TÜV Mobility Studie Das Auto bleibt wichtig – Privilegien können aber weg

Von dpa 3 min Lesedauer

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Die Deutschen bleiben weiter dem Auto verbunden. Die absolute Fixierung darauf weicht allerdings zurück. Bei kontroversen Themen wie dem Dienstwagenprivileg und dem Tempolimit ermittelt eine repräsentative Studie Veränderungsbereitschaft.

Mobilität muss sein, gerne auch individuell. Allerdings sehen die Deutschen nicht mehr das reine Primat des Autoverkehrs – und ein Tempolimit wäre für die Mehrheit auch in Ordnung.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Mobilität muss sein, gerne auch individuell. Allerdings sehen die Deutschen nicht mehr das reine Primat des Autoverkehrs – und ein Tempolimit wäre für die Mehrheit auch in Ordnung.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Beim Thema Mobilität hält einer neuen Umfrage zufolge die Mehrheit (64 %) ein Umdenken für notwendig – doch aufs eigene Auto würde dafür letztlich nur die Minderheit (33 %) verzichten. Gleichzeitig nehmen die Menschen im Straßenverkehr inzwischen verstärkt die Nachteile der gegenwärtigen Situation wahr, wie aus der Umfrage des TÜV-Verbands hervorgeht, die dieser am Dienstag (4. Juni) vorgestellt hat.

Rund drei Viertel der Befragten gaben laut der TÜV Mobility Studie 2024 an, dass das Aggressionslevel im Straßenverkehr in den vergangenen fünf Jahren eher oder sogar stark zugenommen hat. Fast 60 Prozent halten die Aufteilung des Straßenraums für ungerecht und sehen vor allem Radfahrer (51 %) und Fußgänger (41 %) benachteiligt. Jeder Dritte (33 %) hält die Verteilung dagegen für gerecht und 9 Prozent sind unentschieden. Unter den Befragten empfand jeder Sechste (17 %) sogar die Autofahrer als benachteiligt.

Alternative Verkehrskonzepte wie in Paris, Kopenhagen oder Barcelona, die umweltfreundliche Verkehrsträger wie das Fahrrad oder den ÖPNV in den Mittelpunkt stellen, könnten sich die meisten Befragten auch für deutsche Metropolen vorstellen. Sie wünschen sich zudem auch einen stärker ausgebauten ÖPNV. Doch konkrete Maßnahmen, die in eine solche Richtung wirken könnten, lehnen die Befragten oft mehrheitlich ab.

Mehrheit für Tempolimit 130

Eine deutliche Mehrheit befürwortet noch die Abschaffung des Dienstwagenprivilegs (62 %), eine stärkere Förderung der E-Mobilität (61 %) und sogar ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen (61 %). Bei der Frage um die Einführung eines Tempo-30-Limits in Städten halten sich Befürworter und Gegner in etwa die Waage. Dagegen wird die Einrichtung von Umweltzonen, in denen keine Verbrenner mehr fahren dürfen, bereits knapp mehrheitlich abgelehnt (52 % dagegen), zusätzliche kostenpflichtige öffentliche Parkzonen lehnen 54 Prozent ab, eine City-Maut in Großstädten sehen 56 Prozent negativ.

Bei den Teilnehmern, die ein Auto besitzen, kann sich lediglich ein knappes Drittel den Umstieg auf andere Verkehrsmittel vorstellen. Generell ist das Auto nach wie vor das dominierende Verkehrsmittel. Mehr als zwei Drittel nutzen es im Alltag. 43 Prozent gehen zu Fuß, 32 Prozent fahren mit dem Rad.

Hartnäckige Vorbehalte gegen das E-Auto

Skepsis herrscht der Umfrage zufolge auch beim Thema Elektromobilität. Eine knappe Mehrheit hält es für eher oder sehr unwahrscheinlich, dass das nächste eigene Auto einen Batterie-Antrieb hat (51 %). Nur gut jeder Vierte zieht ein E-Auto ernsthaft in Erwägung (27 %). Die Anteile haben sich im Vergleich zu der gleichen Umfrage zwei Jahre zuvor nicht verändert. Als Grund für die Zurückhaltung werden an erster Stelle die zu hohen Anschaffungskosten genannt sowie Sorgen vor zu geringer Reichweite.

Viele zweifeln zudem an (44 %), dass E-Autos wirklich umweltfreundlicher sind, obwohl erst kürzlich das Umweltbundesamt erneut einen deutlichen Umweltvorteil für E-Autos über die gesamte Produktions- und Nutzungskette hinweg ermittelt hat. Sogar eine neue Hürde kommt hinzu: Fast jeder Fünfte (18 %) hat grundsätzliche Bedenken wegen der Sicherheit der Fahrzeuge. Vor zwei Jahren sahen erst 11 Prozent hier eine mögliche Gefahr.

Der TÜV fragte die Teilnehmer auch zum geplanten Verbrenner-Aus in der EU. Ab 2035 dürfen innerhalb der Europäischen Union keine neuen mit fossilem Diesel oder Benzin betankten Autos mehr zugelassen werden. 55 Prozent der Befragten lehnen diese Maßnahme der Umfrage zufolge ab.

Das Institut Ipsos hat im Auftrag des TÜV-Verbands zwischen dem 14. März und 3. April dieses Jahres rund 2.500 Menschen befragt. Die Fragen und Antwortmöglichkeiten im Wortlaut sind im Studienbericht einsehbar.

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