Würzburger Karosserie- und Schadenstage

Wertbegriffe analysiert

| Redakteur: Konrad Wenz

Volles Haus: Insgesamt besuchten 845 Teilnehmer die Würzburger Karosserie- und Schadenstage.
Volles Haus: Insgesamt besuchten 845 Teilnehmer die Würzburger Karosserie- und Schadenstage. (Bild: Stefan Bausewein)

Die Wertbegriffe in Schadengutachten und in der Unfallschadenabwicklung verändern sich aufgrund der Marktentwicklungen und der schadenersatz- und kaskorechtlichen Rechtsprechung kontinuierlich. ZKF-Präsident Peter Börner machte in seinem Grußwort während der Würzburger Karosserie- und Schadenstage deutlich, was das bedeuten kann: Der Schadensteuerer könnte künftig zum verhandelten Stundenverrechnungssatz in vier Wochen einen Termin bekommen, zum in der Werkstatt ausgehängten und kalkulierten Satz schon am kommenden Montag.

Würzburger Karosserie und Schadenstage 2018: Teil 1

Die aktuelle Entwicklung bei Werkstätten und Ausbildung stützen seine These. Denn nicht nur die Zahl der Werkstätten sei in den vergangenen Jahren deutlich reduziert worden, auch die Zahl der Auszubildenden Karosserie- und Fahrzeugbauer habe sich nahezu halbiert. Knapper werdende Ressourcen könnten zum oben beschrieben Szenario führen.

Börner warnte zudem davor, die Betriebe mit weiteren administrativen Aufgaben zu belasten. In diesem Zusammenhang zitierte er den diesjährigen ZKF-Branchenbericht, demzufolge die unproduktiven Kräfte in den Betrieben durchschnittlich um zwei gestiegen, die produktiven aber auf dem gleichen Stand seien wie schon seit Jahren. „Die unproduktiven Stunden können die Betriebe nicht verkaufen, das heißt, sie müssen von den produktiven miterwirtschaftet werden“, führte Börner aus.

Dass genau dies nicht funktioniert zeigt auch der aktuelle ZKF-Branchenbericht. Demnach erwirtschaften die instandsetzenden Betriebe einen Ebitda von 4,8 Prozent. „Berücksichtigt man Abschreibungen, Zinsen und Steuern, liegt das Betriebsergebnis bei nahe Null. Das reicht nicht um einen Betrieb sicher in die Zukunft zu führen“, führte Börner aus.

Gleichzeitig erhöhe sich auch der Druck auf die Werkstattrechnungen. Kürzungen würden an der Tagesordnung liegen, was zusätzlichen administrativen Aufwand für die Betriebe bedeute. In diesem Zusammenhang machte Börner auf die vom ZKF initiierte „Dienstleistung für Betriebe (DfB)“ aufmerksam, die sich darum kümmert, dass der Betrieb seine berechtigte Forderung zu 100 Prozent erhält.

Würzburger Karosserie und Schadenstage 2018: Teil 2

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung standen die verschiedenen Werte, mit denen der K&L-Betrieb heute konfrontiert wird im Fokus. Bernd Grüninger und Christoph Menniken von der Dekra Automobil GmbH erläuterten beispielsweise, welche Probleme der Sachverständige bei seinen Wertermittlungen hat. Insbesondere die Festlegung des Restwertes und einer merkantilen Wertminderung eines Unfallfahrzeuges erfordere eine sehr differenzierte Betrachtung. Um mit seinen Wertermittlungen richtig zu liegen benötige der Sachverständige nicht nur den automobilen Sachverstand, sondern auch Marktkenntnis.

Wolfgang Wellner, Richter am VI. Zivilsenat des BGH, bestätigte die Besonderheiten bei der Feststellung des Restwertes eines Unfallfahrzeugs. Dieser spiele eine entscheidende Rolle, da er zusammen mit dem Wiederbeschaffungswert und den voraussichtlichen Reparaturkosten die Möglichkeiten der Schadenregulierung sehr stark beeinflusse. Wellner berichtete von der Rechtsprechung des BGH zu diesem Thema und zitierte einige relevante Urteile. Beispielsweise dass der Geschädigte grundsätzlich nicht verpflichtet sei, einen Sondermarkt

für Restwertaufkäufer im Internet in Anspruch zu nehmen; er müsse sich jedoch einen höheren Erlös anrechnen lassen, den er bei tatsächlicher Inanspruchnahme eines solchen Sondermarktes ohne besondere Anstrengungen erziele.

Weitere Themen des Schadentages drehten sich um den Wiederbeschaffungswert unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer und um den Neuwertersatz. Zudem erläuterte der Key-note-Speaker Michael Zülch, wie sich der Wertewandel in der Gesellschaft auf den Betriebsübergang auswirkt.

Eine umfangreiche Berichterstattung zu den diesjährigen Würzburger Karosserie- und Schadenstagen die insgesamt 845 Teilnehmer besuchten, finden Sie in den Fachzeitschriften »Fahrzeug+Karosserie« (Ausgabe 5) und »kfz-betrieb« (Ausgabe 19). Die beiden magazine sind auch gemeinsam mit den Sponsoren Adelta Finanz AG, Automechanika, DAT, Dekra, Carbon und Nexa Autocolor Veranstalter des Branchenevents. Zudem trat in diesem Jahr neben knapp 70 weiteren Ausstellern das Franchise-System Fixauto als Business-Partner auf. Die Redaktion, Sponsoren und Aussteller freuen sich heute schon auf die nächsten Würzburger Karosserie- und Schadenstage am 29.730. März 2019. Ein Termin, den jeder Betrieb der Unfallinstandsetzungen durchführt, schon heute blocken sollte.

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