Reparaturkosten Hürter: „Freie Werkstätten sind nicht schuld an steigenden Unfallreparaturkosten“

Von Nick Luhmann 3 min Lesedauer

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Autoreparaturen werden immer teurer – nun versuchen die Versicherer und Schadendienstleister, den Werkstätten den schwarzen Peter dafür zuzuschieben. Doch das Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerk kämpft selbst seit Jahren mit einer angespannten wirtschaftlichen Situation.

An den steigenden Reparaturkosten haben die Preiserhöhungen bei Ersatzteilen und Lackmaterial einen großen Anteil.(Bild:  Rosenow – VCG)
An den steigenden Reparaturkosten haben die Preiserhöhungen bei Ersatzteilen und Lackmaterial einen großen Anteil.
(Bild: Rosenow – VCG)

Der Erweiterte Vorstand des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik e. V. (ZKF) diskutierte innerhalb seiner Online-Vorstandssitzung Ende Oktober über die geplanten Prämienerhöhungen der Kfz-Versicherer, welche in ihrer Außenkommunikation vordergründig die Erhöhungen der Unfallreparaturkosten seitens der Werkstätten als Hauptgrund für die enormen Erhöhungen der Prämien beschreiben. Dabei werden aber die Einschränkungen und Problemfelder des Karosserie- und Fahrzeugbauerhandwerks der letzten Jahre nicht mit aufzeigt.

Der ZKF-Vorstand unter Leitung von ZKF-Präsident Arndt Hürter analysierte die Probleme der Kostenerhöhungen in den Betrieben und betont: „Sicherlich sind die stark gestiegenen Kosten, zum Beispiel bei Lohn und Energie, ein Grund, die Stundenverrechnungssätze anzupassen. Die wahren Gründe jedoch sind im starken Anstieg der Preise für Ersatzteile und Lackmaterial in den letzten Jahren zu finden.“ Dass dabei steigende Kosten in die Kalkulationen der Betriebe Einfluss finden müssen, sei grundsätzlich der richtige Weg. Darüber hinaus betont ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm, „Fakten und Kennzahlen tragen hier zur Transparenz für Gespräche bei. Dieses Vorgehen ist für Betriebe überlebenswichtig, um zahlungsfähig und wettbewerbsfähig zu bleiben“.

Der jährlich vom ZKF erhobene Betriebsvergleich „ZKF-Branchenbericht“ zeigt, dass neben den betrieblichen Kosten, wie für das Material, auch die Höhe der Stundenverrechnungssätze der Versicherer Einfluss auf die Rendite der Betriebe hat. In den letzten Jahren haben Versicherer in der Schadenlenkung Umsatzversprechen abgegeben, die mit Preiszugeständnissen seitens der Werkstätten verbunden waren. Nur so konnten bereits hohe Prämienerhöhungen begrenzt werden. Um dies weiterhin fortzuführen, müsste insbesondere im Bereich der Ersatzteilpreise der starke Anstieg der Kosten zunächst gebremst werden, so der ZKF-Präsident.

Hohe Ersatzteilkosten lassen Reparaturkosten in die Höhe schnellen

Die Entwicklung der Ersatzteilpreise übersteigt die Inflation deutlich. Die Versicherungsprämien hingegen blieben seit 2014 fast konstant.(Bild:  GDV, Destatis)
Die Entwicklung der Ersatzteilpreise übersteigt die Inflation deutlich. Die Versicherungsprämien hingegen blieben seit 2014 fast konstant.
(Bild: GDV, Destatis)

Laut der Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erhöhen trotz rückläufiger Inflationsrate die Fahrzeughersteller weiterhin die Preise. Zwischen August 2023 und August 2024 stiegen die Preise im Schnitt um 6,2 Prozent an. Auch bei langfristiger Betrachtung ist der Trend eindeutig: Der Verbraucherpreis-Index stieg seit dem Jahr 2014 lediglich um 28 Prozent, während Ersatzteile der Kfz-Hersteller um durchschnittlich 75 Prozent teurer geworden sind (Quelle: GDV). Die Folgen tragen die Verbraucher: Manche Teile sind heute doppelt so teuer wie vor zehn Jahren.

Der ZKF-Vorstand fordert, dass die Stundenverrechnungssätze von Versicherungen für die freien Werkstätten ausreichend sein müssen, um Investitionen vornehmen zu können und um Spezialisten zu entlohnen, die die anspruchsvollen Tätigkeiten in der Unfallreparatur ausführen können. Hersteller- und Markenbetriebe trügen mit Verrechnungssätzen zwischen 300 und 400 Euro zusätzlich zur Verschärfung der Situation bei. Während die Versicherer hier tiefer in die Tasche griffen, zögen sie die Daumenschrauben bei den freien und den Partnerbetrieben massiv an.

Kritisch wird dabei der Design- und Markenschutz der Autohersteller für sichtbare Ersatzteile angesehen, die durch das dabei entstehende Monopol einerseits zu Preiserhöhungen führen und andererseits die Prämien ansteigen lassen. Hier steht das Handwerk mit der Industrie im Wettbewerb.

Fazit des ZKF-Präsidenten Arndt Hürter: „Versicherer dürfen nicht nur Werkstätten den „schwarzen Peter“ für die Prämienerhöhungen zuschieben, sondern müssen den Verbraucher auch über den Tatbestand der ständig stark steigenden Lack- und Ersatzteilpreise aufklären. Angesichts dieser Situation müssen die Versicherer zudem endlich ihre Prämien so kalkulieren, dass auch Werkstätten einen auskömmlichen und fairen Stundensatz erhalten.“ Dies gelte insbesondere für die freien Karosserie- und Lackbetriebe, die mit deutlich geringeren Stundensätzen kalkulieren müssen, als dies Markenwerkstätten tun, die damit den Versicherern sowie dem gesamten Markt schaden.

Fakt ist laut ZKF: Nur mit auskömmlichen Renditen der freien Betriebe lassen sich für die Branche und die Verbraucher Ziele für eine erfolgreiche Zukunft auch im Bereich des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit bei der Unfallreparatur umsetzen und Prämienerhöhungen begrenzen.

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