30 Jahre Mercedes Sprinter Vom Arbeitstier zum Digital-Pionier

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Vor 30 Jahren rollte der erste Mercedes Sprinter auf die Straße – schnell, vielseitig und wegweisend. Heute steht der Klassiker vor seinem nächsten großen Technologiesprung.

Die Deutsche Post zählt zu den Großabnehmern des Sprinters.(Bild:  Mercedes-Benz)
Die Deutsche Post zählt zu den Großabnehmern des Sprinters.
(Bild: Mercedes-Benz)

Die erste Alpenüberquerung mit dem eigenen Motorrad, die Ladeerlebnisse auf der ersten Fernreise mit dem Elektroauto – jeder hat wohl seine ganz eigenen Erinnerungen an außergewöhnliche Reisen. Dem Autor blieb ein Trip 1996 nach Sizilien im Gedächtnis. Nicht im Pkw, sondern mit einem Mercedes Sprinter. Die Freundin auf dem Beifahrersitz, im Laderaum Gepäck und Motorrad. 5.000 Kilometer in zwei Wochen mit einem Transporter abzuspulen, war Mitte der 1990er eigentlich kein Vergnügen. Doch der damals brandneue Sprinter machte daraus ein erstaunlich entspanntes Abenteuer.

Schon nach wenigen Kilometern war klar: Dieser Transporter war anders. Leiser, komfortabler – und vor allem schnell. Mit bis zu 170 km/h galt der Sprinter als der flinkste Transporter Europas und wurde rasch zur ersten Wahl eiliger Kurierdienste. Auf der Autobahn konnte er mühelos mit Limousinen mithalten, ohne dass das Lenkrad vibrierte oder die Beifahrerin protestierte.

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Name wird zur Gattungsbezeichnung

Als der erste Mercedes-Benz Sprinter 1995 vom Band rollte, begann für die Transportwelt eine neue Ära. Zum ersten Mal trug ein Lieferwagen mit Stern keinen Zahlencode, sondern einen Namen – bewusst gewählt, weil er Dynamik, Zuverlässigkeit und Tempo signalisierte. Der Begriff ist längst zur Gattungsbezeichnung geworden. Wer heute einen Transporter mietet, fragt häufig einfach nach „einem Sprinter“. Und das, obwohl der Wagen zusammen mit VW entwickelt wurde und auch in Hannover als VW LT vom Band lief.

Die technische Basis war ebenso fortschrittlich wie der Name. Als erster Serientransporter wurde der Sprinter mit Scheibenbremsen rundum sowie ABS ausgeliefert, optional sogar mit Airbag – damals eine kleine Revolution. Zudem lief er als erster Mercedes-Transporter auf Wunsch mit einem direkteinspritzenden Dieselmotor vom Band. Dessen 90 kW/122 PS waren eine Ansage. Für die langen Autobahnetappen nach Sizilien war das genau der richtige Motor: souverän, durchzugstark und mit einem Verbrauch um die zehn Liter für damalige Verhältnisse durchaus sparsam.

Modellvielfalt spricht alle Gewerbezweige an

Mit einer variantenreichen Modellpalette vom Kastenwagen über Pritsche und Kipper bis zum Fahrgestell für Spezialaufbauten sprach Mercedes rasch alle Branchen an. Handwerker, Lieferdienste und Rettungsorganisationen machten den Sprinter in kürzester Zeit zum vertrauten Bild auf Europas Straßen. Sein Image? Nicht immer positiv. Wenn bei Tempo 150 die prägnante Sprinter-Schnauze den Rückspiegel füllt, floh so mancher Autofahrer verschreckt auf die rechte Spur.

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Robustheit und Zuverlässigkeit machten den Sprinter schnell zum Dauerläufer. Kein Wunder, dass er es als 4x4-Servicefahrzeug sogar als Stammgast im Hintergrund zur Rallye Dakar oder der Rallye Aicha des Gazelles in Marokko schaffte. Während Konkurrent VW LT technisch kaum weiterentwickelt wurde, modernisierte Mercedes seinen Bestseller regelmäßig. 2006 kam die zweite Generation, größer, sicherer und effizienter, mit Varianten vom Allrad- bis zum Hochdach-Transporter sowie adaptivem ESP und dem ersten Seitenwindassistenten. 2018 folgte die dritte Auflage, die den Transporter mit dem Infotainmentsystem MBUX, vernetzten Diensten und erstmals auch als vollelektrisches Modell mit bis zu 480 Kilometern Reichweite endgültig ins digitale Zeitalter führte.

Software-definierte Architektur ab 2027

Rund fünf Millionen Exemplare wurden bislang in Düsseldorf, Ludwigsfelde, Charleston (USA) und Buenos Aires gebaut. Ob die dritte die letzte Sprinter-Generation bleibt oder der für 2027 geplante Nachfolger einen neuen Namen erhält, ist noch offen. Fest steht: Die nächste Transporter-Generation entsteht auf einer völlig neuen, software-definierten Architektur. Das Kürzel MB.OS (Mercedes-Benz Operating System) läutet für die kleinen Nutzfahrzeuge eine neue Ära ein. Künftig steuern zentrale Hochleistungsrechner sämtliche Systeme, Updates erfolgen wie beim Smartphone drahtlos „over the air“, und künstliche Intelligenz soll Wartungen vorausschauend planen.

Je nach Einsatzgebiet fährt der Transporter elektrisch oder mit modernem Verbrenner. 2027 soll der Mercedes-Transporter so zum vernetzten Alleskönner werden, der nicht nur Material, sondern auch Daten bewegt. Für Entwickler und Designer eröffnet der Elektroantrieb neue Freiheiten beim Laderaum. Da Stromer meist langsamer unterwegs sind, könnte auch das Design kantiger werden, weg vom windschnittigen Aufbau hin zu steileren Seitenwänden und mehr Volumen.

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Mehr Platz hätte sich der Autor übrigens schon damals auf Sizilien gewünscht: Ein alter Fiat 500, der für fünf Millionen Lire – umgerechnet knapp 5.000 Mark – beim örtlichen Händler stand, hätte bequem in den Sprinter gepasst. Doch die Vorstellung, dafür den gefederten Fahrersitz gegen die harte Sitzbank des Motorrads zu tauschen und 2.000 Kilometer von Palermo nach Hause zu zuckeln, wirkte dann doch wenig verlockend.

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