Thomas Aukamm ist als Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) nah an den Mitgliedsunternehmen. Für 2025 sieht er viele Herausforderungen bei Themen wie Gebrauchtteile, Fachkräftemangel und Design- und Markenschutz. Aber im Gespräch nennt er auch Chancen für Betriebe, die sich zukunftsfähig aufstellen.
Thomas Aukamm blickt als Hauptgeschäftsführer des ZKF auf ein herausforderndes Jahr 2025.
(Bild: Klasing)
Was möchten Sie den ZKF-Betrieben für das Jahr 2025 mitgeben, das wahrscheinlich wieder herausfordernd wird?
Absolut. Die aktuelle Zeit verlangt ein Umdenken in den Betrieben. Auch die Versicherer müssen umdenken. Getrieben durch die Beitragssteigerungen und die Kostenexplosionen treffen sie Entscheidungen, die auch Auswirkungen auf unsere Betriebe haben. Ein wesentliches Thema ist dabei das der Gebrauchtteile, welches momentan auch sehr stark in der Presse vorangetrieben wird.
Das Jahr 2025 ist noch jung und die Diskussion um Gebrauchtteile wurde schon mit Forderungen des ZKF belebt. Was sind hier Ihre Erwartungen?
Wir hatten hierzu mit einem Versicherer nun auch schon ein Gespräch und sind die Forderungen unseres 8-Punkte-Plans gemeinsam durchgegangen. Hierbei wurde deutlich, dass auch die Versicherung mit uns zusammenarbeiten möchte und noch einiges zu tun ist, bevor das Thema wirklich starten kann. Auch korrigierte man in dem Gespräch einige Informationen, die vorher in der Presse anders dargestellt waren. Dies betraf etwa vermeintliche Werkstätten, die angeblich schon Gebrauchtteile verbauen. Die sind zwar an das Netzwerk des Versicherers angebunden und könnten, wenn sie denn wollten, auf Gebrauchtteile zurückgreifen. Aber das ist natürlich eine ganz andere Aussage als die, dass das schon von dem gesamten Partnernetz erfolgreich praktiziert wird.
Aber trotzdem werden die grundsätzlichen Probleme bei den Gebrauchtteilen so schnell nicht gelöst werden?
Die Vorstellungen sind von der Realität einfach sehr weit weg. Und es gibt viele Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor ein solcher Gedanke wirklich sinnvoll gelebt werden kann. Daran werden wir auch gemeinsam mit den Versicherern arbeiten. Die Frage wird sein, ob das wirklich die Versicherer zufriedenstellen wird. Denn neben der Nachhaltigkeit zielen sie sicher auch auf die vermeintlich vorhandene Kostenersparnis. Dabei dominiert die Vorstellung, dass gebraucht immer günstiger als neu ist.
Dem ist nicht so?
Nein, nicht unbedingt. Denn Handwerksbetriebe müssen diese Gebrauchtteile erst auf die Basis „neutral“ bringen, um sie einer Reparatur mit einem Neuteil gleichzustellen. Wenn ich eine Tür in der gleichen Farbe bekomme, bedeutet das nicht, dass ich diese auch gleich so einbauen kann. Da sind so viele Faktoren, wie der Farbton oder die Innenausstattung, die die Möglichkeit zur 1:1-Verwendung einschränken. So ein Teil muss abgerüstet werden, d. h. die Verkleidung und die Griffe kommen raus, der Spiegel muss ab, die Scheibe wird ausgebaut, Leisten werden entfernt, und dann muss eine Farbtonanpassung auf das Fahrzeug hin erfolgen, damit das Auto nicht wie ein Harlekin in unterschiedlichen Farbtönen umherfährt. Dann muss auch die Frage der Gewährleistung geklärt sein. Wer übernimmt die Haftung für das Teil?
Und dann ist da noch der Punkt der Stundensätze. Diese sind vor im gesteuerten Schaden, in dem die Gebrauchtteile vermutlich verwendet werden sollen, niedriger. Die Stundensätze können hier derzeit aber nur deshalb so niedrig sein, weil eine Quersubvention über die Marge der Neuteile stattfindet. Das heißt, der Betrieb hat eine gewisse Marge am Neuteil und kompensiert damit den niedrigen vereinbarten Stundensatz. Das ist in unserem Bereich noch relativ bescheiden. In anderen handwerklichen Gewerken sind die Margen an neuen Ersatzteilen deutlich höher. Im Fall eines Gebrauchtteils muss die Marge also entsprechend passend sein, damit zu dem Stundensatz noch profitabel gearbeitet werden kann. Das ist eine Forderung, bei der die Versicherer nicht zufrieden sein werden. Zusätzlich kommt noch die unklare Beschaffungslogistik des Gebrauchtteils. Wenn ich ein Bauteil z. B. aus Südspanien oder Portugal holen muss, hinterlässt das durch den Transport auch einen CO2-Fußabdruck, der die vermeintliche Nachhaltigkeit des Gebrauchtteils egalisiert.
Wo sehen Sie weitere Herausforderungen für die Handwerksbetriebe?
Den Betrieben fehlen Fachleute. Viele limitieren deshalb schon ihr Volumen und damit den möglichen Umsatz. Aber es ist ein strukturelles und ein demografisches Problem, das sich nicht unbedingt, wie von der Politik oft propagiert, durch Zuwanderung regeln lassen wird. Unser Beruf hat eine anspruchsvolle Ausbildung. Um den Beruf des Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikers zu erlernen, braucht es dreieinhalb Jahre. Hier sind auch mathematische und physikalische Kenntnisse erforderlich, die nicht jeder mitbringt.
Aber vielleicht kommen ja nun Bewerber aus der schwächelnden Industrie?
Dieser Switch wäre logisch. Allerdings hat die Industrie die Gehaltsstrukturen ad absurdum geführt. Sie verdienen in einem Industriebetrieb deutlich mehr. Und über die Möglichkeit des Schichtdienstes etc. haben wir dort Gehälter von 4.000 Euro aufwärts. Mit Schichtdienstmöglichkeiten und Zulagen kann es bis zu 8.000 Euro für jemanden geben, der am Band eine nicht so qualifizierte Tätigkeit bzw. eine Monotontätigkeit durchführt. Auch werden politisch die falschen Anreize gesetzt. Daher hoffe ich, dass sich steuer- und sozialversicherungspflichtige Arbeit für den angestellten Mitarbeiter bald wieder lohnt. Auch wird die Inflation in den nächsten Jahren hoch bleiben. Das heißt, die Betriebe werden nach wie vor mit einer ständigen Kostensteigerung konfrontiert sein. Sie müssen deshalb ihren Stundensatz genau im Auge haben, um ihre eigene Kostensituation abdecken zu können. Und sie müssen auch das Umfeld ihrer Mitarbeiter im Auge haben. Denn wenn hier ein Betrieb nicht mit der Inflation mitzieht, geht er die Gefahr ein, dass die Mitarbeiter sich im Wettbewerb eine Alternative suchen.
Stand: 08.12.2025
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