Auf der Design Week in Mailand hatte Kia mit seinem kommenden Transporter PV5 ein für diese Veranstaltung eher ungewöhnliches Fahrzeug dabei. Doch neue Möglichkeiten können auch ein automobiles Arbeitstier zum Designerstück machen.
Auf der weltgrößten Messe für Design im schicken Mailand zeigte Kia unter anderem eine Campingversion des Elektro-Transporters PV5.
(Bild: sp-x)
Mal ehrlich: Wer kennt schon die Menschen, die einem Opel Vivaro, Mercedes Sprinter oder VW-Bus ihre Form gegeben haben? Selbst Jochen Paesen ist da überfragt. Und der ist schließlich seit Jahrzehnten als Designer in der Autobranche unterwegs. „Die Gestalter solcher Fahrzeuge waren sicher nicht immer zu beneiden; Da sind die Vorgaben tradionell ja rigoros“.
Die genannten Fahrzeuge sind eben klassische Kastenwagen – und der Name ist oft schon auf den ersten Blick Programm: quadratisch, praktisch, Blech. Und das bedeutet: Die Euro-Palette ist das Maß aller Dinge, das Drumherum ist meist eher mehr als weniger billig. Kernzielgruppen wie Handwerker, Paketboten oder Spediteure wollen ja vor allem viel Lastesel für wenig Geld. Das Design-Ergebnis solcher Auto-Kreationen ist darum eher nicht das typische Ausstellungsstück auf der weltgrößten Messe für Design im schicken Mailand.
Doch genau hier zeigt Paesen eine seiner neuesten Arbeiten: eine Campingversion des Elektro-Transporters PV5. Denn dieses Fahrzeug ist sein Lieblingsbeispiel für die neuen Möglichkeiten der Stromer-Welt. Der frisch ernannte Chef für Future-Design bei der koreanischen Marke findet, dass gerade die rollenden Quader besonders viel Platz für kreative Zukunftsideen bieten. Der klassische Grundaufbau erlaubt schließlich konsequent, alle Vorteile des E-Antriebes auszuspielen. Und ein „Flexible Body System“ in der Fertigung erlaubt die modulare Montage von Karosseriekomponenten, ähnlich wie beim Zusammensetzen eines Puzzles. Ein eigenes Umrüstzentrum soll die Produktion besonderer Kundenwünsche jenseits der üblichen Transportervarianten ermöglichen.
Beim wichtigsten Showcar Kias auf der Mailänder Messe ist das überdeutlich zu erfahren: der PV5 „WKNDR“, kurz für Wochenendausflug, ist Außen und Innen mit allem bestückt, was die elektrische Plattform für den Designer eines geländetauglichen Campmobils ermöglicht. Der militärisch-grüne Wagen hat fast gar keinen vorderen Überhang und bietet auf den rund 4,7 Metern Länge das maximale Platzangebot. Genau genommen sogar noch mehr als nur dort: „Wir können das Dach aufstellen und haben dort über dem Schlafplatz eine große Photovoltaik-Fläche eingebaut“, so Paesen. Auch auf der Fahrerseite kann ein Modul ausgefahren werden, das eine Außenküche mit Induktionsherdplatten beinhaltet. Gleich daneben sitzt ein Solargenerator, der die Bordelektrik beim Picknick in den Dünen versorgen kann.
Flacher Akku für barrierearmen Zugang
Ins Innere gelangen die Passagiere über die weitaufschwingenden Hecktüren oder eine breit öffnende Schiebetür auf der Beifahrerseite. Der Zugang ist besonders niedrig, weil die Cell-to-pack-Akkus im Boden extrem flach sind. „Das ist eben das klassische Skateboard-Design mit einem ebenen Boden über die gesamte Fahrzeugfläche“, so Paesen. Seine Teams konnten sich in diesem Raum so richtig austoben: Auf geschwungenen Schienen im Boden kann der Camper seinen Beifahrersitz zurückgleiten lassen und in einen Tisch verwandeln. Den freiwerdenden Platz vorn links nimmt dann eine Klapp-Liege ein, vor die sich ein Bildschirm platzieren lässt – falls der freie Blick auf den Sonnenuntergang nicht langt. Und eine Vielzahl an Camping-Gerät lässt sich nahtlos auf Schienen an den Wänden verstauen: Tische, Stühle, Solarleuchten, Schaufeln, Kleiderstangen, alles im Abenteuer-Look der Kia-Designer. Das Auge campt mit – zumindest bei den Kia-Ästheten.
Einfälle wie das abklappbare Lenkrad oder die Seilwinde mit Digitalanzeige für die Zugkraft haben erst mal wenig Chancen auf den Serieneinsatz im PV5. Aber der WKNDR ist kein Wolkenkuckucksheim. Das zeigt der Blick in den danebenstehenden Serien-Transporter. Dort nutzen die Designer nämlich bereits besagte Schienen in den Innenwänden, um Handwerkszeug zu befestigen. Auch der extra niedrige Einstieg bei fast drei Metern Radstand ermöglicht hohe Raumeffizienz. Und nicht zuletzt kann der PV5 schon ab Werk in besonders vielen Ausführungen bestellt werden, weil der Innenraum grundsätzlich rundum glattflächig ist.
Stand: 08.12.2025
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EV2: Klein, aber wandelbar
Im Designteam sind bereits mehrere Dutzend Entwürfe gebaut worden – von Pickups über Behinderten-Ausführungen bis zu rollenden Büros oder Werkstätten. Und zeitgleich zur Mailänder Messe hat der koreanische Elektro-Gigant LG zusammen mit Kia bereits zwei Varianten präsentiert, die ziemlich ähnlich schon 2026 produziert werden: Ein PV5 soll Freiberuflern maximale Arbeitsfläche und Stauraum bieten und ist mit KI-gesteuerten Haushaltsgeräten zur Kleiderpflege, intelligenten digitalen Spiegeln und Kaffeemaschine ausgestattet. Das andere ist sozusagen ein WKNDR-light und beinhaltet Lichtwellenöfen oder Weinkühlschränke für den stilvollen Outdoor-Ausflug. Über spezielle Panele lassen sich zudem die Wände je nach Vorlieben des Benutzers gestalten. Klick-klack und schöner wohnt sich´s …
Ein paar Nummern kleiner zeigt Paesen übrigens in Mailand auch, was die schlauen Plattformen ermöglichen, für die Kia eine eigene Fabrik in der Heimat aufgebaut hat: Im Konzept für den kommenden Kleinwagen EV2 bieten die gegenläufig aufschwingenden Türen ebenfalls den Blick in einen maximal aufgeräumten Innenraum. „Über Schienen im Boden können Sie auch hier die Vordersitze verschieben“, so Paesen. Die Sitzfläche der Rückbank lässt sich zudem ähnlich wie beim Honda Jazz hochklappen, um etwa ein Mountain-Bike zu verstauen. Alles modular und prinzipiell nach Kundenwunsch konfigurierbar. Der Pizzabote braucht eben nur den Fahrerplatz – vielleicht aber eine große Wärmebox für die knusprigen Teiglinge.
Nur leider dürfte im Serien-EV2 der supermodulare Ansatz denn doch nicht so kommen wie im Konzept. Die Umrüst-Vorkehrungen sind schlicht für ein kostengünstiges Auto zu hoch. „Außerdem bauen viele Käufer solcher Kleinwagen ihr Auto lieber selbst um, damit sie es später wieder zurückbauen und leichter verkaufen können“, sagt der Designer. Es ist eben nicht alles eine Geschmacksfrage. Schade eigentlich.