Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) „Ehrenamt ist ein echtes Win-Win“

Das Gespräch führte Konrad Wenz 5 min Lesedauer

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Im Mai wurde Arndt Hürter auf der Mitgliederversammlung in den Vorstand des ZKF gewählt. Nun ist Hürter der vorgesehene Nachfolger von ZKF-Präsident Peter Börner. Für Hürter ist die ehrenamtliche Tätigkeit eine Bereicherung – für sich selbst und für die Gemeinschaft.

Arndt Hürter ist stellv. Obermeister der Innung Köln und frisch in den Vorstand des ZKF gewählt worden. Hürter leitet zudem in dritter Generation das  eigene Familienunternehmen in Köln.(Bild:  Wenz | VCG)
Arndt Hürter ist stellv. Obermeister der Innung Köln und frisch in den Vorstand des ZKF gewählt worden. Hürter leitet zudem in dritter Generation das eigene Familienunternehmen in Köln.
(Bild: Wenz | VCG)

Redaktion: Herr Hürter, Sie sind stellvertretender Obermeister der Innung Köln, leiten ihren eigenen Betrieb und engagieren sich im Prüfungsausschuss. Nun wurden Sie auch in den Vorstand des ZKF gewählt. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

Arndt Hürter: Eigentlich füllt einen die selbstständige Arbeit im Betrieb schon aus. Mit einer 35-Stundenwoche darf man hier nicht rechnen. Dennoch bin ich der Meinung, dass auch die ehrenamtliche Tätigkeit dazugehört. Ich halte es für wichtig, sich in den entsprechenden Gremien zu engagieren. Ich habe den Betrieb vor etwa 27 Jahren übernommen und kenne das schon von meinem Vater nicht anders. Um ehrenamtlich arbeiten zu können, muss man Zeit nach dem Feierabend und auch am Wochenende opfern. Anders geht es nicht. Zudem muss man sich entsprechend organisieren. Dafür ist es wichtig, im Betrieb ein gutes Team zu haben, das auch mal ohne den Chef klarkommt. Wir haben das Glück, gute Mitarbeiter in unserem Haus zu haben, die das hinbekommen. Eine gute Grundlage dafür ist es wiederum, selbst auszubilden.

Der Betrieb in Köln beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Unfallinstandsetzung. Das Thema Schadensteuerung lehnt Arndt Hürter mit Ausnahme der Schäden der Eurogarant Auto Service AG vollkommen ab.(Bild:  Wenz | VCG)
Der Betrieb in Köln beschäftigt sich mit allen Themen rund um die Unfallinstandsetzung. Das Thema Schadensteuerung lehnt Arndt Hürter mit Ausnahme der Schäden der Eurogarant Auto Service AG vollkommen ab.
(Bild: Wenz | VCG)

Wie groß ist aus Ihrer Sicht der Schritt vom stellvertretenden Obermeister der Innung Köln hin zum Mitglied des Vorstands im ZKF?

Hürter: Ich habe mich nicht aufgrund des Status hierfür entschieden. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass ich mich darüber auch bundesweit mehr einbringen kann. Ich bin schon seit fast 20 Jahren Mitglied im Meister-Prüfungsausschuss der Karosserie- und Fahrzeugbauer in Köln. Ich habe in dieser Zeit festgestellt, dass die Qualifikation der jungen Meister immer schlechter wird. Da gibt es beispielsweise einen großen Einfluss aus der europäischen Gesetzgebung – die Dinge werden immer mehr aufgeweicht. Wir müssen aufpassen, dass das Niveau nicht immer weiter abfällt. Wir brauchen Meister, aber diese müssen entsprechend qualifiziert sein. Wenn die jungen Meister diese Qualifikation nicht haben, unterhöhlen wir unser eigenes System und der Meisterbrief an der Wand ist nichts mehr wert. Es kommt vor, dass Gesellen viel zu schnell in den Meisterstand erhoben werden. Daran müssen wir arbeiten und das kann ich bundesweit besser tun als nur hier in der Innung oder in der Handwerkskammer Köln.

Wo sehen Sie Ansatzpunkte für den Berufs- und Wirtschaftsverband ZKF?

Hürter: Man muss versuchen, die Kriterien, die für die Meisterprüfung wichtig sind, über den Verband europäisch aufzuhängen. Zudem sollten die Kriterien wieder etwas anziehen, damit am Ende auch die Qualität wieder stimmt. Das gilt auch für die Ausbildung bis hin zur Meisterprüfung und für die Prüfungsvorbereitung. Die Bedingungen und auch den Lehrinhalt müssen wir dementsprechend formen, sodass wir am Ende keine geschenkte Meisterprüfung haben, sondern Profis heranziehen. Es kommt heute vor, dass Prüflinge die Meisterprüfung bestehen, obwohl eigentlich die Qualifikation nicht vorhanden ist. Beispielsweise kann man unter Umständen mit einem mangelhaften Meister-Prüfungsstück die Meisterprüfung bestehen, wenn die Nebenleistungen zum praktischen Stück, beispielsweise die CAD-Konstruktion, gut abgeschlossen wurde. In der Werkstatt nutzt mir aber ein Meister nichts, der zwar am Computer Linien gerade ziehen kann, aber praktisch überfordert ist.

