TÜV-Verbands zur Hauptuntersuchung (HU) vorfuhren. Das sind die Technischen Überwachungs-Vereine Süd, Nord, Rheinland, Hessen, Thüringen und Saarland.

Schwere Mängel bleiben Gefahr im Straßenverkehr

Bedenklich sind nach wie vor die Quoten der gefährlichen Mängel und verkehrsunsicheren Fahrzeuge. Letztere liegt aktuell zwar nur bei 0,04 Prozent (Report 2021: 0,05 %), doch handelt es sich um rund 10.000 Fahrzeuge. Wohlbemerkt nur solche, die zur HU bei einem der deutschen TÜV vorfuhren – andere Überwachungsorganisationen also nicht mitgezählt. Die seit Mai 2018 existierende Kategorie gefährlicher Mangel hat aktuell sogar eine zehnfach höhere Quote, nämlich 0,4 Prozent oder 100.000 Fahrzeuge. Solche Fahrzeuge fallen durch die HU und sind sofort instand zu setzen, weshalb nur die Fahrt zur Werkstatt erlaubt und eine Wiedervorführung innerhalb von vier Wochen gefordert ist.

Trotz der insgesamt verbesserten Langlebigkeit ist das hohe Alter vieler Autos eine Herausforderung für Verschleißteile und Elektronik. Umso wichtiger sind eine gute Wartung und regelmäßigen Prüfungen.

Joachim Bühler

Positiv wiederum ist die Erkenntnis, dass die Mängelquoten nicht nur bei manchen Kategorien und Fahrzeugaltersklassen, sondern übergreifend zurückgingen. Beispielsweise bei den geringen Mängeln von 9,6 auf 9,1 Prozent und bei den acht- und neunjährigen Fahrzeugen von 19,9 auf 17,5 Prozent. Um beim Fahrzeugalter zu bleiben: Das Durchschnittsalter der in Deutschland zugelassenen und von einem der deutschen TÜV geprüften Fahrzeuge liegt inzwischen bei 9,8 Jahren (Report 2021: 9,6 Jahre), womit sich der Trend der letzten Jahrzehnte fortsetzt. Zum Vergleich: Der TÜV-Report 2000 nennt noch ein Durchschnittsalter von 6,9 Jahren.

Betrachtet nach Mängelgruppen und bezogen auf acht bis neun Jahre alte Fahrzeuge, traten Mängel in diesen Bereichen am häufigsten auf:

  • Abblendlicht: 4,8 Prozent
  • Ölverlust an Motor oder Getriebe: 4,7 Prozent
  • Heckbeleuchtung: 4,3 Prozent
  • Achsaufhängung: 3,0 Prozent
  • Bremsscheiben: 2,4 Prozent

Mängelzwerg Mercedes, Schadenriese Dacia

Als Gesamtsieger („Mängelzwerge“) nennt der TÜV-Report 2022 den Mercedes-Benz GLC (Mängelquote: 1,5 %), die Mercedes-Benz B-Klasse (1,9 %) und den VW T-Roc (2,0 %). Betrachtet man die einzelnen Fahrzeugklassen, siegten bei den Minis der Opel Karl (3,4 %), bei den Kleinwagen der Audi A1 (2,9 %), bei den Kompakten die Mercedes-Benz A-Klasse (2,5 %), in der Mittelklasse die Mercedes-Benz C-Klasse (2,5 %) sowie bei den SUVs und Vans die zuvor genannten Mercedes-Benz-Baureihen.

Als „Mängelriesen“ in ihren Fahrzeugklassen gelten der Hyundai i10 (Mängelquote: 6,5 %), der Seat Ibiza (5,4 %), der Dacia Logan (10,4 %), der Ford Mondeo (6,8 %), der Dacia Duster (11,4 %) und der Ford Galaxy (7,5 %).

Digital gesteuerte Assistenzsysteme können durch Beschädigungen wie Parkrempler, falsche Installation oder fehlerhafte Updates ‚verschleißen‘ und müssen während ihrer gesamten Lebensdauer sicher sein.

Joachim Bühler

Vor dem Hintergrund einiger ab Juli 2022 bei neuen Modellen verpflichtend vorgeschriebener Assistenzsysteme, unter anderem Müdigkeits- und Geschwindigkeitsassistent sowie Ereignisdatenspeicher, fordert der TÜV-Verband, rechtliche Voraussetzungen für Softwarechecks zu schaffen. Konkret benannt werden die Prüfung von Software und deren Updates, insbesondere bei sicherheits- und umweltrelevanten Systemen, und die Prüfung, ob Cybersecurity-Anforderungen eingehalten werden.

Der vollständige TÜV-Report 2022 liegt als Sonderausgabe der Publikumszeitschrift „Auto Bild“ an den Tankstellen und im Zeitschriftenhandel.

(ID:47804668)