Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2025 (WKST) Das gebrauchte Ersatzteil sorgt weiter für Diskussionen

Von Christian Otto 4 min Lesedauer

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Volles Haus bei den WKST: Über 1.200 Gäste wollten wissen, was der Einsatz von gebrauchten Ersatzteilen technisch, finanziell und rechtlich bedeuten kann. Das Thema sorgte für spannende Diskussionen. Neben der Theorie bot schon der erste Veranstaltungstag auch viel Praxis.

Volles Haus in Würzburg: Über 1.200 Gäste wurden bei den diesjährigen WKST begrüßt.(Bild:  stefan bausewein)
Volles Haus in Würzburg: Über 1.200 Gäste wurden bei den diesjährigen WKST begrüßt.
(Bild: stefan bausewein)

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage (WKST) durften an ihrem ersten Tag wieder über 1.200 Gäste begrüßen. Das umfangreiche Programm lockte viele Betriebe der K+L-Branche und Kfz-Sachverständige nach Unterfranken. Tragendes Thema in diesem Jahr ist der viel diskutierte Einsatz von gebrauchten Ersatzteilen. Dieses wird an den zwei Veranstaltungstagen aus technischer und aus rechtlicher Sicht umfangreich beleuchtet.

Die Begrüßung der Teilnehmer übernahm Chefredakteur Konrad Wenz, für den es die letzten WKST in dieser Rolle sein werden. Zum Ende des Jahres 2025 geht Wenz in den wohlverdienten Ruhestand. Deshalb wurde er zu Beginn des Programms nochmals für sein Wirken für die Vogel Communications Group (VCG) durch deren CEO Matthias Bauer und Wolfgang Michel, Chefredakteur des kfz-betrieb und Verantwortlichen des Bereichs Kfz-Gewerbe bei VCG geehrt.

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Den inhaltlichen Auftakt übernahm dann ZKF-Präsident Arndt Hürter, der sofort den inhaltlichen Schwerpunkt des diesjährigen Events aufgriff. Es sei der dritte Anlauf für das Thema gebrauchte Ersatzteile. Trotzdem laufe es immer noch nicht rund. Aber laut Hürter sei sein Verband offen für das Thema, wenn die Rahmenbedingungen stimmten.

Ihm folgte Julian Eisenhardt, Projektmanager Bildung & Nachhaltigkeit beim Bundesverband Fahrzeuglackierer, der das Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung in seinem Vortrag ausführte. Eisenhardt ging auf den VSME ein, der den freiwilligen Berichtsstandard für KMUs umfasst. Er zeigte dabei auch das zu verwendende Tool. Die möglichen Mehraufwände aufgrund dieser Berichterstattung führten zu den ersten Diskussionen im Plenum.

Als dritter Referent nahm Bernd Grüninger von der Dekra das Thema gebrauchte Ersatzteile wieder auf und zeigte erste Vergleichskalkulationen. Grüninger betonte, dass das Thema eine neue Dimension bekommen habe. Der Dekra-Experte räumte aber auch ein, dass der Einsatz von Gebrauchtteilen nicht für alle Fälle passen werde.

Diskussion mit Allianz und Claimparts

Besonders gespannt waren die WKST-Gäste auf die Ausführungen von Dr. Christian Sahr vom Allianz Zentrum für Technik und Joachim Bruck und Oliver Hallstein von der Claimparts GmbH. Der Versicherer und sein Partner werben für den Einsatz gebrauchter Teile. Claimparts hält diese über eine Plattform für Betriebe bereit.

Sahr betonte, dass die Diskussion zusammen mit allen Beteiligten geführt werden müsse und der nun dritte Anlauf zeigt, dass die Tür offen sei. Er lobte vor allem die konstruktiven Gespräche mit den Verbänden. Auch betonte er auf Nachfrage des Plenums, dass mit Blick auf die Marge auch bei gebrauchten Ersatzteilen den Werkstätten kein Nachteil entstehen dürfe.

Bruck und Hallstein zeigten, wie Claimparts die Anfragen der Werkstätten steuert und diese mit Gebrauchtteilen versorgt. Demnach erhalten die Verwerter, mit denen Claimparts zusammenarbeitet, Fahrzeuge im Alter bis zu zehn Jahre. Diese werden demontiert und die Teile gehen innerhalb von 30 Tagen auf die Plattform. Bei 80 Prozent der Anfragen müsse man Lieferengpässe von Originalersatzteilen ausgleichen.

Spannende Live-Schalte

Begleitet wurde der Vortragspart von Live-Schalten zum Reparaturplatz, wo ein Fahrzeug mit Schaden von der Firma Carbon unter Beobachtung der Dekra fachgerecht instandgesetzt wird. Unter anderem sollen am zweiten Event-Tag gebrauchte Ersatzteile eingebaut werden.

Neben den Vorträgen gab es noch zwei Podiumsdiskussionen. Die erste Runde mit Carbon-Chef Siegbert Müller und Dekra-Mann Grüninger verdeutlichte auch mit Zahlen, dass die Instandsetzung wieder mehr an Bedeutung gewinnen wird und muss. Das sei auch Folge extrem gestiegener Ersatzteilpreise.

Danach folgte die zweite Diskussionsrunde mit den Köpfen von vier Verbänden: Reinhard Beyer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband der Partnerwerkstätten e.V. (BVdP) äußerte sich kritisch, dass laufende Prozesse gefährdet werden könnten.

Detlef Peter Grün, Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), forderte eine klare Diskussionsbasis mit sauberen Definitionen. Das fange schon beim Begriff „sicherheitsrelevant“ an.

Kein Verzicht auf Ersatzteilmargen

Arndt Hürter, Präsident Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF), betonte, dass es keinen Verzicht auf die Ersatzteilmarge geben dürfe. Das gelte auch bei gebrauchten Ersatzteilen.

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Steven Didssun, Präsident Bundesverband Fahrzeuglackierer (BFL), hat positive Erfahrungen im Rahmen eines Pilotprojekts mit der Allianz gemacht. Er konnte einige Bedenken durch die Praxis in seinem Betrieb ausräumen.

Dr. Sahr von der Allianz stellte sich auch hier nochmals der Diskussion. Er verwies darauf, dass man nur in der praktischen Umsetzung die Fehler finden und ausräumen könne. Er wolle dabei helfen, den Vertrauensverlust zwischen Werkstätten und den Verbänden auf der einen Seite und den Versicherern auf der anderen Seite auszuräumen. Dafür brauche es den offenen Dialog.

Den letzten Part nahmen konkrete Rechtsthemen ein. Neben den Ausführungen von Dr. Klein zur 130-Prozent-Klausel folgte Henning Hamann, Geschäftsführer der Kanzlei Voigt, der die rechtlichen Folgen des Einsatzes von gebrauchten Ersatzteilen betrachtete.

Den Abschluss bildete Dr. Rüdiger Maas vom Institut für Generationenforschung. Der Bestsellerautor erklärte, wie die Generation der Nachwuchskräfte tickt – und wieso sie anders denken als die Generationen, die sie ausbilden. Seine amüsanten Ausführungen fanden viel Anklang.

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