Früher war es so, dass der Prüfling nicht bestanden hat, wenn das Stück nicht mindestens ausreichend war. Da müssen wir eigentlich wieder hin.

Einerseits sagen Sie, dass die Betriebe bei der Ausbildung mit immer mehr Auflagen zu kämpfen haben, andererseits brauchen wir Auflagen, um in der Ausbildung eine gewisse Qualität hinzubekommen. Wie soll diese Balance geschafft werden?

Hürter: Das stimmt, es ist ein zweischneidiges Schwert. Dennoch denke ich, dass man den Wert des Meisterbriefs nicht zu sehr aushöhlen darf. Der Meisterbrief stellt eine Anerkennung für einen Menschen dar. Diese sollte man nicht geschenkt bekommen. Zum einen könnte man dann nicht mehr stolz drauf sein. Zum anderen führt es zu Problemen, wenn schlecht qualifizierte Meister unsere künftigen Gesellen ausbilden oder den eigenen Betrieb führen sollen. Wir brauchen gute Meister, die tatsächlich einen Auszubildenden anleiten können.

Wie kann man junge Menschen begeistern, überhaupt in den Beruf des Karosserie- und Fahrzeugbauers einzutreten?

Hürter: Wir müssen uns über die Wege, wie man junge Menschen anspricht, Gedanken machen. Es ist zwar nicht bei allen so, dass sie mit ihrem Handy verwachsen sind. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir diese Menschen in erster Linie über die sozialen Medien erreichen. Hier müssen wir es schaffen, ihnen zu vermitteln, dass der Beruf des Karosserie- und Fahrzeugbauers ein interessanter Job ist. Es gilt die Attraktivität dieses Berufes den Schülern näherzubringen. Wir müssen in die Schulen gehen und auf Veranstaltungen, wie etwa Berufsbildungsmessen, unsere Betriebe vorstellen. In der Innung Köln tun wir das schon sehr erfolgreich mit Hilfe unserer Geschäftsführerin Claudia Weiler.

Darüber hinaus müssen wir darauf achten, dass die Ausbildungsvergütung für die jungen Menschen attraktiv ist. Wenn man qualifizierten beruflichen Nachwuchs haben will, muss man auf die vernünftige Bezahlung achten. Und wir müssen ihnen Perspektiven für ihre Zukunft aufzeigen können. Das gilt sowohl für den Gesellenstand als auch für die weitere Karriere in unserem Handwerk. Dabei geht es nicht nur um das Geld. Auch die Atmosphäre im Betrieb, das Arbeitsumfeld, ist wichtig. Wenn die Mitarbeiter glücklich sind, werden sie dem Betrieb erhalten bleiben.

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Sie leben das ehrenamtliche Engagement vor. Was kann man tun, um mehr junge Menschen beziehungsweise Betriebsinhaber dazu zu bringen, sich auch in der Innung, in der Kreishandwerkerschaft und im ZKF zu engagieren?

Hürter: Es ist natürlich schwierig, junge Menschen zu motivieren, einen Teil ihrer Freizeit zu opfern, auch weil dies nicht entlohnt wird. Andererseits leistet jeder Einzelne, der sich engagiert, einen tollen Beitrag für die Gemeinschaft. Das ist aus meiner Sicht sehr erfüllend. Dazu kommt, dass die ehrenamtliche Tätigkeit gerade für junge Meister eine sehr gute Erfahrung ist, beispielsweise um einen Einblick in das Prüfungswesen zu bekommen. Darüber hinaus wird jeder, der sich engagiert, selbst sehr frühzeitig mit wichtigen Informationen versorgt. Im Grunde genommen ist das eine echte Win-Win-Situation. Das Ehrenamt bedeutet nicht nur, dass ich etwas weitergebe, sondern ich bekomme auch sehr viel zurück.  n

Zur Person

Arndt Hürter, Betriebsinhaber und stellvertretender Obermeister der Karosseriebauer-Innung aus Köln wurde im Mai 2023 in Friedberg auf der diesjährigen ZKF-Delegierten-/Mitgliederversammlung in den engeren Vorstand des ZKF gewählt. Hürter führt den vom Großvater 1935 gegründeten Familienbetrieb in dritter Generation. Hürter (geb. 1970 in Köln), ist seit 1999 verheiratet und verbringt gerne Zeit mit seiner Frau sowie Sohn und Tochter (23 und 21 Jahre). Er spielt in seiner Freizeit Tennis, fährt Ski und reist gerne um die Welt, soweit dies seine Zeit als Unternehmer zulässt. Als seine zweite Heimat bezeichnet er Mexiko.

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