Verbandskrise im Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz will zurück zum ZDK

Von Doris S. Pfaff 4 min Lesedauer

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Die Mitglieder des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz wollen zurück zum ZDK. Erst Ende 2025 waren sie ausgetreten. Der Verband will damit ein Signal für Dialog im Verbandsstreit senden.

Präsident Hans Werner Norren (l.) und sein Vizepräsident Jeffrey Kilian – Letzterer zugleich ZVK/BIV-Vizepräsident – empfahlen den rheinland-pfälzischen Innungen die Rückkehr zum ZDK. Das Foto entstand auf der ZDK-Mitgliederversammlung im Jahr 2024.(Bild:  ProMotor/N. Auweiler)
Präsident Hans Werner Norren (l.) und sein Vizepräsident Jeffrey Kilian – Letzterer zugleich ZVK/BIV-Vizepräsident – empfahlen den rheinland-pfälzischen Innungen die Rückkehr zum ZDK. Das Foto entstand auf der ZDK-Mitgliederversammlung im Jahr 2024.
(Bild: ProMotor/N. Auweiler)

Erst zum Jahresende hatte er den ZDK verlassen – nun möchte er wieder Mitglied werden. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschloss der Landesverband des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz am Mittwoch, zum Dachverband zurückkehren zu wollen. Vorausgesetzt, es findet keine zusätzliche finanzielle Belastung statt; die Mitgliedschaft im ZDK wie auch im Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (BIV/ZVK) dürfe nicht zu einem insgesamt höheren Beitrag führen, so das Votum.

Die Rückkehr des Ende Oktober 2025 beschlossenen Austritts erfolgte auf Empfehlung des Vorstands um Präsident Hans Werner Norren, Vizepräsident Jeffrey Kilian und Vizepräsident Volker Weismann. Das Kfz-Gewerbe in Rheinland-Pfalz umfasst 14 Kfz-Innungen mit rund 1.600 Innungsbetrieben und etwa 20.000 Mitarbeitenden. Nach Informationen von »kfz-betrieb« waren viele Innungen mit der bisherigen Entwicklung unzufrieden. Die Innung Mainz-Bingen-Alzey kündigte bereits Ende 2025 ihre Mitgliedschaft im Landesverband.

Mit dieser Entscheidung will das Kfz-Gewerbe Rheinland-Pfalz einen konstruktiven Beitrag zur Annäherung der beiden Bundesverbände leisten, die sich in den letzten Monaten immer weiter voneinander entfernt hätten. „Wir wollen das Kfz-Handwerk nach wie vor über einen gut aufgestellten ZVK stärken, sind aber genauso überzeugt, dass Verbände miteinander und nicht gegeneinander arbeiten dürfen, denn nur ein gemeinsames Handeln liegt im Interesse des gesamten Kfz-Gewerbes. Unser Anliegen ist es daher, dazu beizutragen, dass beide Verbände wieder stärker zusammenfinden, anstatt weiter auseinanderzudriften“, so Hans-Werner Norren, Präsident des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz.

Wie die Rückkehr gestaltet wird, ist spannend. Denn nun ist der BIV/ZVK am Zug: Im Prinzip muss er dafür sorgen, dass seine Mitglieder, die zugleich dem ZDK angehören (künftig alle außer Bayern und NRW) am Ende keine doppelten Beiträge zahlen müssen. Das könnte ein Kehrtwende im Streit zwischen den beiden Zentralverbänden bedeuten.

