„Art Cars“

Wenn ein Auto zur Leinwand wird

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Mittlerweile schlagen internationale Kuratoren einer Art Car-Jury einen Künstler vor, der sich mit dem Thema auseinandersetzen darf. Die Künstler erhalten dabei kein festes Honorar, sondern lediglich eine Aufwandsentschädigung – die deutlich geringer ist als ihre Werke anschließend wert sind. Experten schätzen den von Andy Warhol gestalteten M1 auf über 30 Millionen Euro – wenn er denn verkauft würde. Die Einzelstücke befinden sich jedoch im Besitz des BMW-Museums und werden nur für besondere Ausstellungen weltweit verliehen. Aber seit kurzem lassen sich die Art Cars auch per Augmented-Reality-App von allen Seiten erleben.

Auch andere rückten das Auto immer wieder ins künstlerische Zentrum. Der Kölner Aktionskünstler HA Schult erschuf 1991 den „Goldenen Vogel“ mit goldfarben lackierten Flügeln, auch „Flügel-Fiesta“ genannt. Der französische Künstler Bernar Venet gestaltete 2012 einen Bugatti Veyron, Sir Peter Blake 2015 einen Bentley Continental GT V8S. Banksy, britischer Streetart-Künstler, nahm sich 2000 einen Volvo-Lkw vor und besprühte ihn, 2019 wurde das Fahrzeug versteigert.

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Ist das Kunst oder kann das weg?

Doch nicht jedes bemalte Auto wird auch zum wertvollen Kunst- und Sammlerobjekt. Frank Wilke unterscheidet bei Art Cars zwischen Fahrzeugen, die – ähnlich einer Leinwand – einem bekannten Künstler als Werkstück dienen, und Fahrzeugen mit lediglich einer ungewöhnlichen Lackierung. „Art Cars, die berühmte Künstler mit einem künstlerischen Anspruch erschaffen haben, sind sehr wertvoll“, so der Geschäftsführer vom Marktbeobachter Classic Analytics. „Die Preise der Art Cars bemessen sich daran, wie die sonstigen Werke der Künstler gehandelt werden. Daher ist es nahezu unerheblich, um welches Modell es sich handelt.“ Das Auto höre damit auf, Auto zu sein, sondern werde zur Plastik.

Bunte Schlitten gegen das Establishment

Anders sehe es bei Fahrzeugen mit einer ungewöhnlichen Lackierung aus. So zum Beispiel der ehemalige Rolls-Royce Phantom V von John Lennon. Auffällige florale Elemente zieren die Limousine. 1985 wurde das Auto für 2,3 Millionen US-Dollar bei einer Kunstauktion versteigert und war damit lange das teuerste Auto der Welt.

„Es war allerdings kein berühmter Künstler, der im Auftrag von John Lennon das Auto verziert hat“, sagt Wilke. „Vielmehr gelangte das Auto zu Ruhm, weil es bis dato einem Sakrileg glich, das Sinnbild des Establishments, des Adels und der alten Gesellschaft bunt zu bemalen.“ Die Beatles-Firma Apple Corps besaß zudem ab 1968 einen Bentley S1, heute bekannt als „Beatles-Bentley“. Den ließ der Vorbesitzer, ein Boutique-Inhaber, vom eher unbekannten Künstlerkollektiv Binder, Edwards und Vaughn (BEV), mit psychedelischen Formen und leuchtenden Farben bemalen.

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