Die schwache Neuwagennachfrage ist kein deutsches Problem, sondern ein gesamteuropäisches Phänomen. Das Juni-Ergebnis hat den Gesamtmarkt nach unten gezogen – allerdings trifft die Kaufzurückhaltung die Hersteller unterschiedlich. Es gibt sogar Gewinner.
In Europa dreht der Neuwagenmarkt ins Minus, die Versunsicherung der Kunden steigt, Neuanschaffungen werden verzögert.
(Bild: Luis Viegas photography/Seat S.A.)
Es läuft nicht nur in Deutschland nicht mit dem Neuwagengeschäft, sondern in ganz Europa sind die Verkäufe unter Druck. Wie aus den Daten des Herstellerverbands Acea hervorgeht, sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in den 31 Ländern der EU, der Efta und in Großbritannien im ersten Halbjahr 2025 um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Laut Acea kamen 6.815.320 Neuwagen zur Zulassung. Allein die EU-Märkte betrachtet, gingen die Zulassungszahlen sogar um 1,9 Prozent auf 5,58 Millionen zurück (EU-27).
Ins Minus gezogen hat den Markt letztlich das Juni-Ergebnis. Im sechsten Monat des Jahres wurden 1,244 Millionen Fahrzeuge in den erfassten 31 Märkten neu zugelassen (Zahlen aus Russland, Belarus, Moldawien und der Ukraine und Kleinststaaten wie Liechtenstein fließen in die Acea-Statistik nicht ein). Das waren 5,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat – oder 67.300 Einheiten. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr fehlen dem Neuwagenmarkt insgesamt 64.000 Einheiten zum Vorjahresergebnis.
Der deutliche Rückgang im Juni, der in Deutschland besonders stark ausgeprägt war (-13,8 %), ist aus Sicht von Acea ein Hinweis „auf das schwierige globale Wirtschaftsumfeld für Automobilhersteller“. Deutlicher wird Constantin Gall, Leiter Mobility bei der Unternehmensberatung EY für die Region Westeuropa: „Die Nachfrage nach Neuwagen bleibt äußerst mau.“ Aus seiner Sicht herrscht bei Privat- wie Gewerbekunden eine große Verunsicherung in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. „Ein Wachstum ist in diesem Umfeld sehr schwierig – obwohl eigentlich hoher Ersatzbedarf besteht.“
Interesse an E-Autos wächst – aber unterschiedlich
Soweit Autos ersetzt werden, wächst das Interesse an Elektroautos weiter. Der Anteil der BEV an den Neuzulassungen stieg europaweit (31 Länder) von 13,9 auf 17,5 Prozent. Der PHEV-Anteil kletterte von 7,1 auf 8,9 Prozent. Immer mehr Neuwagen sind zudem Hybride (von 29,9 auf 35,0 %). Im Gegenzug sank der Anteil der reinen Benziner von 35,3 auf 27,9 Prozent. Der Diesel kommt nur noch auf einen Anteil von 8,2 Prozent.
Konkret kamen in den 31 betrachteten europäischen Ländern 1,19 Millionen BEV auf die Straßen – ein Plus von 24,9 Prozent. Die Plug-in-Hybride legten um 21,2 Prozent auf 591.500 Einheiten zu. Allerdings ist die BEV-Entwicklung unterschiedlich. Die größten Elektromärkte verzeichnen überwiegend weiteres Wachstum: Großbritannien (+34,6 %), Deutschland (+35,1 %), Belgien (+19,5 %) und die Niederlande (+6,1 %). Frankreich verzeichnete dagegen einen Rückgang um 6,4 Prozent. Starkes Wachstum gab es auch in Spanien (+83,9 %), wo unter anderem Seat/Cupra für die Elektrifizierung trommelt, und in Italien (+28 %). Sehr niedrig ist der Marktanteil von Elektroautos weiterhin in den ost- und südosteuropäischen Ländern.
Gewinner und Verlierer unter den Konzernen
Blickt man auf die Hersteller und Konzerngruppen, fällt insbesondere das Plus von SAIC Motor auf (+18,6 %). Andere chinesische Hersteller werden von Acea noch nicht einzeln ausgewiesen. Die Marktforschung Jato Dynamics berichtet allerdings von einem deutlichen Wachstum dieser Herstellergruppe: Demnach legte der Absatz chinesischer Hersteller in der EU und in Großbritannien um 91 Prozent auf 347.000 Neuwagen zu.
Zu den Gewinnern des ersten Halbjahres zählt auch die Renault Group (+5,4 %), dabei sogar getrieben von der Kernmarke (+8,4 %) sowie die BMW Group (+3,9 %) und der Volkswagen-Konzern (+2,3 %). Bemerkenswert ist an den Konzernzahlen, dass die erfolgsverwöhnte Marke Cupra 4,7 Prozent des Absatzes verlor, Seat sogar ein Viertel.
Die Acea-Statistik liefert zudem eine Ursache für die schlechten Bilanzzahlen des Stellantis-Konzerns. Das Markenkonglomerat verlor 9,1 Prozent der Verkäufe im Vergleich zum 1. Halbjahr 2024. Für Volvo ging es 12,7 Prozent in den Keller – das Fabrikat hatte jüngst auch Sparmaßnahmen verkündet. Schlusslicht in der Verkaufsentwicklung ist Tesla. Das US-Fabrikat büßte europaweit ein Drittel seiner Verkäufe ein. Vor allem in den Nicht-EU-Staaten hat das Fabrikat schwer zu kämpfen.
In der zweiten Jahreshälfte wird sich die Situation nicht deutlich verbessern. „Es spricht wenig für eine Verbesserung der Lage auf dem europäischen Neuwagenmarkt“, sagt Gall. Wachstumsimpulse könnten sich zum einen aus einer Belebung der Konjunktur ergeben, die bislang allerdings höchstens in Ansätzen zu sehen ist, und zum anderen aus staatlichen Eingriffen, etwa Kaufprämien für Elektroautos.
Stand: 08.12.2025
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