Die Elektrifizierung des Güterverkehrs stockt, obwohl die Technik längst vorhanden ist. Was fehlt wirklich? Der 6. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge zeigte, wo die Branche tatsächlich anpacken muss. Auch weitere Herausforderungen standen auf der Agenda.
Beim Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge diskutierten Branchenvertreter über Elektromobilität, alternative Kraftstoffe, Fahrzeugsicherheit und Digitalisierung sowie über weitere zentrale Herausforderungen für den Güterverkehr der Zukunft.
(Bild: Dekra)
Rund 300 Vertreter aus Transportgewerbe, Industrie und Politik haben sich beim 6. Dekra Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin über die Anforderungen an den zukünftigen Güterverkehr ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen Elektromobilität, alternative Kraftstoffe, Fahrzeugsicherheit, Automatisierung und Digitalisierung – Themen, denen sich die Branche angesichts wachsender Transportvolumina stellen muss.
Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur könnte die Verkehrsleistung im Straßengüterverkehr der EU bis 2050 auf etwa 2.500 Milliarden Tonnenkilometer ansteigen – ein Plus von etwa 30 Prozent gegenüber 1.900 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr 2020. „Ein zukunftssicherer Güterverkehr bleibt unerlässlich", betonte Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH. Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit seien dabei eng miteinander verflochten und bildeten die Grundlage für wettbewerbsfähige Mobilitätslösungen.
Beim Übergang zu emissionsfreien Antrieben prägte Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, eine klare Positionierung: Der batterieelektrische Lkw werde dominierend sein. Allerdings plädierte er ausdrücklich für Technologieoffenheit – etwa bei Wasserstoff oder Hybridlösungen. Für Bestandsflotten und schwer elektrifizierbare Segmente kämen erneuerbaren Kraftstoffen große Bedeutung zu. Die Nachfrage nach Hydrogenated Vegetable Oils (HVO) steige an, allerdings bestehe ein Mangel an biogenen Ausgangsstoffen. Um Investitionsanreize zu schaffen, verwies Schnorr auf die EU-beschlossene Mautbefreiung für Elektro- und Wasserstoff-Lkw bis Mitte 2031, die er als „Hebel mit großer Wirkung" bezeichnete.
Parallel zur Antriebswende müsse die Ladeinfrastruktur massiv ausgebaut werden, um den Hochlauf zu beschleunigen. Der „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030" des Bundesverkehrsministeriums sieht den Aufbau eines Lkw-Schnellladenetzes entlang von Bundesfernstraßen mit 351 Stationen und 4.200 Ladepunkten vor. Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, identifizierte das Depotladen als Schlüsselfaktor: „Es ermöglicht effizientes und zuverlässiges Laden von E-Lkw auf Betriebsgeländen, während sie nicht im Einsatz sind." Ein zusätzlicher Vorteil liege darin, dass mehrere Logistikunternehmen die Infrastruktur in Depots oder Logistik-Hubs gemeinschaftlich nutzen könnten.
Ergänzend wurde auf dem Kongress auch der Batteriewechsel als mögliches Zukunftsmodell diskutiert. In China und weiteren asiatischen Staaten ist dieses Verfahren bereits etabliert; ein Batterietausch dauert derzeit sechs bis zehn Minuten und soll künftig beschleunigt werden.
Emissionsfreie Lkw noch unterrepräsentiert
Trotz dieser Infrastrukturinvestitionen zeigt sich in der praktischen Marktentwicklung noch erhebliche Zurückhaltung. Die EU hat mit ehrgeizigen Flottengrenzwerten klare Vorgaben gesetzt: CO₂-Emissionen neuer Lkw und Reisebusse müssen bis 2030 um 45 Prozent, bis 2035 um 65 Prozent und bis 2040 um 90 Prozent gegenüber 2019 sinken. Thomas Fabian, Commercial Vehicles Director des europäischen Fahrzeugherstellerverbands ACEA, warnte indes vor Zielverfehlungen. In der ersten Jahreshälfte 2025 machten emissionsfreie mittelschwere und schwere Lkw lediglich 3,6 Prozent der EU-Neuzulassungen aus. Besonders deutlich wird die regionale Konzentration: Fast vier von fünf dieser Fahrzeuge entfielen auf nur fünf Märkte: Schweden, Niederlande, Österreich, Dänemark und Frankreich.
