ZDK-Berufsbildungsausschuss Fachkräftemangel bleibt trotz steigender Ausbildungszahlen

Von Julia Moßner 3 min Lesedauer

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Die Zahl der Auszubildenden in den Kfz-Berufen hat zuletzt einen Höchststand erreicht. Ist das die Trendwende für die Branche oder nur die Erholung nach dem Rückgang der Ausbildungsverhältnisse während der Corona-Zeit? Die Antwort darauf fällt differenziert aus.

Die Ausbildungszahlen im Kfz-Gewerbe steigen wieder – allerdings nicht überall.(Bild:  Promotor)
Die Ausbildungszahlen im Kfz-Gewerbe steigen wieder – allerdings nicht überall.
(Bild: Promotor)

Wie können geeignete Auszubildende gewonnen, gehalten und erfolgreich ausgebildet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des Berufsbildungsausschusses des ZDK. Bildungsexperten aus dem Zentralverband und den Ländern kamen dazu im Januar in Berlin zusammen.

Zunächst diskutierte der Ausschuss über die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen. Der Kfz-Mechatroniker bleibt bei den männlichen Azubis der beliebteste Ausbildungsberuf und verbucht ein Plus von 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Ausbildungsverträge für den Beruf Automobilkaufmann/-frau stiegen um 7,2 Prozent.

ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens stellte die Fachkräfte-Strategie 2026 vor.(Bild:  Moßner – VCG)
ZDK-Geschäftsführerin Birgit Behrens stellte die Fachkräfte-Strategie 2026 vor.
(Bild: Moßner – VCG)

Deutschlandweit zeigt sich allerdings ein sehr heterogenes Bild: So verzeichnen etwa Hessen und Sachsen-Anhalt einen Zuwachs von mehr als 20 Prozent bei den Kfz-Mechatronikern im ersten Lehrjahr: „Wir haben die besten Ausbildungszahlen seit 1995!“, jubelt Joachim Kuhn, Geschäftsführer des Landesverbands Hessen. In Nordrhein-Westfalen hingegen verharren die Ausbildungszahlen fast auf dem Niveau des Vorjahrs.

Woher kommt die positive Entwicklung?

Anstieg der Auszubildenden im Beruf Kfz-Mechatroniker/-in in Prozent, Veränderung zum Vorjahr(Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung)
Anstieg der Auszubildenden im Beruf Kfz-Mechatroniker/-in in Prozent, Veränderung zum Vorjahr
(Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung)

Es gibt vor allem zwei Gründe, die nach Ansicht der Landesvertreter zu den positiven Ausbildungszahlen und den unterschiedlichen regionalen Entwicklungen beigetragen haben:

  • Gutes Marketing bei Schulabgängern für eine Ausbildung in der Kfz-Branche: In Hessen beispielsweise wurden sehr viele regionale Projekte und Maßnahmen wie die „Ausbildungslotsen“ umgesetzt, die Jugendliche mit eher mäßigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt bei der Suche nach und der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz unterstützen. In anderen Ländern scheinen handwerkliche Ausbildungen an Attraktivität verloren zu haben; mehr und mehr Schulabgänger strömen in die Hochschulen, statt eine berufliche Ausbildung zu absolvieren.
  • Natürlich sind es insbesondere die Betriebe selbst, die dazu beitragen, dass die Ausbildungszahlen steigen: Diejenigen, die gutes Nachwuchsmarketing betreiben, haben keine Probleme, ihre offenen Stellen zu besetzen. In der Nachwuchsstudie 2023 wurden Betriebe zu ihren Herausforderungen im Bereich der Ausbildung befragt. Es zeigte sich: Insbesondere über Schulpraktika, Social Media oder Karriereseiten ist es Betrieben gelungen, Azubis zu erreichen und für eine Ausbildung zu gewinnen.

Herausforderungen der Kfz-Berufsbildung

Trotz der aktuell positiven Entwicklung sind sich die Experten einig: Um eine nachhaltige Trendwende einzuläuten und die aktuell hohen Azubi-Zahlen zu halten, gibt es nach wie vor Handlungsfelder.

  • Signifikantes Fachkräfteproblem: Um geeignete Fachkräfte zu bekommen, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden. Betriebe, die früher aus einem Pool von fünf bis sechs Bewerbern wählen konnten, klagen darüber, dass sie pro Stelle nur noch ein bis zwei Bewerbungen bekommen. Insbesondere in ländlichen Gebieten gibt es zum Teil gar keine Bewerbungen auf offene Stellen.
  • Mangelnde Vorkenntnisse und hohe Durchfallquoten: Bis zu 30 Prozent aller eingestellten Auszubildenden gehen während der 3,5 Ausbildungsjahre verloren oder schaffen die Prüfung nicht beim ersten Anlauf.

Maßnahmen seitens der Verbände

Die Verbände, insbesondere der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), unterstützen die Betriebe mit Tools für Employer Branding und Recruiting sowie einer übergreifenden Fachkräfte-Strategie. Den Betrieben ist die Wichtigkeit des Themas bewusst, in vielen Fällen kümmert sich der Chef selbst. Dennoch bleibt es ebenso wichtig, die Berufsbilder und möglichen Abschlüsse zeitgemäß weiterzuentwickeln sowie Karrierepfade attraktiv zu kommunizieren.

Birgit Behrens, Geschäftsführerin für Berufsbildung beim ZDK, kommt zu folgendem Schluss: „Der Trend für die Autoberufe zeigt klar nach oben. Wenn die bestehenden Maßnahmen weiterhin von allen Beteiligten so aktiv unterstützt werden, beispielsweise mit der Initiative Autoberufe, dann wird es uns gelingen, die Autoberufe attraktiv zu halten und weiterhin gute Fachkräfte zu gewinnen.“

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