Kommentar Zweifelhafter Ruf

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Eine Forsa-Untersuchung zeigt auf, welche Versicherungen im Haftpflichtfall am schlechtesten bezahlen. Die Versicherungswirtschaft kritisiert die Umfrage unter über 1.000 Verkehrsrechtsanwälten.

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Konrad Wenz, Chefredakteur »Kfz-Schadenmanager«
Konrad Wenz, Chefredakteur »Kfz-Schadenmanager«
(Bilder: VBM/Wenz)

Schon öfter habe ich behauptet, dass sich keine Versicherung den zweifelhaften Ruf leisten kann, diejenige zu sein, die im Schadenfall am schlechtesten bezahlt. Und wenn man die einschlägigen Kongresse im Schadenbereich besucht, gewinnt man den Eindruck, dass das wirklich so ist. Die Versicherer gehen in ihren Vorträgen soweit, auch die Versicherungsnehmer anderer Assekuranzen als ihre Kunden zu bezeichnen. Auch der Haftpflichtschadenfall soll schnell und umfassend bedient werden – so wünscht man sich das als Verbraucher.

Leider sieht die Realität aber anders aus: So hat eine im Auftrag des Wochenmagazins „Stern“ durchgeführte Forsa-Umfrage unter Verkehrsrechtlern ergeben, dass sich die Regulierung von Haftpflichtschäden in den vergangenen Jahren verschlechtert hat (siehe „Stern“-Ausgabe 49 vom 30.11.2017). Hauptkritikpunkt der befragten Rechtsanwälte war, dass sich die Bearbeitungszeiten deutlich verlängert hätten. Bei einer nicht gestützten Abfrage nannten die Anwälte spontan die HUK, die VHV sowie die Allianz als die Versicherungen, bei denen es in der Regulierung häufig Probleme gibt.

Die HUK hat – genauso wie der GDV – auf die veröffentlichte Umfrage schnell reagiert – allerdings nicht mit der Ankündigung, die Regulierungsprozesse zu überdenken. Vielmehr wird die Umfrage an sich kritisiert und ihre Ergebnisse werden bezweifelt. Ob sich so der angekratzte Ruf wieder ins richtige Licht rücken lässt, darf indessen genauso bezweifelt werden.

Besser wäre es allemal, wenn die Assekuranzen den in der Werbung gemachten Versprechungen nachkommen würden. Damit wären sie nicht nur für die Verbraucher ein verlässlicher Partner, sondern auch für alle anderen an der Unfallschadenbeseitigung Beteiligten, beispielsweise die Werkstätten. Denn diese sind es, die Unfallschäden beseitigen und für die Versicherungen tagtäglich vor dem Kunden stehen. Dafür wird ihnen dann mit Rechnungskürzungen gedankt. Und das hat keine Werkstatt verdient.

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