Einsatz von Gebrauchtteilen „In der Praxis noch viele ungeklärte Fragen“

Von Christian Otto 4 min Lesedauer

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Das Gebrauchtteile-Thema wabert weiterhin in der K+L-Branche. Im Gespräch erklärt Thomas Aukamm, Geschäftsführer des Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik, wo es für den Verband und die Werkstätten derzeit noch hakt.

Thomas Aukamm ordnet als Geschäfstführer des ZKF die aktuelle Position des Verbandes beim Thema Gebrauchtersatzteile ein (Bild:  Klasing)
Thomas Aukamm ordnet als Geschäfstführer des ZKF die aktuelle Position des Verbandes beim Thema Gebrauchtersatzteile ein
(Bild: Klasing)

Herr Aukamm, im vergangenen Jahr stand der Einsatz von Gebrauchtteilen immer wieder im Fokus. Unter anderem wurde bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen ausgiebig darüber diskutiert. Wie ist hier der aktuelle Stand und wie ist hier die Position des ZKF?

Thomas Aukamm: Die Branche stellt sich keineswegs grundsätzlich gegen die Verwendung von Gebrauchtteilen, solange dies Sinn macht und für alle Parteien wie Geschädigter, Regulierer und Werkstatt Vorteile bringt. Im Gegenteil wird die Verwendung von Gebrauchtteilen bereits seit Jahrzehnten praktiziert, aber nur so lange für alle ein Vorteil damit verbunden ist.

In den Diskussionen des vergangenen Jahres führte der ZKF trotzdem einige Argumente gegen den Einsatz an. Sind diese Vorbehalte von den Befürwortern ausgeräumt worden?

Aukamm: Da gibt es unterschiedliche Meinungen. Einige sehen die Branche hier schon weiter. Ein Beispiel war zuletzt der Geschäftsführer der Gebrauchtteileplattform „net.casion“, Herr Dominik Hertel, der in einem Interview ausführte, dass im vergangenen Jahr 2025 bei der Frage der Verwendung von Gebrauchtteilen bei der KFZ-Reparatur Grundsatzfragen zu Akzeptanz, Qualität, Haftung und Prozessen bereits alle gelöst seien. Das sehen wir als die Werkstätten vertretender Verband noch nicht als gegeben an. Zu den genannten Stichworten gibt es in der Praxis noch viele ungeklärte Fragen. Gerade bei dem Thema der Haftung versprechen Schadensteurer und Versicherer dem Geschädigten bisher keine Nachteile bei Garantie, wälzen diese aber direkt auf die instandsetzenden Betriebe ab, ebenso wie die nicht triviale Erklärung, dass nun gebrauchte Teile zum Einsatz kommen sollen. Auch bleibt die Frage, wie die Werkstatt beweisen soll, dass die von ihm verbaute gebrauchte Türe an den Schweißpunkten und in den Falzen nach einem Jahr durchrostet, weil diese im Hochwasser stand, obwohl er diese fach- und sachgerecht bei der Reparatur bearbeitet hat.

In Würzburg kam vor allem die Diskussion um die finanziellen Auswirkungen für die Werkstätten auf. Was hat sich hier getan?

Aukamm: Eine andere noch offene Frage ist, wie die Werkstatt beim Einsatz von Gebrauchtteilen vergütet wird. Werden wirklich alle Aufwände für z.B. die Abgarnierung und die weitere Bearbeitung des Bauteils sowie die Entsorgung der nicht benötigten Komponenten dem Reparaturbetrieb erstattet, oder erfolgt dies nur in der „Eingewöhnungsphase“ wie dies bei den Kollegen in Frankreich oder anderen Märkten der Fall war. Zudem sollte ein gebrauchtes Bauteil normalerweise günstiger als ein Neuteil sein. Was passiert aber mit der Teilemarge für den Betrieb, die ihm nun noch mehr reduziert wird. Die Werkstatt subventioniert im gesteuerten Reparaturfall meistens den nicht kostendeckenden Stundensatz mit der Teilemarge des Neuteils. Wird diese über geringeren Preis reduziert, müsste der Stundensatz auf der anderen Seite steigen, damit der Betrieb keinen Verlust bei der Reparatur macht.

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2026

Würzburger Karosserie- und Schadenstage

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Sind das die einzigen offenen Punkte?

Aukamm: Ein nach wie vor totgeschwiegener Einfluss ist zum Beispiel die Frage nach der zusätzlichen Wertminderung. Steht neben einem unfallfreien Gebrauchtwagen ein mit Neuteilen reparierter Vorschaden, hat dieser einen geringeren Preis. Das ist allseits bekannt. Steht daneben ein dritter Gebrauchtwagen mit Gebrauchtteilen reparierter Vorschaden, muss sich dieser zusätzlich absetzen. Wer zahlt diese zusätzliche merkantile Wertminderung?

Wie bewerten Sie vor diesen Punkten die Chance für das Gebrauchtteil?

Aukamm: Bei den letzten Würzburger Karosserie- und Schadentagen wurde bei Berechnung durch die Dekra die Reparatur mit Neuteilen, mit Gebrauchtteilen und durch Instandsetzen gegenübergestellt. Das interessante Ergebnis dabei war, dass final zwar die Reparatur mit Neuteilen die augenscheinlich teuerste Methode war, aber der Kostenvorteil bei Verwendung eines Gebrauchtteils nur marginal gewesen ist. Die preiswerteste und definitiv nachhaltigste Methode war zur Überraschung vieler immer noch die Instandsetzung. Der jeweilige Fall wird also entscheiden. Aufgrund der offenen Fragen, spricht aber aus Verbandssicht derzeit nichts dafür, dass der Einsatz von Gebrauchtteilen sehr stark an Bedeutung gewinnen wird. Ein wichtiger Termin wird der Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar sein. Auch dort soll das Thema behandelt werden. Die Ergebnisse werden in unsere weitere Bewertung einfließen.

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