Fabian betonte jedoch, dass Fahrzeuge und Reichweiten nicht das eigentliche Hindernis darstellten. „Die Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht", sagte er. Stattdessen lägen die entscheidenden Engpässe bei ungünstigen Rahmenbedingungen, insbesondere bei der Ladeinfrastruktur sowie fehlenden stabilen Business Cases für alle Akteure in den Wertschöpfungsketten. „Der wirtschaftliche Vorteil muss groß genug sein, damit Fuhrparkbetreiber rasch in emissionsfreie Lkw investieren", forderte Fabian. Die Branche orientiert sich dabei bereits an neuen Konzepten: Zulieferer und Trailerhersteller wie Knorr-Bremse, SAF-Holland, Kögel, Schmitz Cargobull, Krone und BPW Bergische Achsen stellten auf dem Kongress Lösungen vor, wie sie mit der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung von Nutzfahrzeugen umgehen.
Stand: 08.12.2025
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Neben der Antriebswende spielte die Fahrzeugsicherheit eine zentrale Rolle. Matthew Avery, Director of Strategic Development beim European New Car Assessment Programme (Euro NCAP), präsentierte die 2024 gestartete Testreihe „Safer Trucks", die 2025 erneut durchgeführt wurde. Diese überprüft, wie moderne Nutzfahrzeuge Unfälle verhindern, Insassen schützen und gleichzeitig die Sicherheit ungeschützter Verkehrsteilnehmer gewährleisten. Weitere Tests zur Fahrzeugumfeldüberwachung, zum automatischen Manövrieren und zu kleineren Verteiler-Lkw seien vorgesehen. 2028 beginnen Crashtests mit speziellem Fokus auf den Schutz von Pkw-Insassen bei Frontalzusammenstößen. Ab 2031 sollen Tests zur passiven Sicherheit eingebunden werden. „Die Hersteller reagieren überwiegend positiv und nutzen die Testergebnisse für weitere Optimierungen", erklärte Avery.
Den Abschluss der Kongressdebatten bildeten übergreifende Fragen zur Digitalisierung und urbanen Logistik. Hier verhandelte die Branche, wie sich Kundenservice, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit auf der Letzten Meile vereinbaren lassen, welche Effizienzpotenziale in der Kombination von Smart Parking und Charging liegen und wie KI-gestütztes Flottenmanagement Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit steigert. Diskutiert wurden zudem die zunehmende Notwendigkeit starker Partnerschaften im Nutzfahrzeug- und Trailergeschäft sowie die Wettbewerbsvorteile datengestützten Energiemanagements in der Logistik – Themen, die deutlich machen, dass die Zukunft des Güterverkehrs nicht allein technologisch, sondern auch durch intelligente Vernetzung und Zusammenarbeit gestaltet wird.
Europäischer Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge
Der Kongress bildete zudem den Rahmen für die Auszeichnung von Anna Theander mit dem Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge 2025. Die Preisvergabe an die Leiterin der Unfallforschung beim Lkw-Hersteller Volvo Group begründete Prof. Michael Weyde, Vorstandsvorsitzender der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse (EVU), so: „Anna Theander hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, der Vision Zero näher zu kommen. Ihre Arbeit im Bereich der Sensortechnologie zur Entfernungsmessung und Objekterkennung sowie deren Einsatz in modernen Fahrerassistenzsystemen haben dazu beigetragen, Lkw deutlich sicherer zu machen. In Kombination mit ihrer umfangreichen Erfahrung in der Analyse realer Unfälle ist sie eine renommierte Expertin. Ihre Leistungen für die Verkehrssicherheit würdigen wir mit dieser Auszeichnung.“ Der Preis wurde zum 36. Mal vergeben.