Interview mit Thomas Aukamm

„Ich hoffe, dass sich Arbeit bald wieder lohnt“

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Und was tun Sie 2025 auf europäischer Ebene?

Die Gesetze werden nicht unbedingt in Deutschland gemacht. Die Basis dafür, was passiert, liegt in Brüssel. Deshalb sind wir dort vertreten und versuchen eine möglichst sinnvolle Struktur für unsere Branche zu schaffen. Es muss klar werden, dass das Reparieren von Fahrzeugen wirtschaftlich sinnvoll ist. Gerade bei Elektrofahrzeugen entwickelt sich ein Unfallschaden schnell zu einem Totalschaden, wenn der Akku betroffen ist. Auch müssen wir die Automobilhersteller im Zaum halten. Denn sie dürfen nicht alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen können, um ihre Original-Ersatzteile monopolartig nach oben zu treiben. Dem wollen wir Einhalt gebieten. Und hier haben wir eine breite Unterstützung. So arbeiten wir hier gemeinsam mit den Versicherern, die das eben auch nicht wollen. Die hohen Preise dienen unserer Meinung vor allem dazu, dass die Hersteller die möglichen Verluste im Neuwagenverkauf oder in der Neufahrzeugentwicklung ausgleichen können.

Ein Thema ist hier doch vor allem der Designschutz?

Aufgrund der neuerlichen rechtlichen Entwicklungen aus Brüssel wissen die Fahrzeughersteller, dass Designschutz kein Zukunftsthema mehr für die Monopolisierung sichtbarer Ersatzteile ist. Stattdessen versuchen sie nun, möglichst viele Teile, die im Schadenfall betroffen sein können, über ihr Markenlogo oder den Modellnamen kenntlich zu machen. Damit retten sie dann mehr oder weniger den Zugriff auf diese Teile über das Markenrecht. So wird beispielsweise auf dem Stoßfänger die Modellbezeichnung eingestanzt oder im Scheinwerfer das Herstellerlogo als Gestaltungsmerkmal eingefügt. Und sie wissen, dass der Geschädigte immer darauf erpicht sein wird, möglichst das Hersteller-Originalersatzteil verbaut zu bekommen. Denn Kunden möchten nicht unbedingt mit einem Scheinwerfer herumfahren, auf dem das Herstellerlogo noch vorhanden ist, und einem ersetzten Scheinwerfer, wo es fehlt. Gegen solche Bestrebungen und Tricks der Fahrzeughersteller gehen wir unter anderem in Brüssel vor.

Wo sehen Sie für 2025 Chancen für die Branche?

Ganz klar sind die Betriebe im Vorteil, die sich zukunftsfähig aufstellen. Also jene, die energieintensive Prozesse im Unternehmen möglichst nachhaltig gestalten und hier auch neueste Technik einsetzen. Dazu zählen Photovoltaikanlagen zur eigenen Energieerzeugung auf dem Werkstattdach oder Wärmepumpen. Wir sind nun mal ein sehr energieintensives Handwerk. Wir haben Lackierkabinen, die aufgeheizt werden, große Hallen, die beheizt werden, Schweißgeräte etc.

Zudem müssen die Betriebe die neuesten Technologien abbilden, die am Markt auftreten. Das gilt gerade in Bezug auf Fahrerassistenzsysteme. Das assistierte Fahren der Stufe 2 ist mittlerweile schon fast Standard. Stufe 3 ist bei den ersten Fahrzeugen auf dem Markt, und das Thema ADAS-Systeme wird immer umfassender – auch bei der Reparatur. Hier sind wir auch mit unseren Verbandskolleginnen und -kollegen des ZDK im Gespräch, um Regelungen zu finden. Dazu zählt möglicherweise die Zertifizierung für eine fach- und sachgerechte Kalibrierung nach Herstellervorgabe. Das dient dazu, dem geschädigten Fahrzeugnutzer die Sicherheit zu geben, dass das Fahrzeug entsprechend richtig nach den Herstellervorgaben kalibriert worden ist. Der gesamte Prozess muss hierbei angefangen von der korrekten Fahrwerkseinstellung durchleuchtet werden, weil die Fahrerassistenzsysteme ein hohes Maß an Sicherheitsrelevanz darstellen und bisher auch unter Einbezug der Hauptuntersuchung bisher nicht das notwendige Augenmerk erhalten haben.

Und was sind die Höhepunkte des ZKF im Jahr 2025?

Das ist vor allem der Branchentreff in Weimar am 23. Mai. Dort werden wir zu den aktuellen Themen in der Branche umfassend informieren - sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugbereich. Wir haben zahlreiche Vorträge zu den aktuellen Themen geplant. Zudem verbringen wir einen gemeinsamen Abend im ADAC-Verkehrssicherheitszentrum, wo verschiedene kritische Fahrsituationen selbst ausprobiert werden können. Das wird für die Teilnehmer ein ereignisreicher Event zum Austausch mit der gesamten Branche und den Referenten.

co

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