Chronologie des Konflikts

10. Oktober 2024: ZVK beschließt wegen AÜK Trennung der Geschäftsstelle

16. Oktober: ZDK-Vize Thomas Peckruhn übt scharfe Kritik am ZVK

21. Oktober: Appell des ZDK-Präsidenten und Ehrenpräsidenten zur Einheit

28. Oktober 2024: Helmut Peter fordert Rücktritt des Bundesinnungsmeisters

31. Oktober 2024: Kfz-Gewerbe NRW plant Austritt

4. November 2024: Michael Ziegler fordert Lösungen für Verbandsstreit

13. November 2024: NRW-Mitglieder erlauben unter Vorbehalt den ZDK-Austritt

15. November 2024: Interview mit Frank Mund: Darum müssen wir austreten

15. November 2024: Die AÜK ist nicht mehr in Gefahr

17. März 2026: Thomas Peckruhn wendet sich direkt an die Innungen

21. November 2024: Präsident Joswig ruft zum Dialog auf

28. November 2024: ZVK plant eigene Geschäftsstelle

29. November 2024: Landesverband Baden-Württemberg fordert Zusammenhalt

3. Dezember: 2024: ZVK beruft gemeinsamen Hauptgeschäftsführer ab und kündigt gemeinsame Geschäftsstelle

1. Mai 2025 : Hauptgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel verlässt den ZDK

27. Mai 2025: ZDK-Präsident Arne Joswig tritt zurück

8. Juli 2025: Thomas Peckruhn ist neuer ZDK-Präsident

8. September 2025: Jürgen Gros als ZVK-Hauptgeschäftsführer nominiert

23. September 2025: Jürgen Hasler ist neuer ZDK-Hauptgeschäftsführer

14. Oktober 2025: Interview mit Bayerns Präsident Günter Friedl: Uns geht es um die Sache

20. Oktober 2025: Bayern verlässt den ZDK

24. Oktober 2025: Kfz-Gewerbe Hessen prüft Austritt aus dem ZVK

28. Oktober 2025: Rheinland-Pfalz beschließt ZDK-Austritt

13. November 2025: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg prüft ZVK-Austritt

17. November 2025: Kfz-Gewerbe Sachsen prüft ZVK-Austritt

21. November 2025: Auch Saarland will den ZVK verlassen

24. November 2025: Neun Landesverbände wollen ZVK verklagen

26. November 2025: Sachsen-Anhalt soll dem ZVK kündigen

27. November 2025: Schleswig-Holstein prüft ZVK-Austritt.

24. Februar 2026: AÜK soll nicht Trennungsgrund gewesen sein

Wunsch nach Schlagkraft gescheitert?

Seinen ZDK-Austritt hatte der Landesverband Rheinland-Pfalz im Oktober 2025 noch wie folgt begründet: „Mit diesem Schritt verfolgt der Landesverband das Ziel, eine schlagkräftige und zukunftsorientierte Verbandsorganisation zu schaffen, die den besonderen Anforderungen des Kfz-Gewerbes und insbesondere des Kfz-Handwerks gerecht wird. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit und Neuordnung innerhalb einer gemeinsamen Struktur, die sowohl den ZVK als auch den ZDK umfasst. Der Austritt erfolgte ausschließlich aus den genannten Sachgründen, nicht wegen einer befürchteten doppelten Beitragsbelastung durch ZDK und ZVK.“

Genau daran scheitert es derzeit: Seit der Trennung der Geschäftsstellen zwischen dem Bundesinnungsverband des Kfz-Handwerks (BIV/ZVK) und seinem Dachverband, dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), findet keine Zusammenarbeit mehr statt. Anders als zunächst vom Vorstand des BIV/ZVK angekündigt, entstehen innerhalb des Kfz-Gewerbes nun doppelte Strukturen. Auch personelle Wechsel im BIV/ZVK setzen dem Kfz-Handwerk zu. Da zudem keine finanzielle Einigung besteht, liegt mittlerweile eine Klage gegen den BIV/ZVK vor. Hintergrund ist, dass der BIV/ZVK entgegen der Absprache 95 Prozent der früheren Mitgliedsbeiträge sowie sämtliche Einnahmen aus dem AÜK-Entgelt für sich beansprucht.

Norren: Signal für Dialog und Zusammenhalt

Neun Mitglieder des BIV/ZVK – die von Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz überstimmt worden waren – haben deshalb Klage eingereicht. Das Landgericht Bonn sah bei den Klägern durchaus Erfolgsaussichten, empfahl jedoch dringend, den Weg der Schlichtung zu gehen, um weiteren Schaden für das gesamte Kfz-Gewerbe abzuwenden. Wie berichtet, liegen entsprechende Verhandlungs- und Schlichtungsangebote vor. Zuletzt hatte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn den ZDH-Präsidenten Jörg Dittrich als Schlichter vorgeschlagen.

Wie geht es nun weiter? Rheinland-Pfalz selbst definiert seinen nun gewünschten möglichen Wiedereintritt „als Signal für Dialog, Zusammenhalt und die Bereitschaft, bestehende Trennlinien im Sinne des Gewerbes zu überwinden. Nur durch gemeinsame Zusammenarbeit kann eine geschlossene und starke Verbandsorganisation entstehen, die den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich begegnet.“

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Zünglein an der Waage

Laut der neuen Satzung des ZDK müssen Beitrittswillige einen Aufnahmeantrag stellen. Der Rückkehr des Landesverbands des Kfz-Gewerbes Rheinland-Pfalz dürfte der ZDK-Vorstand jedoch keine Steine in den Weg legen. Für den rheinland-pfälzischen Landesinnungsmeister und Vizepräsidenten Kilian ist die Situation eine ganz besondere. Er ist zugleich Vizepräsident des BIV/ZVK. Spannend dürfte auch sein, wie das künftige Abstimmungsverhalten ausfällt. Im Hinblick auf die Mehrheitsverhältnisse innerhalb des BIV/ZVK bleibt Rheinland-Pfalz das Zünglein an der Waage.

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