Porsche Panamera So sind die neuen Farben entstanden

Von Cara Stibolitzki 3 min Lesedauer

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Für den neuen Porsche Panamera stehen frische Farben zur Auswahl, darunter „Eisgraumetallic“ und „Luganoblau“. Bis aus einer Farbidee ein Lack entsteht, können Jahre vergehen. Wir fassen die Vorgehensweise zusammen.

Beim Farbton „Madeiragoldmetallic“ sorgen kleine Effektpigmente für einen metallischen Glanz.(Bild:  Porsche)
Beim Farbton „Madeiragoldmetallic“ sorgen kleine Effektpigmente für einen metallischen Glanz.
(Bild: Porsche)

Der Sportwagenhersteller Porsche hat sein Angebot an Serien-, Metallic- und Sonderfarben modellübergreifend neu strukturiert: „Contrasts“ umfasst klassische und zeitlose Farben. Schwarz und Weiß beispielsweise bilden den maximalen Kontrast. Verschiedene Schattierungen von Weiß, Grau, Silber und Schwarz hingegen fallen in die Kategorie „Shades“. Mit den kräftigen und auffälligen Farben der Kategorie „Dreams“ können Kunden ein Statement setzen. Die Kategorie „Legends“ umfasst außergewöhnliche Töne aus unterschiedlichen Farbräumen.

Neben dem Serienfarbprogramm bietet der Autobauer mit „Farbe nach Wahl“ außerdem typische Porsche-Farben an, die aus der Historie bekannt sind. Aktuell umfasst das Angebot über alle Baureihen hinweg mehr als 170 Farbtöne. Bei „Farbe nach Wahl Plus“ können Kunden darüber hinaus individuelle Farbtöne kreieren.

Von der Farbidee zur Lackfarbe

Von der ersten Idee zu einer konkreten Auswahl für Kunden vergehen bei Porsche mehrere Jahre. Von den rund 12 bis 15 Farben, die das Design-Team jedes Jahr neu konzipiert, wählt der Gesamtvorstand Farben aus, die weiterentwickelt werden. Sollten sich diese Lacke als technisch umsetzbar erweisen, gehen sie in den nächsten drei Jahren in Serie.

Zunächst analysieren die Designer dafür die aktuelle Farbpalette und schauen, ob alle Farbbereiche gut besetzt sind. Bei der Recherche zu neuen Farbthemen entstehen sogenannte Moodboards – visuelle Darstellungen von Konzepten und Visionen.

Sogenannte Lackfrösche helfen dabei, die Wirkung der verschiedenen Farbtöne zu beurteilen.(Bild:  Porsche)
Sogenannte Lackfrösche helfen dabei, die Wirkung der verschiedenen Farbtöne zu beurteilen.
(Bild: Porsche)

Sind die neuen Farbvisionen entstanden, kommen die Zulieferer ins Spiel: „Die Lieferanten arbeiten für uns mit unterschiedlichen Farbpigmenten die neuen Farben aus“, erläutert Müller. Das führt im Detail zu unterschiedlichen Interpretationen einer Farbe und mehreren Farbtonausarbeitungen. Anschließend diskutiert eine größere Runde mit Fachleuten aus Produktion, technischer Entwicklung, Design, Vertrieb und Marketing diese Lackmuster.

Die Farbideen müssen technisch umsetzbar sein und den Bedürfnissen der Märkte entsprechen. Diese sind unterschiedlich ausgeprägt: „Die asiatischen Kunden sind eher mutig in der Farbwahl, während Kunden in den USA gedecktere Töne bevorzugen“, sagt Daniela Milošević, Colour & Trim-Designerin bei Style Porsche. Bei der Vorauswahl haben die Designer auch die künftigen Interieur-Materialien im Hinterkopf. Ein Farbton im Exterieur muss auch mit dem Interieur harmonieren und zu Leder, Race-Tex und anderen Stoffen passen.

Harmonieren Karosserie und Anbauteile?

Im nächsten Schritt werden Lackfrösche in den jeweiligen Farben lackiert. Das sind Auto-Miniaturen in der stilisierten Form eines aktuellen 911, auf der man die Farben bezüglich ihrer Wirkung auf einer größeren 3D-Form beurteilen kann. Die finale Entscheidung, ob eine neue Farbidee kommt oder nicht, fällt schließlich der Gesamtvorstand.

Von einer künftigen Serienfarbe wird im nächsten Schritt eine mittelgroße Lack-Charge produziert, die etwa 50 bis 100 Kilogramm umfasst. Damit werden rund 300 Blechtafeln lackiert. Als sogenannte Urmuster dienen diese auch den Lieferanten der Anbauteile als Farbreferenz. Das sogenannte Colour-Matching ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal: Auch wenn sich Farben auf Metall und Kunststoff grundsätzlich unterschiedlich verhalten, müssen sie am Fahrzeug perfekt zueinander passen.

Umfangreiche Tests und Absicherungen

Der Entwicklungsprozess ist nach der kreativen Phase allerdings noch nicht beendet: Die Lackexperten des Sportwagenherstellers testen beispielsweise den Reparaturaufbau. Dazu gehört die Prüfung auf Umsetzbarkeit der sogenannten „Spot Repair“ auf Basis eines der lackierten Vorserienfahrzeuge. Rund ein Jahr vor Serienanlauf findet zudem ein sogenannter Betriebsversuch statt.

Beim Lackierprozess in den Porsche-Werken wird der Lack durch Leitungen vom Tank zu den Zerstäubern gepumpt. „Scherkräfte in den ringförmigen Leitungen könnten zu Farbtonabweichungen führen“, erläutert Bernd Mieskes, Teamleiter Farbentwicklung. Solche unliebsamen Überraschungen soll die Generalprobe vor Serienanlauf verhindern.

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Bis der Kunde die Farbe im Car Configurator oder im Porsche-Zentrum auswählen kann, folgen weitere Erprobungen. Im sogenannten Wetter-o-Meter werden die Musterplatten 3.200 Stunden lang mit starkem UV-Licht bestrahlt. Das entspricht theoretisch einem Jahr direkter Sonneneinstrahlung in Florida und sichert die Farbbeständigkeit. Zusätzlich umfasst die Erprobung Brandschutz- und Steinschlagtests sowie Salzwasserprüfungen.

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