Ausbildungsbilanz 2024 Autoberufe wachsen weiter

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

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Nach mehreren Jahren des Aufschwungs ist der deutsche Ausbildungsmarkt 2024 ins Stocken geraten. Besser sieht es bei den Berufen des Kfz-Gewerbes aus.

Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker war im vergangenen Jahr besonders beliebt.(Bild:  T. Volz – Promotor)
Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker war im vergangenen Jahr besonders beliebt.
(Bild: T. Volz – Promotor)

Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker war im vergangenen Jahr die beliebteste unter allen dualen Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland. 25.221 junge Männer und Frauen starteten laut offizieller Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 2024 eine Lehre in diesem Beruf. Das entspricht einem Plus von 7,2 Prozent gegenüber dem ebenfalls schon starken Vorjahr. Im Berufe-Ranking hat der Kfz-Mechatroniker damit seine Spitzenposition vor den Kaufleuten für Büromanagement und den Verkäufern weiter ausgebaut.

Der Aufwärtstrend gilt für fast ganz Deutschland. Lediglich für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz hat das BIBB einen minimalen Rückgang an neuen Kfz-Azubis festgestellt. Am deutlichsten nach oben zeigt der Pfeil in Schleswig-Holstein (+17,4 %) und Sachsen (+16,2 %). Auch für das Saarland, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern vermeldet die Behörde zweistellige Wachstumsraten.

Nicht neu ist die Tatsache, dass es sich beim Kfz-Mechatroniker weitgehend um eine Männerdomäne handelt. Der Anteil der jungen Frauen unter den neuen Azubis lag bei 6,1 Prozent.

Die Zahlen der Kaufleute

Anders sieht das beim Branchenberuf Automobilkaufmann/-kauffrau aus. Hier betrug die Frauenquote 39,5 Prozent. Insgesamt nahmen 5.727 junge Leute eine Ausbildung in diesem Beruf aus. Das bedeutet ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber dem Jahr 2023.

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern fallen bei den Automobilkaufleuten – sicherlich nicht zuletzt wegen der geringeren Fallzahlen – größer aus als beim Kfz-Mechatroniker. Die Bandbreite reicht von einem Zuwachs um 37 Prozent (Sachsen-Anhalt) bis zu 14 Prozent Rückgang (Thüringen und Brandenburg).

Für den Beruf Fahrzeuglackierer verzeichnet das BIBB 2.064 neue Ausbildungsverhältnisse, was einen Zuwachs von 6,9 Prozent bedeutet. Auf die verschiedenen Fachrichtungen des Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikers entfallen insgesamt 1.644 neue Ausbildungsverträge, 13,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Darüber hinaus bilden Kfz-Betriebe noch in weiteren gewerblichen und kaufmännischen Berufen Nachwuchskräfte aus. Wie groß der Anteil des Kfz-Gewerbes an den Ausbildungsverhältnissen von zum Beispiel Kaufleuten für Büromanagement oder für Groß- und Außenhandel ist, lässt sich aus der BIBB-Statistik aber nicht ableiten.

Blick auf den Gesamtmarkt

Generell zeichnet die Jahresbilanz ein längst nicht so positives Bild wie der Blick alleine auf die Autoberufe. Denn nachdem sich der deutsche Ausbildungsmarkt in den letzten Jahren etwas von den starken Einbußen der Coronapandemie erholt hatte, stagniert er nun. Im Berichtsjahr 2024 wurden laut BIBB bundesweit insgesamt 486.700 duale Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. Das entspricht einem Minus von 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach den leichten Zuwächsen der letzten Jahre kam es damit erstmals seit 2020 wieder zu einem – wenn auch nur leichten – Rückgang.

Dabei stieg auch im Jahr 2024 die Nachfrage der Jugendlichen nach einer dualen Berufsausbildung weiter an, und zwar um 0,8 Prozent auf 557.100. Doch gleichzeitig ging das Angebot an Ausbildungsstellen um 1,2 Prozent zurück und liegt nun bei 556.100. Damit übertraf erstmals nach mehreren Jahren wieder die Nachfrage der Jugendlichen das Angebot an Ausbildungsstellen.

Ein negativer Dauerbrenner sind und bleiben die Schwierigkeiten, das Ausbildungsangebot der Betriebe und die Nachfrage der Jugendlichen zusammenzuführen. 2024 blieben insgesamt 69.400 Ausbildungsstellen unbesetzt. Gleichzeitig haben 70.400 junge Menschen zum Stichtag 30. September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden.

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser betont: „Positiv zu verzeichnen ist, dass die Nachfrage der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach einer dualen Berufsausbildung weiter steigt. Auf der anderen Seite betrachte ich jedoch mit großer Sorge, dass die aktuelle konjunkturelle Schwäche anscheinend auf den Ausbildungsmarkt übergreift, da die Zahl der neu abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträge nicht weiter gestiegen ist. Ich bedauere dies sehr, denn dadurch können wichtige Potenziale für die Fachkräftesicherung nicht vollständig ausgeschöpft werden.“

Durch das gesunkene Ausbildungsplatzangebot und den leichten Anstieg der Nachfrage hat sich die Lage der Jugendlichen auf dem Ausbildungsmarkt verschlechtert. Am Ende blieb die Suche von 12,6 Prozent Ausbildungswilligen bis zum Stichtag der Erhebung ohne Erfolg (Vorjahr: 11,5 %).

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Etwas besser hat sich im Gegenzug die Situation der Betriebe entwickelt: Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen ging um 4.000 beziehungsweise 5,5 Prozent zurück. Unter dem Strich blieben 12,8 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze bis zum Stichtag unbesetzt (Vorjahr: 13,4 %).

Sowohl bei der Besetzung der Ausbildungsstellen als auch bei der Versorgung der Jugendlichen mit Ausbildungsstellen gibt es erhebliche Unterschiede nach Regionen und Berufen.

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