Lamborghini Vollbremsung für Elektrosportwagen

Von Malika Matkarimova 3 min Lesedauer

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Der Lanzador sollte 2028 Lamborghini ins Elektrozeitalter führen. Doch wegen fehlender Nachfrage, hohen Entwicklungskosten und zu wenig Emotionen ziehen die Italiener nun den Stecker. Lamborghini-Chef Stefan Winkelmann skizziert die weitere Zukunft der Marke.

2023 hat Lamborghini das Konzeptfahrzeug Lanzador vorgestellt, dessen Serienpendant für 2028 in Aussicht gestellt wurde.(Bild:  Lamborghini)
2023 hat Lamborghini das Konzeptfahrzeug Lanzador vorgestellt, dessen Serienpendant für 2028 in Aussicht gestellt wurde.
(Bild: Lamborghini)

Lamborghini zieht die Reißleine beim reinen Elektroantrieb. Wie Konzernchef Stephan Winkelmann im Interview mit „The Sunday Times“ erklärt, wird der für 2028 geplante Elektro-Supersportwagen Lanzador nicht realisiert. Stattdessen setzt der italienische Sportwagenhersteller für die „absehbare Zukunft“ auf Plug-in-Hybride.

Zur Begründung verweist Winkelmann auf die schwache Elektro-Nachfrage im Luxussegment. Die Akzeptanz rein batterieelektrischer Sportwagen liege bei Lamborghini-Kunden „nahe null“. Zudem fehle E-Autos aktuell die emotionale Komponente, die Käufer mit der Marke verbinden, beispielsweise Sound, Feedback und das Fahrgefühl des Verbrenners.

Wie aus dem Interview hervorgeht, fiel Winkelmann die Entscheidung nicht leicht. Seit Anfang 2025 habe er mit der Streichung des Lanzador, dem vierten EV-Projekt des Unternehmens, gerungen. „Die Entscheidung wurde nach über einem Jahr kontinuierlicher interner Diskussionen getroffen, unter Einbeziehung von Kunden, Händlern, Marktanalysen und globalen Daten“, sagte Winkelmann.

Diese Einschätzung erfolgt vor dem Hintergrund massiver Verluste in der gesamten Automobilindustrie. Beispielsweise verkündete Stellantis eine Abschreibung von 26 Milliarden Dollar (22 Milliarden Euro), um einige vollelektrische Modelle zu streichen. Im Januar meldete General Motors einen Verlust von 6 Milliarden Dollar aus seinem EV-Programm, und im Dezember nahm Ford eine Abschreibung von fast 20 Milliarden Dollar vor und strich den vollelektrischen Pick-up-Truck F-150 Lightning.

Für Luxusfahrzeuge gelten andere Marktregeln

Für Lamborghini als kleineren Hersteller wären solche Fehlinvestitionen besonders gefährlich. Zumal im Luxusmarkt eine weitere Besonderheit gilt: „Den Kauf eines Luxusautos abzubrechen, ist einfach, weil es nichts ist, was man unbedingt kaufen muss“, erklärte Winkelmann. Seine Begründung ist deutlich: „Massiv in die Entwicklung reiner Elektrofahrzeuge zu investieren, wenn Markt und Kundenstamm nicht bereit sind, wäre ein teures Hobby und finanziell unverantwortlich gegenüber Aktionären, Kunden und unseren Mitarbeitern und deren Familien“, betonte Winkelmann im Interview.

Bis 2030 soll das gesamte Lamborghini-Portfolio auf PHEV-Antriebe umgestellt sein. Die aktuelle Modellpalette – der Urus (SUV), der Temerario (Sportwagen) und der Supersportwagen Revuelto – wird komplett mit Plug-in-Hybriden angetrieben. „Plug-in-Hybride bieten das Beste aus beiden Welten und kombinieren die Agilität und den Drehmomentschub im niedrigen Drehzahlbereich der elektrischen Batterietechnologie mit der Emotion und Leistungsabgabe eines Verbrennungsmotors“, erklärte Winkelmann. Verbrennungsmotoren will Lamborghini „so lange wie möglich“ weiterbauen.

Ein wesentlicher Grund für diese Absage: Der 2017 eingeführte Urus macht nach Angaben etwa 60 Prozent aller Auslieferungen aus und sei damit das mit Abstand wichtigste Modell für das Unternehmen. Kundenfeedback hatte jedoch gezeigt, dass eine elektrische Version nicht beliebt wäre. „Wir konnten es nicht riskieren“, so Winkelmann. Die Supersportwagen seien zwar ein „sehr kleines Segment“ mit höheren Margen, doch sei klar: „Das Urus-Segment ist größer und stabiler.“

Elektro-Lambo ist künftig möglich

Auf die Frage, ob es jemals einen Lamborghini EV geben werde, antwortete Winkelmann: „Sag niemals nie, aber nur wenn die Zeit reif ist. Für die absehbare Zukunft nur PHEVs. Wir werden die Elektrifizierung weiter vorantreiben, weil wir auch bereit sein müssen.“ Die Zeiten seien schnelllebig. Wer nicht schnell reagiere, riskiere aus dem Geschäft zu fliegen oder an Schwung zu verlieren. „Daher brauchen wir eine solide finanzielle Basis, um in die Zukunft zu reinvestieren“, betonte der CEO.

Als Kleinserienhersteller verfügt Lamborghini über Ausnahmeregelungen von den britischen und EU-Emissionszielen bis 2035. Laut Sunday Times betreibt das Unternehmen aktive Lobbyarbeit, um diese zu erneuern, und argumentiert mit vernachlässigbaren Umweltauswirkungen aufgrund niedriger Stückzahlen und geringer Fahrleistungen – weniger als 2.000 Kilometer pro Jahr bei den Supersportwagen und etwa 16.000 Kilometer beim Urus.

Winkelmann warnte jedoch vor regulatorischen Risiken: „Wir haben als Automobilindustrie eine große Aufgabe. Alle sprechen über 2035, aber es gibt ein wichtiges Datum, das sehr gefährlich ist, wegen der Emissionen. Neue Autos müssen bis zum Jahr 2030 eine 55-prozentige CO2-Reduktion erreichen. Und das ist etwas, das meiner Meinung nach heute nicht klar genug ist.“

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Mit Material von sp-x

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