BIBB-Erhebung Ausbilden lohnt sich

Von Johannes Büttner 3 min Lesedauer

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Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat untersucht, welche Kosten einem Betrieb durch die Ausbildung eines Azubis durchschnittlich entstehen. Das Ergebnis: Ausbilden ist zwar teurer geworden – doch der Nutzen ist noch stärker gewachsen.

Für die Ausbildung müssen Betriebe mehr Geld ausgeben – doch die Investition lohnt sich.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Für die Ausbildung müssen Betriebe mehr Geld ausgeben – doch die Investition lohnt sich.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die duale Berufsausbildung bleibt für Betriebe auch in finanzieller Hinsicht eine attraktive Option, um den eigenen Fachkräftebedarf zu sichern. Und das, obwohl die Kosten der Ausbildung in den letzten Jahren spürbar gestiegen sind. Denn die Personalgewinnungskosten, die bei der Rekrutierung von Fachkräften über den externen Arbeitsmarkt anfallen, sind noch deutlich stärker gestiegen als die Nettoausbildungskosten.

Dies zeigt die neueste Kosten-Nutzen-Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Nach Angaben der Behörde handelt es sich dabei um die einzige Erhebung in Deutschland, die umfangreiche, repräsentative Daten zu diesem Thema zur Verfügung stellt. Basierend auf den Angaben von über 3.000 ausbildenden und mehr als 1.000 nicht ausbildenden Betrieben werden unter anderem durchschnittliche Bruttokosten, Erträge und Nettokosten der betrieblichen Ausbildung sowie Personalgewinnungskosten für Deutschland erfasst.

Veröffentlicht sind die Ergebnisse in der neuesten Ausgabe der Reihe „BIBB Report“ unter dem Titel „Eigene Ausbildung oder externe Fachkräftegewinnung – mit welchen Kosten müssen Betriebe rechnen?“. Der Report kann auf der Website des BIBB kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden.

Was Azubis (im Durchschnitt) kosten

Der Report besagt unter anderem, dass den Betrieben im Ausbildungsjahr 2022/2023 im Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre hinweg Bruttokosten in Höhe von etwa 26.200 Euro pro Azubi entstanden sind. Zu diesen Bruttokosten zählen die Personalkosten für die Auszubildenden, die Aufwendungen für das Ausbildungspersonal, die Anlage- und Sachkosten sowie sonstige Kosten wie Kammergebühren, Kosten für Lehr- und Lernmaterialien oder für Berufs- und Schutzkleidung.

Zugleich erwirtschafteten die Auszubildenden während ihrer Ausbildung mit ihrer produktiven Tätigkeit Erträge in Höhe von rund 18.100 Euro. Dadurch sind schon einmal rund 70 Prozent der Ausbildungskosten gedeckt. Die Erträge stiegen mit jedem Ausbildungsjahr an; je nach Betriebsgröße, Ausbildungsbereich und Region gab es deutliche Unterschiede. Bei etwa jedem vierten Azubi überstiegen die Erträge die Bruttokosten. In diesen Fällen erwirtschafteten die Auszubildenden also sogar Nettoerträge.

Teure Fachkräfte

Die Gewinnung von Fachkräften über den externen Markt ist dagegen teuer und unsicher. So bewerteten 70 Prozent der Betriebe die Lage am Fachkräftemarkt als schlecht oder sehr schlecht. Und die sogenannten Personalgewinnungskosten stiegen im Vergleich zu früheren BIBB-Erhebungen um 65 Prozent an – deutlich mehr als die Nettoausbildungskosten. Hier betrug der Anstieg lediglich 28 Prozent.

Die Personalgewinnungskosten für die Besetzung einer Fachkräftestelle beliefen sich in der Erhebung 2022/2023 im Durchschnitt auf rund 13.700 Euro. Auch blieben die Stellen in den Betrieben deutlich länger unbesetzt. So brauchten Großbetriebe für die Nachbesetzung ihrer offenen Stellen inzwischen schon zehn Wochen, Kleinstbetriebe sogar 19 Wochen.

Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage und der insgesamt zurückgehenden Zahl an Auszubildenden blieb die Investitionsbereitschaft der Betriebe in die duale Berufsausbildung hoch. Sie investierten im Ausbildungsjahr 2022/2023 rund 9,7 Milliarden Euro und damit etwa 1,3 Milliarden Euro mehr als fünf Jahre zuvor.

Hohe Bereitschaft zur Übernahme

Nicht einmal zehn Prozent der ausbildenden Betriebe zeigten sich in der Befragung unzufrieden mit dem aktuellen Kosten-Nutzen-Verhältnis der dualen Ausbildung. Auch die Übernahmebereitschaft ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In der Erhebung 2022/2023 gaben rund drei Viertel der ausbildenden Betriebe an, möglichst alle ihrer Auszubildenden weiterhin beschäftigen zu wollen. Weitere 22 Prozent planten, zumindest einen Teil der Azubis im Anschluss an die Ausbildung zu übernehmen.

Wichtig seien in Zukunft allerdings auch Rahmenbedingungen, die eine qualitativ gute und wirtschaftliche Ausbildung auf Dauer erlauben, betonen die Studienautorinnen und -autoren in ihrem abschließenden Fazit. Sie warnen zum Beispiel davor, Betriebe finanziell zu überfordern. In diesem Zusammenhang verweisen sie darauf, dass sich Kleinstbetrieben mit unter zehn Beschäftigten deutlich weniger in der Ausbildung engagieren würden als noch vor einigen Jahren.

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