Messe Auto e Moto d’Epoca – isch 'abe gar kein Oldtimer?

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Es gibt zahlreiche Dinge, die ein Mann im Leben tun sollte. Ein Besuch von Europas größte Oldtimermesse gehört definitiv dazu. Gerade denn, wenn sein automobiles Herz für italienische Marken schlägt.

Ohne Hallenplan ist man bei der Auto e Moto d'Epocha sozusagen aufgeschmissen, denn man verliert ganz einfach den Überblick. Zur besseren Orientierung hat der Veranstalter seine Messe in vier farblich abgesetzte Themenblöcke aufgeteilt.(Bild:  Dominsky – VCG)
Ohne Hallenplan ist man bei der Auto e Moto d'Epocha sozusagen aufgeschmissen, denn man verliert ganz einfach den Überblick. Zur besseren Orientierung hat der Veranstalter seine Messe in vier farblich abgesetzte Themenblöcke aufgeteilt.
(Bild: Dominsky – VCG)

Milde 18 Grad, Sonnenschein, Hähnchen vom (Holzkohlen-) Grill und frisch gezapftes Bier: Wer bei diesen Eckdaten ans Oktoberfest denkt, der liegt nicht richtig, aber auch nicht falsch. Denn genauso wie das bekannte Event in München den Superlativ in seinem Segment verkörpert, gilt selbiges für die Auto e Moto d’Epoca. Die dieses Jahr zum 42. Mal ausgetragene, einst in Padua gestartete und seit 2023 in Bologna stattfindende Oldtimermesse, glänzte in diesem Jahr nicht nur mit eingangs erwähnten Fakten, sondern selbstverständlich auch mit jeder Menge italienischer Kulinarik. Vor allem aber mit einer derart schieren Masse, aber auch Klasse, an historischen Fahrzeugen, dass einem erstens vielfach der Mund offenstehen blieb und zweitens die Socken nur so qualmten.

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Die Begründung für beides unterstreichen zwei nackte Fakten: 235.000 m2 Ausstellungsfläche und mehr als 5.000 Fahrzeuge. Um alles zu sehen und das eine oder andere Fahrzeug bzw. den einen oder anderen Teilestand intensiver zu beäugen, dafür reicht(e) ein Messetag schlicht nicht aus, so groß ist das schiere Angebot. Oder, anders ausgedrückt: Die Auto e Moto d’Epoca ist grob gesagt so groß wie die bisherige Techno Classica und die Stuttgarter Retro Classics zusammen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Vielfalt in Sachen Hersteller/Marken geringer ausfällt bzw. sich von der hierzulande (verständlicherweise) unterscheidet. So setzt sich das Gros der ausgestellten bzw. zum Verkauf angebotenen Fahrzeuge in erster Linie aus Marken wie Alfa Romeo, Ferrari, Fiat, Lancia, Lamborghini und Maserati zusammen. Wessen Herz also für diese andere aus dem Land von Pizza und Pasta schlägt, der muss aufpassen, dass die eigene Pumpe nicht zu oft und lange im roten Bereich schlägt, derart groß und breit ist das Angebot für diese.

Vieles anders als bei uns

Das gilt neben Fahrzeugen im selben Maße für Ersatzteile. Wer in Bologna nicht das Gesuchte für seinen Italiener findet, wird sich schwertun, es überhaupt zu finden. Dagegen fristeten Teileangebote (und Fahrzeuge) selbst großer Hersteller wie VW, Ford, Opel und anderer ein Nischendasein in Bologna, bzw. waren spärlich gesät – was für deutsche Oldtimeraugen ungewohnt, aber kein wirklicher Nachteil ist. Auch die Modelle heimischer Oldtimer-Platzhirsche wie Mercedes-Benz und Porsche sah man keineswegs bzw. glücklicherweise nicht in den Massen wie hierzulande.

