Der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) hält nichts davon, dass die Allianz das Thema Gebrauchtteile bei der Unfallreparatur forciert. Derzeit blieben zu viele Fragen offen und das die Gebrauchteile der Nachhaltigkeit dienen sei auch nicht geklärt. Wir sprachen mit dem ZKF-Präsidenten Arndt Hürter.
Der Kölner K&L-Unternehmer Arndt Hürter ist der amtierende ZKF-Präsident.
(Bild: ZKF)
Wenn bei der Unfallreparatur von Kraftfahrzeugen künftig vermehrt gebrauchte und recycelte Ersatzteile eingesetzt würden, könnten die anstehenden Erhöhungen der Kfz-Versicherungsprämien für die Versicherten geringer ausfallen. Darüber hinaus könnten recycelte Ersatzteile laut dem Versicherungskonzern Allianz dazu beitragen, die durch Unfallreparaturen verursachten Treibhausgasemissionen zu reduzieren – das ging aus der kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung der Allianz Versicherungs AG hervor. Der Versicherer will daher den Gebrauchtwagen-Teilemarkt für drei bis acht Jahre alte Fahrzeuge in Deutschland weiter ankurbeln. Bei entsprechender Verfügbarkeit von Ersatzteilen ließen sich nach Angaben des Versicherers in Deutschland pro Jahr bis zu 420.000 Tonnen CO2 einsparen. Wie hoch das finanzielle Einsparpotenzial ausfällt, teilte die Allianz nicht mit.
ZKF-Präsident Arndt Hürter hält wenig bis gar nichts von den Plänen des Versicherungskonzerns. Er zeigte im Gespräch mit Fahrzeug+Karosserie Verständnis dafür, dass Versicherer die teilweise „unverschämten Preissteigerungen auf OE-Teile nicht einfach hinnehmen wollen.“ Allerdings sei der Weg, dem über Gebrauchtteile zu begegnen nicht der Richtige. Viel wichtiger sei es, dass Thema Designschutz auf sichtbare Teile endgültig und deutlich schneller aus der Welt zu schaffen. So würden die OEMs viel mehr unter Druck gesetzt und könnten die Preise nicht mehr willkürlich erhöhen.
Wer übernimmt die Garantie?
Ein großes Problem sieht der ZKF-Präsident bei Gebrauchtteilen beispielsweise beim Thema Garantie. „Wer übernimmt die Garantie, wenn sich nach ein oder zwei Jahren herausstellt, dass der Einsatz des Gebrauchtteils doch nicht so eine gute Idee war“, gab Hürter gegenüber der Fahrzeug+Karosserie zu Bedenken. Sein Einwand ist durchaus nachvollziehbar. Denn niemand weiß, wie das gebrauchte Teil in seinem bisherigen Teileleben behandelt wurde.
Das betreffe beispielsweise nicht fach- und sachgerechte Lackierungen, zu dick aufgetragene Spachtelmasse und so weiter. Zwar sei der Lackierbetrieb dafür verantwortlich, eine lackierfähige Oberfläche zu schaffen, aber dies sei ohne detaillierte Kenntnis bisheriger Reparaturen fast nicht möglich, beschrieb Hürter. Dazu komme, dass vom Fahrzeughersteller vorgegebene Schichtdicken mit gebrauchten Teilen so gut wie gar nicht einzuhalten seien. Das könnte sich bei Leasingrücknahmen negativ auswirken, da für Leasingrücknahmen eingesetzte Gutachter zu hohe Schichtdicken regelmäßig als minderwertige Reparatur bezeichnen.
„Erschwerend kommt noch hinzu, dass eine (weitere) Reparaturlackierung an Stossfänger-Verkleidungen, im Bereich von verbauten Sensoren aufgrund der dadurch entstehenden zu hohen Dämpfung, nicht zulässig ist", ergänzt Hürter. Die Folge daraus sein eine eingeschränkte bis fehlende Funktionalität der Assistenzsysteme.
Darüber hinaus müsse man davon ausgehen, dass gebrauchte Teile auch gewisse Gebrauchsspuren aufwiesen, beispielsweise durch Steinschläge. „Diese Teile müssen nun vom Lackierer so lackiert werden, als ob es ein Neuteil wäre. Da sehe ich ein Riesenproblem in der Umsetzung. Die Diskussion mit dem Kunden, wenn der Lack nachher abfällt, wenn der Kunde das erste Mal in die Waschanlage gefahren ist, müssen die Betriebe führen. Und die werden dann unverschuldet in ein schlechtes Licht gesetzt“, führt Hürter aus.
Ein weiterer ungeklärter Punkt seien die Montagekosten, beispielsweise bei einer Tür. Der vom Versicherer ins Feld geführte Vorteil, dass im Reparaturfall eine schon bestückte Tür zum Betrieb geliefert würde, existiere de Facto nicht. Denn die gebrauchten Türen müssten lackiert und dafür demontiert werden. Das heißt an dieser Stelle relativiert sich der Kostenvorteil. Es müsse vereinzelt mit einem doppelten Montageaufwand kalkuliert werden, der nicht plausibel erklärbar sei, führte Hürter aus. Nicht zuletzt rechnet der ZKF-Präsident mit einem erhöhten Aufklärungsaufwand beim Kunden. Diesem müsse erläutert werden, warum nun ein gebrauchtes Teil verbaut würde – auch das wird nach Hürters Ansicht an der Werkstatt hängen bleiben.
Stand: 08.12.2025
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Nachhaltigkeit ist zweifelhaft
Auch das Argument Nachhaltigkeit sei nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Im ZKF vertrete man vehement die Ansicht, dass es besser sei, Teile zu reparieren als diese zu erneuern. Die Karosserie- und Lackbetriebe seien dazu in der Regel imstande und würden das Thema „I statt E“ leben. Nicht einmal bei einem defekten Scheinwerfer sei das Gebrauchtteilethema ohne Weiteres durchzuführen. „Moderne Scheinwerfersysteme sind mit dem Fahrzeug verheiratet. Beim neuen Scheinwerfer ist das kein Problem, der kann angelernt werden“, erklärt Hürter. Gebrauchte Scheinwerfer seien aber mit einer anderen Fahrgestellnummer „verheiratet“, das heißt, sie werden vom zu reparierenden Fahrzeug nicht akzeptiert, weil im Scheinwerfer die ursprüngliche Fahrgestellnummer eingebrannt sei.
Und schließlich sei auch die Logistik bei Gebrauchtteilen ein großes Problem. „Ich stelle mir die Frage, wie diese Teile geordnet in den Reparaturbetrieb kommen sollen“, sagt Hürter. Es sei nicht so, dass die Verbände grundsätzlich dagegen wären, dass sich in Richtung Nachhaltigkeit etwas bewege, wenn dies mit sinnvollen Konzepten verbunden sei. „Da sind wir uns, glaube ich, alle einig und da wird auch niemand irgendetwas dagegen sagen. Fakt ist aber, dass die offenen Fragen geklärt und das Ganze auch umsetzbar ist“, resümiert Hürter.
Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2025
Was bedeutet Nachhaltigkeit im K&L Betrieb? Bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen am 21./22. März 2025 werden die wichtigsten Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Reparatur und im betrieblichen Umfeld aufgegriffen, mögliche Risiken gegenüber gestellt und die Außenwirkung sowie Chancen beim Recruiting und der Kundengewinnung betrachtet.