Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2025 (WKST) Unfallschadenreparatur mit gebrauchten Ersatzteilen

Von Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz 4 min Lesedauer

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Unter dem Mäntelchen der nachhaltigen Reparatur will der Münchner Versicherungskonzern Allianz den Einsatz von Gebrauchten Ersatzteilen forcieren. ist das wirklich Nachhaltig oder eher doch Greenwashing? Die WKST gehen den offenen Fragen in diesem Thema nach.

Auch in diesem Jahr wird es wieder Live-Reparaturen bei den WKST geben.(Bild:  Stefan Bausewein)
Auch in diesem Jahr wird es wieder Live-Reparaturen bei den WKST geben.
(Bild: Stefan Bausewein)

Die Ankündigung der Allianz, künftig bei der Unfallreparatur auch gebrauchte Ersatzteile einsetzen zu wollen, führte in der K&L-Branche zu konträren Diskussionen. Die Allianz will dadurch die CO

-Emissionen bei der Unfallinstandsetzung senken. Zudem reagiert der Versicherungskonzern damit auf die explodierenden Kosten in der Unfallreparatur, die zu einem Großteil auf exorbitante Preissteigerungen bei Ersatzteilen zurückzuführen sind. Beide Argumente sind in der Branche höchst umstritten. Der Versicherer will den Gebrauchtteilemarkt für drei bis acht Jahre alte Fahrzeuge in Deutschland ankurbeln. Bei entsprechender Verfügbarkeit von Ersatzteilen ließen sich hierzulande pro Jahr bis zu 420.000 Tonnen CO2 einsparen, so die Versicherung. Sie hat das mithilfe des Allianz Zentrums für Technik (AZT) in Studien untersucht. Das Ergebnis der Studien ist wenig überraschend: Natürlich verursacht es mehr CO2-Emissionen, ein Neuteil herzustellen, als ein bereits vorhandenes Gebrauchtteil zu verwenden. Allerdings sind Fragen zur Logistik – wo kommt das gebrauchte Teil her? – sowie zum Mehraufwand in der Werkstatt derzeit noch ungeklärt. Denn auch hier gilt: Je mehr Energie die Werkstatt in die Behandlung des gebrauchten Ersatzteils investieren muss, desto schlechter steht es am Ende um die CO2-Bilanz. Ob sich die Reparatur mit dem Gebrauchtteil kostenmäßig stark niederschlägt, darf zudem angezweifelt werden. Denn auch diese Teile haben ihren Preis und erfordern zudem einen höheren Reparaturaufwand, allein schon wegen des Lacks, der zunächst entfernt werden muss. Dazu kommt, dass die Werkstatt den Lieferzustand des Teiles nicht kennt. Ist beispielsweise die Tür noch bestückt, müssen also An- und Einbauteile erst demontiert werden? Wie geht man mit dem gebrauchten hochwertigen Scheinwerfer um, der eventuell am zu reparierenden Fahrzeug nicht angelernt werden kann? Und was passiert in Sachen Garantie – wer übernimmt diese für gebrauchte Teile? Es gibt bei diesem Thema noch viele weitere ungeklärte Punkte.

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2025

Würzburger Karosserie- und Schadenstage

Was bedeutet Nachhaltigkeit im K&L Betrieb? Bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen am 21./22. März 2025 werden die wichtigsten Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Reparatur und im betrieblichen Umfeld aufgegriffen, mögliche Risiken gegenüber gestellt und die Außenwirkung sowie Chancen beim Recruiting und der Kundengewinnung betrachtet.

Rechtliche Betrachtung

Neben der technischen und kostenmäßigen Sicht auf das Thema spielt auch die rechtliche Seite eine wichtige Rolle: Was wird dem Geschädigten geschuldet? Muss er akzeptieren, dass sein Fahrzeug mit gebrauchten Teilen repariert wird? Auch darauf gehen die WKST ein – und zwar höchstrichterlich. Dr. Oliver Klein, Richter am BGH, sagt beispielsweise: „Die 130-Prozent-Klausel beim Kfz-Unfallschaden ist die große Anomalie des deutschen Schadensersatzrechts. Nirgendwo sonst erhält der Geschädigte mehr als 100 Prozent des ihm entstandenen Schadens ersetzt.“ Warum ist das so? Was sind die Voraussetzungen und wo liegen die Grenzen? Lässt sich der Anwendungsbereich der 130-Prozent-Klausel durch den Einsatz von Gebrauchtteilen vergrößern? Und welche Risiken und Nachteile entstehen dabei für den Geschädigten? – Diesen Fragestellungen wird der BGH-Richter in seinem Vortrag während der WKST nachgehen. Bleibt die Frage: Was ist dem Geschädigten tatsächlich geschuldet – also hat er den Anspruch auf den Verbau eines Neuteils? Stellt der Verbau eines Neuteils bei einem fünf Jahre alten Fahrzeug eine Wertsteigerung dar? Fragen dieser Art wird die Kanzlei Voigt Rechtsanwälte aufgreifen. Bisher hat man sich darüber verhältnismäßig wenig Gedanken gemacht – vielleicht auch deshalb, weil es schlicht an Alternativen zum Neuteil fehlte. Aber das ändert sich gerade. Längst ist es nicht mehr die Allianz alleine, die sich über den Einsatz von gebrauchten Ersatzteilen Gedanken macht. Die sogenannten Austauschteile wie Anlasser, Motor, Getriebe, Generator gibt es von nahezu allen Fahrzeugherstellern. BMW geht nun den nächsten Schritt und will aktiv auch gebrauchte Karosserieteile vermarkten. Wie der OEM das macht und welche Logistikkette dahinter steckt zeigen die WKST am 21. und 22. März im Vogel Convention Center in Würzburg. Darüber hinaus diskutieren die Moderatoren der Veranstaltung, Timm Diesbach (Voigt) und Konrad Wenz (»F+K«) mit Branchenvertretern über deren Erfahrungen mit Gebrauchtteilen bei der Unfallinstandsetzung. Letztlich heißt eine Alternative zum Teileersatz natürlich Reparatur. Dies ist sicherlich die Reparaturmethode, die am wenigsten CO2-Emissionen verursacht. Auch damit beschäftigen sich die WKST. Erleben Sie live, was dabei rauskommt, wenn ein Schaden mittels Gebraucht- beziehungsweise Neuteil oder durch eine handwerklich anspruchsvolle Reparatur instand gesetzt wird. Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage veranstalten die Fachmedien »kfz-betrieb« und »Fahrzeug+Karosserie« in Kooperation mit Voigt Rechtsanwälte und dem ZKF. Unterstützt wird das Event von den Sponsoren Carbon, Dekra, Fix Auto und Nexa Autocolor sowie den Businesspartnern AZO, BASF Coatings, Bosch, GT Motive, Heni, PDR.Cloud, Innovation Group und Riparo sowie vielen weiteren Ausstellern. Anmeldung: www.karosserie-schadenstage.de

 (we)

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