Dennoch zog es aber auch deutsche Ersatzteil- bzw. Servicedienstleister aus Germania auf das fünf Tage dauernde Oldtimerevent. So zeigten beispielsweise die beiden Nürnberger Unternehmen Koller & Schwemmer (Bosch Einspritzanlagen) und Bremsen Schöbel Kompetenz und Flagge vor Ort. Aus dem Land der begnadeten (Blech-) Handwerker boten hingegen Karosserie-, Lenkrad-, Kühler-, Kennzeichen(!) oder Rohrrahmen-Restaurierer auf der Auto e Moto d’Epoca an, sich über deren Möglichkeiten zu informieren bzw. Aufträge zu platzieren. Deutlich geringer als auf deutschen Messen hingegen fiel das Angebot in Sachen Werkzeuge bzw. Werkstattausrüstung aus. Offenbar lässt der italienische Oldtimerbesitzer eher schrauben, als dass er selber schraubt.

Ebenfalls ein Unterschied zu Deutschland und seinen Oldtimermessen: Während diese oftmals mit einer Vielzahl an Sonderschauen werben, die sich immer wieder als recht überschaubare und wenig ansprechend präsentierte Ansammlungen entpuppen, war das, was die Italiener im Rahmen ihrer Sonderschau 75 Jahre Formel 1 zeigten, echt beeindruckend. Sage und schreibe 30 originale Einsitzern, die noch nie zuvor gemeinsam gezeigt wurden, dokumentierten die lange Geschichte der Königsklasse im internationalen Rennsport. Mit bekannten sowie weniger bekannten Hinguckern wie einem AMG CLK GTR buhlten auch die Stände deutscher Oldtimertempel wie das Technikmuseum Sinsheim/Speyer und das Nationale Automuseum – The Loh Collection um Aufmerksamkeit. Dasselbe taten die italienischen. Interessant hier: Neben solchen für Marken wie BMW und Porsche gibt es jenseits der Alpen auch eine Interessensgemeinschaft für NSU.

Fast schon zu viel des Guten

Schier unendlich war das Angebot an Verkaufsfahrzeugen. Einen Großteil der Messe füllten im wahrsten Sinne des Wortes tausende Autos und auch einige Motorräder. Zahlreiche trugen am Samstagmorgen bereits die Aufschrift „Venduta“ (verkauft) – ebenfalls häufig zu lesen: „Super Prezzo“ (Super Preis) und „Supercondizione“ (Super Zustand). Ein Trend, der sich auch bei uns bereits immer deutlicher abzeichnet, war auch in Bologna nicht zu übersehen: Von Sportwagen und wenigen Ausnahmen abgesehen war das Angebot an Vor- und selbst frühen Nachkriegswagen gering bzw. geschrumpft. Dafür war die Auswahl an 80er-/90er-Jahre-Ware umso größer. Gerade das Sinnbild für günstige und praktische Mobilität aus Italien in dieser Zeit, den Fiat Panda, sah man an jeder Ecke. Ebenso groß, aber sozusagen am anderen Ende der Preisskala angesiedelt, war das Angebot an Lancia Deltas, allen voran in den begehrten Integrale-Versionen. Fast 220.000 Euro für einen solchen sind selbst in der begehrten „Martini Evoluzzione“ eine echte Ansage, zeigen aber auch, wohin die Reise für diverse junge Oldtimer hingeht bzw. wo sie bereits angekommen ist.

Ebenfalls groß, in Relation, war der Anteil junger Menschen auf der Messe. Das ist ein Stück weit erstaunlich. Zwar ist Italien ein „Motorland“, doch langt der Veranstalter in Sachen Eintritt durchaus zu. Samstag/Sonntag 27 Euro pro Tag, am Freitag 35 Euro bzw. 58 Euro am Donnerstag, dem ersten Messetag, sind gerade auch vor dem generell etwas niedrigeren Preisniveau in Italien kein Pappenstil. Selbst für 14- bis 17-Jährige werden 22 Euro fällig. Hinzu kommen weitere 24 Euro (!) für das Parken im Parkhaus. Aber klar, man bekommt für den Preis auch eine irre Menge geboten und unabhängig davon gilt: Einmal sollte man die Auto e Moto d’Epoca gesehen haben – auch wenn man nicht Herr Angelo heißt.

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